Dossier

Econo-Wissenstransfer


1 Impulse satt

Die Reihe „Econo-Wissenstransfer“ ist gestartet! Für die Teilnehmer gab es tiefe Einblicke in erfolgreiche Digitalstrategien im Mittelstand.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Steffen Kottkamp hat schlicht das Format gesprengt. Der Executive Manager bei Mack Media wirbelte den Zeitplan der ersten Veranstaltung der Reihe "Econo-Wissenstransfer" durchei­nander: 20 Minuten mehr gesprochen als vereinbart - aber keine Minute davon langweilig. Respekt!

Damit hat das Format eine Bewährungsprobe bestanden. Kurzfristig war die eigentlich auf 30 gedeckelte Teilnehmerzahl aufgrund der Nachfrage noch erhöht worden. Auf Einladung von Wirtschaftsförderung und Energieforum Karlsruhe traf sich die bunt gemischte Gruppe auf dem Turmberg: Der Karlsruher Hausberg bot nicht nur eine wunderbare Aussicht, sondern mit den erst jüngst neu gebauten Veranstaltungsräumen auch die perfekte Kulisse für den breiten Austausch der Referenten und Teilnehmer, den das Format prägen soll.

Worüber man sich austauschte, dafür boten die Impulsreferate eine eindrückliche Grundlage. Steffen Kottkamp zeigte dabei am Beispiel des Europa-Parks, wie die Digitalisierung die Freizeitindus­trie beeinflusst: "Eigentlich ist ein Freizeitpark ja extrem analog, sehr sinnlich, körperlich." Wer wollte dem angesichts von Fahrgeschäften und perfekten Kulissen widersprechen? Mit Verve zeigte Kottkamp indes: Der Europa-Park profitiert an allen Ecken und Enden von der Digitalisierung. Die von Mack Media verantworteten Filme werden inzwischen in zig Ländern verkauft, die Games sind ebenfalls ein Renner. Und die Kundenbindung per Junior-Club ist top.

Doch da geht noch mehr: Mittels Virtual-Reality-Brillen (VR) wurde ein "langweiliger, 36 Jahre alter Coaster" aufgepeppt. Kottkamp: "Aber nur bei der Hälfte der Sitzplätze, aus Respekt vor den vielen Fans des 'Alpenblitz'." Doch einfach VR-Brillen aufzusetzen, funktioniert nicht - wegen des menschlichen Körpers. Der würde schlicht überfordert, Brechreiz wäre die Folge. Also wurde eine Technologie entwickelt, bei der die virtuelle Welt in der Brille auf den Zentimeter genau mit der Fahrstrecke synchronisiert werden kann. Eine Art Coaster-GPS, auf das Macks inzwischen ein Patent halten und erste Bahnen mit der neuen Technologie in alle Welt ausliefern, ergo sich ein neues Geschäftsfeld für die Fahrgeschäft-Sparte der Gruppe öffnet. Und verfolgt man die Ausführungen von Kottkamp, dann hat man ohnehin den Eindruck: Digitalisierung und Freizeitindustrie, das passt perfekt. Wenn man es geschickt anstellt.

Schnitt. Weniger spektakulär, aber nicht minder spannend wandelt die Digitalisierung hingegen das Geschäft des Messtechnikspezialisten Testo. Und das auf verschiedenen Ebenen, wie Technik-Vorstand Rolf Merte erläuterte: "Früher verkaufte man die Geräte im persönlichen Gespräch, heute anonym übers Internet." Damit muss man nun höllisch aufpassen, den Anschluss an die Kunden nicht zu verlieren. Eine andere Ebene: "Keiner kauft ein Messgerät, weil es Spaß macht. Er will damit Geld verdienen."

Deshalb muss man den Kunden unterstützen. Und wo früher Messwerte abgelesen und in Tabellen übertragen wurden, landen sie heute automatisch in der personalisierten Cloud, bereit zur Weiterbearbeitung. Als Merte aufzeigte, wie der Einsatz moderner Messtechnik die Auflagen in der Lebensmittelindustrie einfacher und präziser zu handhaben ist, da prangten alle Vorteile der Digitalisierung für Kunden und Testo deutlich auf einer Power-Point-Folie.

Doch wie kann man diese Vorteile als Mittelständler nutzen? Eine Frage, die der Technikvorstand nicht in einem Satz beantworten konnte. Zu komplex sind die Zusammenhänge. Und vor allem: Auch die beste Digitalstrategie steht und fällt mit den rich- tigen Mitarbeitern. Merte: "Webentwickler kriegen wir nun einmal nicht nach Titisee oder Lenzkirch." Also schulte man aufwendig langjährige eigene Mitarbeiter und eröffnete ein Büro in Berlin. Damit machte der Technik-Vorstand unmissverständlich deutlich: Eine gute Digitalstrategie zu haben, ist eines, die Umsetzung aber will gut geplant sein - und braucht einen entsprechend langen Atem.

Schnitt. Zur guten Strategie gehört natürlich auch, die Kundenbedürfnisse genau im Blick zu haben. Das hat Ludwig Kellner von Bedrunka + Hirth mit Bravour gemacht: Das 1969 gegründete Unternehmen ist ein Spezialist für Betriebseinrichtungen, klassische Werkstattaustattungen aus Blech und Holz. Doch die Anforderungen an Arbeitstische werden angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel höher. Kellner: "Es wird deshalb wichtiger, die Mitarbeiter bei der Arbeit zu unterstützen."

Wie das im Detail ausschaut, zeigte Wolfgang Horst Mahanty, Geschäftsführer des Bedrunka + Hirt-Partners Optimum anschaulich am Modell: Der moderne Arbeitstisch hat Kamera und Beamer und gibt dem Mitarbeiter aktiv Hilfestellung beispielsweise bei Montagetätigkeiten. "Wenn ein Handgriff als falsch erkannt wird, gibt es sofort einen Hinweis", so Mahanty - der daraus spontan mit Kottkamp einen Gamification-Ansatz entwickelte: Für jedes richtige Bauteil gibt es einen virtuellen Punkt?...

Damit hatten die Teilnehmer schon aus der Vorrunde reichlich Diskussionsstoff, über den sich auch bei der von Andrea Bühler vom Energieforum organisierten Energietour durch Karlsruhe kräftig ausgetauscht wurde. Auch bei der Tour gab es Input satt: Oder wer hätte gedacht, dass unter dem Synyx-Gebäude eine einzigartige Anlage arbeitet, die aus Fernwärme Kälte "macht"?

Der Nachmittag stand abschließend im Zeichen des Austauschs. Armin Nilles, Weiterbildungsverantwortlicher des Wissenstransfer-Partners Frankfurt School of Finance & Management, spann dabei den Diskussionsbogen für das "World Café" zwischen dem Veränderungsdruck und der Verwundbarkeit durch fehlende IT-Sicherheit bewusst breit. Zu welchen Ergebnissen die Teilnehmer am Ende der intensiven Gespräche gekommen sind, wird die Frankfurt School in einer wissenschaftlichen Arbeit laufend aufbereiten, die Econo-Leser nach der Veröffentlichung als weiteren Denkanstoß erhalten. Was war nun aber mit dem gesprengten Zeitplan? Das erwies sich am Ende als problemlos, da Teilnehmer bei Bedarf kurzerhand ihre Termine verschoben. Auch hier gilt: Respekt dafür!

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