Foto: Michael Bode

Aus dem Exil

Als Manfred Hammes kam, kämpfte die WRO noch um ihre Daseinsberechtigung. Jetzt, da er geht, wird jeder, der nicht in dem Verbund ist, für verrückt erklärt. Wessen Verdienst das wohl sein mag?

Geplant war das nicht. Manfred Hammes hatte sich bereits mit 55 Jahren damit arrangiert, früh in den Ruhestand zu gehen und im französischen Exil zu leben. In der Provence hat er mit alten Baumaterialien ein Haus aus dem 17. Jahrhundert restauriert und war darauf eingestellt, hier und da mal ein Buch zu schreiben, etwas Wein anzubauen und diesen den Rest des Jahres zu genießen. Dann kommt der Anruf des damaligen Oberbürgermeisters von Achern, Reinhart Köstlin. Elf Jahre ist das her. Und jetzt, mit 66, ist Hammes wirklich in den Ruhestand gegangen. Und selten hat ein Netzwerker ein Netzwerk so geprägt, wie Hammes die WRO.

Diese Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau ist als kreisweite Wirtschaftsförderung und Standortmarketing konzipiert. Zu Beginn der 2000er-Jahre lebt die Industrie noch wie die Made im Speck. Und wenn es einem Unternehmer oder einer Kommune gut geht, dann ist sie oft am geizigsten. Unter Andreas Thiel, einem aufrechten Bürokraten, kämpft die WRO um ihre Existenzberechtigung. Thiel hält das Frühchen WRO so überzeugend am Leben, dass er von der Stadt Augsburg abgeworben wird - als Wirtschaftsförderer. Was nun?

Die Antwort heißt Manfred Hammes. Der gebürtige Trierer hat einen Lebenslauf, der nicht recht auf den Posten als WRO-Chef passen will. Er ist kein Geo-Wissenschaftler oder Verwaltungsrechtler, wie so viele Wirtschaftsförderer. Hammes hat Jura studiert, sein Studium laut Eigenauskunft aber vor allem mit Basketball verbracht. So gut übrigens, dass er es in die Erste Bundesliga schaffte, als Aufbauspieler. Im Fußball würde man sagen: als Spielmacher.

Als Macher, als Gestalter, als Aufbauer kommt er auch danach zum Einsatz. Er hilft unter anderem, einen der größten Corporate-Publishing-Verlage Deutschlands aus der Taufe zu heben, und wird Geschäftsführer der Mittelbadischen Presse in Offenburg. Als er ins französische Exil verschwindet, bleibt er im Gedächtnis.

So kehrt er auf persönliches Bitten 2005 in die Ortenau zurück und macht aus dem Frühchen einen strammen Max. Die Zahl der kommunalen und institutionellen Gesellschafter steigt unter seiner Führung von 39 auf 55, die Zahl der Unternehmen im Wirtschaftsbeirat verdoppelt sich - von 80 auf 160. Heute gehört es sich, dazuzugehören. Hammes' Nachfolger Dominik Fehringer übernimmt eine gut aufgestellte Organisation.

Aber er ist nicht zu beneiden. Als Grußwortgeber war Hammes oft die Messlatte, an der Keynote-Speaker scheiterten. Seine Pointen waren so zündend, dass er sie nicht mal in Witze verpacken musste. Sein komödiantischer Stil erinnert an Woody Allen - mit einem gespielten Zögern, oft selbstironisch und vor allem: auf den Punkt. Seine Qualitäten als Netzwerker und Moderator sind legendär. Auf einem Empfang fiel mal der Dialog: "Bisch jetz' auch bei Xing?" "Wieso? Ich kenn doch den Hammes."

Dass er sich nun langweilt, ist ausgeschlossen. Hammes hat ein Buch zu schreiben, eine zehnteilige Doku-Serie fürs französische Fernsehen zu produzieren, in der die Verbindungen von Literatur und Kulinarik im Süden Frankreichs ergründet wird, und er ist auch sonst ein gefragter Mann. Ein erstes Treffen mit dem Autor sagt er ab, weil er seiner Frau, die Lehrerin in Lahr ist, bei den Bundesjugendspielen helfen muss. Zwei Tage später, sitzen wir im Hof von Hammes' Haus. "Ich konnte meiner Frau das nicht ausschlagen. Ich bin ja jetzt Pensionär", sagt er. Dann zwinkert er kurz und lächelt mild. So mild, wie nur er es kann. Nächstes Jahr will er seine TV-Serie fertig haben, die nur im französischen Spartenprogramm zu sehen sein wird. Und darum schreiben jetzt alle mal einen Brief an hiesige Intendanten. So geht's ja nicht!

Das Porträt erschien zuerst in der Print-Ausgabe Juli/August 2016 von econo.

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