Badenova: Finanzchef schmeißt hin

Maik Wassmer verlässt den Versorger aufgrund von "unterschiedlichen Auffassungen". Unklar ist, wie es nun mit diesem Vorstandsposten und generell dem Unternehmen weitergeht

 
Foto: Badenova
 

Freiburg. Das nennt man wohl konsequent: Maik Wassmer verlässt bereits Ende Juni seinen Posten als Personal- und Finanzvorstand des Energieversorgers Badenova und damit nur gut vier Wochen nach dem der Aufsichtsrat der Auflösung seines Vertrages zugestimmt hat – zwei Jahre vor dem offiziellen Ablauf. Die Auflösung sei "in bestem Einvernehmen" erfolgt, wie das Unternehmen mitteilt. Wassmer war 13 Jahre im Unternehmen, hat wesentliche Weiterentwicklungen mit vorangetrieben.

Als Aufsichtsratsvorsitzender gibt Freiburgs OB Martin Horn dem scheidenden Finanzchef denn auch beste Wünsche mit auf den Weg: "Mit Maik Wassmer verlässt ein kreativer und innovativer Kopf unser Unternehmen. Er hat als Finanzvorstand Badenova auch in schwierigen Zeiten auf Kurs gehalten, und so Kommunen als Anteilseigner stes ein verlässliches Ergebnis garantiert. Ich wünsche ihm persönlich und auch im Namen des gesamten Aufsichtsrates viel Glück und Erfolg bei seinen künftigen beruflichen Stationen." Von Seiten der Vorstandskollegen Thorsten Radensleben und Mathias Nikolay gab es indes keine offiziellen Äußerungen.

Wobei Horns Wünsche eine Frage provozieren: Warum lässt man einen derart "kreativen und innovativen Kopf" einfach ziehen? Immerhin sind die Zeiten für Versorger vor dem Hintergrund der Energiewende, des immer schärferen Wettbewerbs und neuer Gesetze nicht einfach…

Bei Badenova hält man sich mit einer Antwort auf diese Frage zurück. Die offizielle Lesart lautet: "Die Gründe für das verzeitige Ausscheiden sind unterschiedliche Auffassungen innerhalb des Vorstandes von der Weiterentwicklung und Aufstellung der Badenova."

Drei mögliche inoffizielle Antworten gibt es für den drastischen Schritt:

# Wassmer war nicht einverstanden mit der jüngst verkündeten Neuausrichtung der Tochtergesellschaft BN-Netze – immerhin steuerte er die Gründung der Netzgesellschaft. Das Unternehmen soll künftig zu einem umfassenden Dienstleister umgebaut werden, der "Planung, Bau und Betrieb von kundeneigenen Versorgungsanlagen in der Industrie, Services rund um kommunale Infrastruktur und Smart-City-Lösungen" anbieten kann. Das neue Aufgabenspektrum wird ergo viel bunter und damit auch in mehrerer Hinsicht von Personal bis Finanzen komplexer. Dass Wassmer hier potenziell mehr Risiken als Chancen gesehen hat, erscheint zumindest wahrscheinlich. Allerdings bestreitet man bei Badenova vehement einen Dissens in diesem Punkt.

# Mit dem Umbau der BN-Netze einher geht die Aufstockung der Geschäftsführung: Neben den bisherigen Chefs Rheinhold Lohr (Betriebswirtschaft) und Volker Geis (Technik) stößt Robin Grey neu hinzu. Grey ist bei Badenova kein Unbekannter, hat das Gründerzentrum "Baden-Campus" aufgebaut, die Organisation "Klimapartner Oberrhein" geleitet, war in der Unternehmenskommunikation und leitete die Innovationsabteilung "Smart City & Smart Busines".
Grey ist damit ein ähnlich kreativer Kopf wie Wassmer – aber sieben Jahre jünger. Der "Neue" hätte damit in zwei Jahren eine gute Ausgangsposition, wenn es an die Neuverhandlung der Verträge der Badenova-Vorstände durch den Aufsichtsrat geht. Wassmer wurden zwar Ambitionen auf den Posten des Vorstandschefs nachgesagt, aber dass Grey als Politik- und Rechtswissenschaftler bei aller Kreativität dem ausgefuchsten Experten Wassmer das Wasser reichen kann, erscheint unwahrscheinlich – schließlich erwirtschaften nur wenige Versorgungsunternehmen in Deutschland stabil hohe Ausschüttungen an die Anteilseigner.

# Bleibt als drittes noch eine spekulative Antwort: Die Badenova steht ganz generell vor einem relevanten Umbau, ändert das Geschäftsgebiet oder sogar das Geschäftsmodell in einem Maß, das Wassmer nicht mittragen konnte. Bei der Badenova hält man sich dazu auf eine entsprechende econo-Frage vielsagend bedeckt: "Aktuell ist es noch zu früh, um hier Aussagen zu treffen."

Es braucht also noch ein wenig Geduld bis klar ist, ob das die Antwort auf die Frage nach dem Abgang Wassmers ist – und wie Badenova in die Zukunft geht.

Übrigens: Das kurzfristige Ausscheiden des Finanzchefs lässt nicht einmal Zeit, einen Nachfolger einzuarbeiten. Vorstandschef Radensleben wird die Aufgaben ab dem 1. Juli zusätzlich übernehmen. Und dann? Die Antwort der Badenova auf eine entsprechende econo-Frage lässt aufhorchen: "Wie es mit dem Vorstand von Struktur und gegebenenfalls Neubesetzung her weiter geht, ist noch offen."

Badenova stehen also spannende Wochen bevor.

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