Ulrich Burchardt, OB in Konstanz

Der Heimkehrer mit Mission

Ulrich Burchardt ist Landwirt, Förster, Autor und Berater. Vor allem aber ein Nachhaltigskeitsfanatiker. Und jetzt wird er OB in Konstanz. Die Wahl hat Burchardt aber nicht allein für sich gewonnen

Inszenierung mit Landrover: Ulrich Burchardt wird der neue OB in Konstanz

Inszenierung mit Landrover: Ulrich Burchardt wird der neue OB in Konstanz

Foto: Kühnle + Knödler

Am frühen Abend des 15. Juli, einem Sonntag, fällt den CDU-Strategen in Stuttgart ein Stein vom Herzen. Es ist derselbe Zeitpunkt als Ulrich Burchardt seine Lebensgefährtin Barbara Ehniß im Rathaus in Konstanz in den Arm nimmt. Eben ist die Auszählung des zweiten Wahlgangs zu Ende gegangen. Der 41-jährige Burchardt hat sich durchgesetzt, das hat sich an diesem Abend früh abgezeichnet. 39,1 Prozent der Konstanzer haben für ihn votiert. Die Wahlbeteiligung liegt bei 44,5 Prozent. Die Werte sind weder gut noch schlecht.

An diesem Abend sind zwei andere Aspekte wichtiger: 1. Die CDU hat Kon­stanz, die Hochburg der Grünen geschliffen, sie hat in einer Studentenstadt gesiegt! 2. Burchardt ist zurück in seiner Heimat. In Konstanz wurde er 1971 geboren, seine Familie hat hier einen großen Namen. Und er hat eine Mission.

Um das zu verstehen, muss man sich mit Ulrich Burchardt näher beschäftigen. Er ist eloquent und charmant. Das darf man von einem Unternehmensberater und  Vortragsredner erwarten. Er hinterlässt einen ungeheuer geschäftigen Eindruck. Selbst die Anfrage nach einer Stunde Zeit für ein Gespräch lässt seine Stirn runzeln: „So lange?“ Vielleicht symbolisiert diese Geschäftigkeit Erfolg. Vielleicht ist es auch nur eine allgemeine Getriebenheit. Vielleicht ist sie aber Teil einer perfekten Inszenierung der Marke Uli Burchardt. Der Name trägt das TM-Signet.

Jedenfalls passt alles perfekt.

Den Eindruck muss man bekommen, seitdem am 12. März sein Buch „Ausgegeizt! Wertvoll ist besser – das Manufactum-Prinzip“ beim Sachbuchverlag Campus erschienen ist. Die 288 Seiten sind leinengebunden, das wirkt wertig. Denn genau darum geht es in dem Buch: Nachhaltigkeit ist geil!

Wer es liest, findet sich, überspitzt gesagt, in einem Manifest der guten Dinge wieder. Die Automarke Landrover? Klasse, weil wertstabil. Anzüge vom Schneider? Super, weil haltbar. Die Marke Apple? Genial, weil wertig. Marmelade aus einem kleinen Bergtal? Bestmöglich, weil ehrlich und, nun ja, lecker. Dazu die bekannten Ansagen, warum billig schädlich und Nachhaltigkeit der einzige Weg ist.

Burchardt beschert das Buch mehr als einen Achtungserfolg, die Bestsellerlisten kennen es. Er tritt im Fernsehen auf. Die Marketingmaschinerie läuft rund, offizielle Bilder zeigen ihn samt Landrover.

Dazu muss man wissen: Burchardt hat zwischen 1997 und 2005 bei einem Ableger des Edel-Katalogversenders Manufactum sowie dem nicht minder edlen Anbieter Magazin in Führungs­positionen und der Geschäftsleitung gearbeitet. Er hat also tatsächlich verinnerlicht, worüber er schreibt und spricht. Das macht ihn authentisch. Man kann sagen: Nachhaltigkeit ist seine Mission.

Authentizität ist auch etwas, das in der Politik aktuell im Kurs steht. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete und Bezirkschef der CDU in Südbaden Andreas Jung gehört nach der Auszählung in Konstanz nicht umsonst zu den Gratulanten. Jung und Burchardt sind zudem quasi Büro­nachbarn im Radolfzeller Innovations-und Technologiezentrum, Jung hat seins im Erdgeschoss, Burchardt unterm Dach.

Seit 2005 ist Burchardt nun Unternehmens­berater unterschiedlicher Ausprägung, aber immer unter dem Stichwort Nachhaltigkeit. Wie stark sich das in den Bilanzen seiner GmbH niederschlägt, darüber könnte man streiten.

Bei der CDU hofft man nun auf einen
Konstanz-Effekt auch in Stuttgart

Jedenfalls sind seine Ansichten für eine Mehrheit tragbar. Gerade auch für eine konservative Klientel, zumal er Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU ist. Für diese Klientel sind auch seine Brüche in der Biografie noch tragbar. Zumal auch diese im Eigenmarketing herrlich inszeniert wirken: „Sieben Jahre Landwirt und Förster, sieben Jahre Manufactum, sieben Jahre Managementberater …“

Nun bricht die Reihe. Eine Wahlperiode als OB dauert acht Jahre. Und man darf gespannt sein, wie sich Nachhaltigkeits-Fachmann Burchardt in der Verwaltung schlägt. Aus dem Wahlkampf lässt sich dazu nichts ableiten.

Außer für die CDU-Strategen. Die haben gelernt: Typen kommen an. Deshab hofft man bei der OB-Wahl in Stuttgart auf einen Kon­stanz-Effekt für Werbefachmann Sebastian Turner.

Dirk Werner

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