Foto: jigal Fichtner für econo

Globen Player

Torsten Oestergaard führt die weltweit älteste Globusmanufaktur Columbus in vierter Generation. Sohn Niklas bastelt schon mit an der digitalen Zukunft des Verlags. Und wird ihn vielleicht eines Tages hineinführen.

Lothar Späth und auch Erwin Teufel werden sich noch gut an Torsten Oestergaard erinnern. Fast fünf Jahre stand der gelernte Hotel- und Restaurantfachmann in ihren Diensten. Als Service-Leiter war er einst für den "Wohlfühl-Faktor" bei Empfängen für die Größen aus Politik und Wirtschaft in der Villa Reitzenstein zuständig. Jetzt sitzt Oestergaard entspannt auf dem weißen Ledersofa im Showroom des Columbus Verlags in Krauchenwies, die goldenen Knöpfe an dem dunkenblauen Jacket erinnern an die Livree des Staatsdieners' der er mal war. Und Oestergaard erklärt die Welt. Gewissermaßen.

Urgroßvater Paul Oestergaard, gründet den Columbus Verlag 1909 in Berlin. Mit dem Anspruch, "einen Globus in jedes Heim" zu bringen, fertigt er hochwertige Kartografien in größeren Stückzahlen und zu erschwinglichen Preisen. Das Konzept geht auf, Columbus gedeiht. Bald produziert das Unternehmen Globen in 24 Sprachen. Unter der Leitung von Paul Oestergaard jun. zieht Columbus nach dem Krieg um nach Stuttgart. Sohn Peter, eigentlich Maschinenbauingenieur, übernimmt das Ruder 1963.

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ist eine Zäsur; die ganze Branche kann mit dem Tempo der geopolitischen Verschiebungen in Ost und West kaum mithalten, die Umsätze brechen ein. "Von heute auf morgen waren unsere Globen und Karten praktisch wertlos", erinnert sich Torsten Oestergaard. Columbus steht kurz vor der Insolvenz und übersiedelt nach Krauchenwies. Hier sitzen wichtige Zulieferer, die so enger in die Produktionsabläufe eingebunden werden können.

Der Neustart gelingt, Torsten Oester­gaard übernimmt 1994 die Geschäftsleitung. Heute produziert das Unternehmen mit rund 60 Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb bis zu 6000 Globen aus Kristall- und Acrylglas unterschiedlicher Größe und Ausfertigung sowie etwa 200?000 maschinell gefertigte Weltkugeln. 2009, zum Hundertjährigen, schaute Bundeskanzlerin Angela Merkel in Krauchenwies vorbei. Und im vergangenen Jahr zeichnete Außenminister Guido Westerwelle Columbus als eine der schönsten Manufak­turen Deutschlands aus. "Globen sind wieder in Mode", resümiert Oestergaard und lächelt sein Großer-Junge-Lächeln.

Den Erfolg seines Unternehmens begründet der 47-Jährige mit einer Mischung aus Erfahrung, Exklusivität und großer Fertigungs­tiefe. Wichtige Faktoren seien zudem die Produktvielfalt und natürlich die Qualität von Kartografie und Handarbeit, doziert Oester­gaard und streicht an einem der Globen liebevoll mit der Rechten von Tromsø im Norden Norwegens bis hinunter nach Kapstadt. Insbesondere das Handkaschieren der Globen, bei dem linsenförmige sphärische Zweiecke ausgeschnitten und mit Leim auf die Kugeln aufgeklebt werden, erfordere größte Sorgfalt.

"Columbus war mit innovativen Ideen schon immer Trendsetter", sagt Oestergard. Der "Duo-Globus" aus den 1950er-Jahren, der zugleich eine physische und politische Karte darstellen kann, ist wegweisend. 1965 bringt Columbus den Duplex-Globus auf den Markt und markiert damit einen Meilenstein in der automatisierten Herstellung von Kunststoffweltkugeln. 2000 stellt das Unternehmen einen Globus vor, der in einem Magnetfeld frei schwebt, sowie die Magnum-Globen mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern.

Schließlich verknüpft Columbus die analoge und digitale Welt: Der Audiostift "Ting" von 2011 bringt die Globen quasi zum Sprechen. Nur ein Jahr später zeigt Columbus seine 4-D-Globus-App für Smartphones und Tablets, die die geografischen Informationen etwa um aktuelle Wetterdaten der Metropolen ergänzt. Seinen Teil zur Entwicklung von Ting und 4-D-App beigetragen hat Oester­gaards Sohn Niklas - mit gerade mal 15 Jahren. Der heute 18-Jährige will jetzt erst einmal Informatik studieren. Und dann - wer weiß - in die Fußstapfen des Vaters treten. Damit sich die Welt von Columbus weiterdreht.

Das Porträt erschien zuerst in der Print-Ausgabe Mai 2013 von econo.

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