Urban Messner, Landwirt mit Ferkelzucht

Arme Schweine?

Urban Messner möchte Millionen in eine Ferkelzuchtanlage investieren. Sein Anliegen ist gut begründet, und es sichert die Zukunft seiner Kinder. Die Gegner sehen das völlig anders

Urban Messner (l.) will die Zukunft seiner Ferkelzucht sichern und massiv investieren

Urban Messner (l.) will die Zukunft seiner Ferkelzucht sichern und massiv investieren

Foto: Jigal Fichtner

Vorwitzig lugt das Ferkel Urban Messner über die Schulter. Ein anderes döst entspannt vor sich hin, auf dem Rücken liegend. Ein drittes schaut aus einem Regal herüber. Die vergnügte Schweinebande ist aus Keramik und verteilt sich im Esszimmer von Familie Messner. Die Bande sagt viel darüber aus, wie sehr beim Familienoberhaupt der Beruf zur Passion geworden ist.
Urban Messner ist Ende 40 und züchtet Ferkel. 250 Muttersauen hat er, eigentlich zu wenig. Er ist Landwirt mit Leib und Seele, ein authentischer Mensch, wie man ihn heute selten findet. Mit einer Leidenschaft, die sich auch auf seine Kinder überträgt. Und die im Wortsinne Leiden schafft.
Messner: „Ich habe nicht geahnt, was da auf uns zukommt.“

Dabei hat Messner nur an die Zukunft gedacht. Diese Zukunft liegt als Plan auf dem Esszimmertisch. Der Laie erkennt darauf viele Linien und Maßeinheiten. Erst die Ausführungen des Landwirts lassen die Vision dahinter erkennen. Messner will mehrere Millionen Euro in eine neue Ferkelzuchtanlage investieren. Es wäre eine der größten im Land. 1250 Muttersauen will er halten, 30 000 Ferkel will er pro Jahr produzieren. Die Anlage ist unter allen Gesichtspunkten optimiert, das Futter stammt aus der Region, die Gülle wird in der Region als Dünger ausgebracht. Eine Kreislaufwirtschaft wie aus dem Bilderbuch. Vier Leute können den Betrieb problemlos bewältigen.

Wenn Messner die Fakten erläutert, dann klingen die trotz seines weichen Dialekts technisch. Für den Laien ist das gewöhnungsbedürftig. Für den Landwirt normal: „Auch wir müssen so effizient wie möglich produzieren, sonst rechnet es sich nicht.“ Der Ferkelpreis ist extrem sprunghaft. Der Landwirtschaft gehe es am Ende nicht anders wie Drehteileherstellern.
Die breite Bevölkerung hat eine andere Meinung. Selbst hier auf dem Land, in Messners Heimat, im idyllisch in der Ostbaar gelegenen Bad Dürrheim-Oberbaldingen. Hier in dieser von der Landwirtschaft geprägten Kulturlandschaft wird klar, wie weit sich Bevölkerung und Bauern voneinander entfernt haben. Fleisch muss immer und überall verfügbar sein. Aber wie es produziert wird, darüber macht sich kaum einer Gedanken. Man könnte es so sagen:  Einschlägige Magazine prägen ein überromantisiertes Bild des Bauernhofs. Die Realität ist anders.

Kaum wurden Messners Pläne ruchbar, gründete sich eine Bürgerinitiative gegen die „Schweinefabrik“. Von Tierquälerei, Gülle-Tourismus und Sorgen ums Grundwasser wurde gesprochen. Messners Argumente hörte man sich nicht wirklich an.

Massiv geht die Initiative gegen die Pläne vor, hat die Politik bis hinauf zu verschiedenen Bundestagsabgeordneten mobilisiert, sogar der CDU. Das Baugesetzbuch soll der Bundestag nach ihrem Willen ändern. Politikkenner lächeln über das Anliegen. Aber mehr als 16 000 Unterschriften kamen für diese Petition zusammen. Eine Werbeagentur stützt die Gegner mit Kampagnen. Es wurden sogar mehrere Eskalationsstufen durchgespielt. Wer sich die Pläne anhört, dem kann anders werden. Das Ziel ist klar: „Die Schweinefabrik soll verhindert werden.“ Punkt.

Es ist ein ungleicher Kampf.
Urban Messner ist sich dessen bewusst. Aber resignieren ist für ihn nicht drin. Ist er ein Rebell? Nein. Messner ist ein nachdenklicher Mensch, statt an den Stammtisch zieht es ihn ans Schachbrett. Und selbst abends vor dem Kaminofen befasst er sich noch mit den Fakten zur optimierten Schweinezucht. Deshalb hat seine Planung nichts mit Rebellion zu tun. Sondern mit Fakten und Zwängen: „Die Investition ist der einzig richtige Weg.“ Mindestens 400 Muttersauen brauche es künftig, um eine Familie zu ernähren. Drei seiner fünf Kinder wollen den Hof übernehmen. Macht unterm Strich mindestens 1200 Sauen.

Kenner bestätigen Messner Rechnung. Nur öffentlich will sich dazu keiner äußern. Weder beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband BLHV noch beim Landwirtschaftsministerium sind klare Aussagen zu Messners Planungen zu erhalten.

Der Landwirt steht alleine da.
Messner fühlt sich durchaus im Stich gelassen. Im Familienrat sind die Pläne über mehrere Jahre gereift. Dann hat er sich an die zuständigen Ämter und Behörden gewandt. Hat Gutachten erstellen lassen und mehrere Standorte vorgeschlagen. Vorgespräche sollen positiv verlaufen sein. Sagt er. Warum hätte er sich auch sonst in die Unkosten mit Gutachten und Planungen stürzen sollen?
Die Frage wabert durchs Esszimmer. Antworten können nur die geben, die damals mit am Tisch saßen. Ob sich Messner als armes Schwein fühlt? „Irgendwie schon.“ Denn jetzt ist er schon derart in Vorleistung gegangen, dass er nicht zurück kann. Kommt die Baugenehmigung nicht, dann steht der Hof vor dem Aus. Mag die Schweinebande im Esszimmer auch noch so vergnügt sein.

Dirk Werner

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