Herbert Richter gibt auf

Das Unternehmen produziert und vertreibt Autozubehör aller Art – und gerät immer stärker unter Druck durch Onlinehandelsplätze aus China. Deshalb zieht Chef Harald Richter die Reißleine

 
Foto: Herbert Richter
 

Pforzheim. Zum Schluss hat es Harald Richter noch mit einer speziellen Stabsstelle versucht: Die hat mehrere tausend Raubbkopien von diversen Handelsplattformen entfernen lassen – allein, es gleicht dem Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlen: "Wenn Angebote gelöscht werden, sind diese spätestens nach zwei bis drei Wochen wieder anderweitig online. Schutzrechte anzumelden und diese zu verteidigen, ist somit ein in der Praxis aussichtsloser Kampf, da die meisten Anbieter außerhalb Europas ihren Sitz haben und die Zahl der Schutzrechtsverletzungen zu groß für ein mittelständisches Unternehmen ist", schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Die Konsequenz: Firmenchef Richter wird die Herbert Richter Metallwaren – Apparatebau zum 30. April 2020 schließen. Die aktuell noch mehr als 100 Mitarbeiter wurden bereits informiert und haben entsprechende Kündigung erhalten. Zunächst haben mehrere Tageszeitungen über das Aus berichtet.

Das Unternehmen wurde 1956 als Familienunternehmen gegründet. Herbert Richter stellt unter anderem hochwertiges Autozubehör wie Halterungen für Smartphones, aber auch Staunetze und Nothämmer her. Neben allerlei Händlern und Handelsplattformen zählen auch OEM zu den Kunden. Anfang der 2000er Jahre hat das Unternehmen große Erfolge mit Halterungen für die aufkommenden mobilen Navigationsgeräte gefeiert.

Nach dem Jahr 2007 brachen die Umsätze stückweise ein – nach Angaben des Firmenchefs vor allem wegen der Konkurrenz aus Fernost: "Aufgrund der in China bezahlten Löhne, die teilweise bis zu 90 Prozent unter dem deutschen Lohnniveau liegen, war es dem Handel möglich, vergleichbare Produkte weit unter unseren Herstellkosten zu importieren."

Zudem seien seit dem Jahr 2017 massiv die Umsätze im Onlinebereich eingebrochen, da "es Handelsmarktplätze den chinesischen Herstellern ermöglichen, ihre Produkte zu chinesischen Herstellerpreisen direkt an den deutschen Endverbraucher – direkt aus China heraus – anzubieten". Diese Produkte würden nicht den hiesigen Normen entsprechen und die Endpreise lägen unter denen des Rohmaterials in Deutschland. Obendrein seien die Versandkosten aus China nach Europa günstiger als innerhalb von Deutschland.

Firmenchef Harald Richter hatte bereits mit dem Abbaub von 30 Arbeitsplätzen auf die Herausforderungen reagiert,  doch das Unternehmen könne nicht auf Dauer im internationalen Wettbewerb bestehen.

Herbst Richter produziert auf einer Fläche mit 40.000 Quadratmetern mit 80 Spritzgussmaschinen.

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