Foto: Jigal Fichtner für econo

Ein Unternehmer wie jeder andere

Econo Klassiker: Wie viele andere hat er die Firma von seinem Vater übernommen. Allerdings ist das Unternehmen von Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern 300 Jahre alt, seine Familiengeschichte fast 1000.

Privat ist er nicht Seine Durchlaucht Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern. Privat ist er Charly, Leadsänger, Gitarrist und Saxophonist der Jazzband Charly and the Jivemates. "Man muss sich entscheiden, was man mit seiner Freizeit macht. Andere spielen Golf."

Einen Ausgleich hat Karl Friedrich sicher nötig: Er ist Mitglied in diversen Vorständen und Beiräten, Generalbevollmächtigter der Fürst-von-Hohenzollern-Gruppe und Hauptgesellschafter des Unternehmens Zollern. Die Zollern-Gruppe fertigt unter anderem Turboladerräder, die im Porsche und MAN-Laster stecken, außerdem Getriebe für Windkrafträder.

Im Moment muss sich der Erbprinz wie jeder andere Unternehmer mit der schlechten Wirtschaftslage befassen. Die Finanzkrise macht eben auch vor Fürstens nicht halt; die angestrebte 600-Millionen-Euro-Umsatzschwelle wird die Zollern-Gruppe in diesem Jahr nicht knacken. "Unsere Planzahlen müssen wir nach unten korrigieren", sagt der Prinz. "In verschiedenen Bereichen hatten wir einen Rückgang um bis zu 50 Prozent. Aber wir hoffen, den Umsatz des Vorjahres noch zu erreichen." Der lag für 2007/2008 bei rund 525 Millionen Euro.

Für Karl Friedrich ist das nur eine logische Konsequenz: "Wir haben alle den Drachen geritten. Jetzt sind wir heruntergefallen und müssen zusehen, wie wir wieder vom Boden aufstehen."

Von Konjunkturprogrammen und Staatshilfe hält der adlige Unternehmer nicht viel. "Für den Bauch der Allgemeinheit ist so etwas vielleicht ganz heilsam, aber langfristig löst das doch keine Probleme." Karl Friedrich nennt das Beispiel Opel: "Meines Erachtens ist das Unternehmen einfach nicht mehr wettbewerbsfähig. Opel ist zum Scheitern verurteilt."

Also ein konsequentes Abschneiden der vertrockneten Äste? Seine Durchlaucht antwortet mit einem schnellen und lauten "Ja". Er selbst habe das in der Vergangenheit auch so gemacht. Seine Devise: "Lieber ein Ende mit Schrecken." Trotz der harten Worte: Die Zollern-Gruppe ist für Karl Friedrich ein Familienunternehmen. Man hat einen Namen in der Branche, die Lehrstellen sind bei den Schulabgängern des Umlands beliebt. Wenn es bei den Ingenieuren Schwierigkeiten gibt, die passenden Fachkräfte zu finden, liegt es nach Ansicht des Erbprinzen an der ländlichen Region. "In der Branche haben wir einen sehr guten Namen, aber wir müssen eben auch erst einmal jemanden finden, der hierher kommt." Lehrlinge werden übernommen. "Da wissen wir, was die gelernt haben, die kennen den Geist des Unternehmens ganz genau."

Das Geschlecht derer von Hohenzollern schmückt sich nicht mit einem kettenrasselnden Schlossgespenst, sondern mit einem Geist, der die Zollern-Gruppe zusammenhält. Karl Friedrich ist stolz auf den Familiengeist: "Das haben wir sogar in China geschafft, dass dieser Geist dort herrscht."

Geist hin, Geist her: Für den Unternehmer Karl Friedrich von Hohenzollern spielt der adlige Hintergrund fürs Geschäft keine Rolle. Seine Geschäftspartner sehen das allerdings häufig anders. "Gerade wenn wir mit Städten oder Gemeinden zu tun haben, heißt es schnell, ,Ach, der hat es doch nicht nötig, da müssen wir nicht kooperieren'. Dann muss ich mein Gegenüber eben überzeugen, dass er es mit einem Unternehmen wie jedem anderen zu tun hat." Aber schafft er es, die Geschäftspartner eines Besseren zu belehren? "In der Regel ja", antwortet der selbstbewusste Fürst ohne zu zögern.

Aus der Fassung bringen ihn solche Resonanzen keineswegs: "Wenn ich mich darüber ärgern würde, würde ich nichts anderes machen." Das sagt er ganz gelassen, nicht resigniert oder von oben herab. Es ist eben ein Umstand, den sein Name mitbringt. Zum Glück gibt es ja noch Charly ...

Seine Durchlaucht Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern ist der älteste Sohn des Oberhaupts des Hauses Hohenzollern, Friedrich Wilhelm von Hohenzollern. Bereits seit 1984 arbeitet der Bankkaufmann im Familienunternehmen. Er ist Generalbevollmächtigter der Fürst-von-Hohenzollern-Gruppe und Hauptgesellschafter des Unternehmens Zollern. Außerdem wurde er 2007 in den Bundesvorstand des Wirtschaftsrates Deutschland der CDU gewählt. "Hier kann ich mit meinen Ideen als Unternehmer Einfluss auf die Politik nehmen", beschreibt der Fürst seine Intention.

Die Geschichte der Zollern-Gruppe hat 1708 mit der Eisengewinnung im Hüttenwerk Laucherthal angefangen. Bis 2004 trug die Gruppe noch den Namen "Fürstlich Hohenzollersche Hüttenwerke". Heute hat die Gruppe 17 Standorte weltweit. Zur Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern gehören der Bereich Forst, Beteiligungen und Finanzen, Immobilien, eine Schreinerei, ein Skigebiet sowie das Schloss Sigmaringen, der Stammsitz der Familie.

Das Porträt erschien zuerst in der Print-Ausgabe von Econo im Mai 2009.

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