Foto: Jigal Fichtner für econo

Fischers Fuchs

Dirk Fox ist einer der renommiertesten IT-Datenschutz-Experten. Den Chef von Secorvo treibt eine weitere Leidenschaft an: das Bauen mit Fischertechnik. Damit will er nun im wahrsten Sinne Schule machen.

Die alte Liebe von Dirk Fox flammt wieder auf, als sein Vater auf dem Dachboden des Elternhauses kruschtelt und auf einige verstaubte Schachteln mit Fischertechnik stößt. Die Packungen waren 30 Jahre zuvor tagtägliche Begleiter von Fox. "Wahrscheinlich wäre ich ohne Fischertechnik nicht einmal Ingenieur geworden", sagt der IT-Unternehmer acht Jahre nach dem väterlichen Fund. Diese Erkenntnis treibt den Technik-Fuchs seitdem um. Doch der Reihe nach.

Fox sitzt in seinem Büro unweit des Karlsruher Bahnhofs. Die Einrichtung ist typisch für ein Beratungsunternehmen - unprätentiös. Graue Möbel dominieren, Grünpflanzen gibt es. Der Kontakt zum Kunden findet eben vor Ort statt. Die großformatigen, überbordenden Werke des Künstlers Thitz geben dem Raum Individua­lität. Fox schmunzelt: "Ich habe ihn schon gesammelt, bevor er groß bekannt wurde. Das macht die Leidenschaft erschwinglicher."

Man kann es so sagen: Die bunten Bilder sind das perfekte Gegengewicht zur Fox'schen Nerd-Welt aus Hackern und Viren. Denn der 50-Jährige ist einer der bekanntesten IT-­Datenexperten. Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre, gleich nach seinem Informatik-Studium in Karlsruhe, befasst sich Fox mit dem Thema. Schon damals arbeitete er an einer Echtzeit-Verschlüsselungstechnik, hat an einer SSL-Implementierung mitprogrammiert und die Leidenschaft zur IT-Beratung für sich entdeckt - stets ein Ziel vor Augen: Datensicherheit.

Heute noch redet sich Fox schnell in Rage, wenn man ihn auf die Unbedarftheit vieler - Bürger wie Unternehmen - in Sachen Datensicherheit anspricht. "Der Satz 'ich habe ja nichts zu verbergen' ist so ein dummes Geschwätz! Wer würde mir denn im realen Leben einfach so seine Bankkarte geben und die PIN draufschreiben?... Aber im Netz fallen alle Hemmungen!"

1998 hat sich Fox mit Secorvo selbstständig gemacht: "Es war ein fliegender Start." Denn er übernahm eine Abteilung seines früheren Arbeitgebers mit fünf Mitarbeitern und einem Millionen-Auftrag der Deutschen Bank. Auf zwei, drei gigantische Jahre folgt das Platzen der Internet-Blase. Seitdem rät Fox Gründern beim Cyberforum: "Nicht die virtuelle Liquidität im Business-Plan ist wichtig, sondern die reale auf dem Konto."
Inzwischen beschäftigt Fox 25 Mitarbeiter und er hat Secorvo mit 75 Prozent Eigenkapital entsprechend aufgestellt. Zu den Kunden der preisgekrönten Berater zählen Dax-Konzerne ebenso wie Mittelständler.

Doch zurück zu Fischertechnik. Kaum hatte der Vater die Packungen vom Speicher geholt, da reifte beim Sohn eine Idee: Wenn er selbst durchs Experimentieren und Bauen zum Ingenieur wurde - wäre das dann auch bei anderen möglich?

Gefragt, getan. Fox baut und ersinnt nicht nur mit seinen eigenen Söhnen im Alter von 16, 13 und neun Jahren Maschinen, Roboter und Bauwerke wie die Tower Bridge. Mit glänzenden Augen doziert er, wie sich "Ewigkeitsmaschinen" von der Größe eines Din-A4-Blattes konstruieren lassen oder meterhohe Kräne mit berechneter Tragkraft. Und wie Schüler unter seiner Anleitung schon im Alter von zehn, zwölf Jahren CD-Spieler simulieren: "Die haben selbst recherchiert, wie das funktioniert." Dem Unternehmer zeichnet die Begeisterung für derlei Pioniergeist ein breites Grinsen ins Gesicht.

Fox trägt seine Leidenschaft mit Unterstützung von Pädagogen an verschiedene Schulen und Kindergärten in Karlsruhe. Er hat Sponsoren unter befreundeten Unternehmen für Fischertechnik-Pakete im Wert von bis zu 3500 Euro aufgetrieben. In Kürze will er eine eigene Roboter-Liga etablieren, bei der reale Aufgaben wie das automatische Einparken eines Fahrzeugs als Aufgaben gelöst werden müssen und er will seine Ideen an alle Schulen in Baden-Württemberg tragen.

Doch warum der Aufwand? Basteln könnte er auch allein im Wohnzimmer mit seinen Söhnen. Fox: "Deutschland lebt von seinen Ingenieuren." Diesen Geist dürfe man nicht vernachlässigen.

Das Porträt erschien zuerst in der Print-Ausgabe Juni 2016 von econo.

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