Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein

Die neue Sachlichkeit

Steffen Auer nimmt sich selbst nicht so wichtig. Themenorientiert und unideologisch will er als neuer Präsident der IHK Südlicher Oberrhein auftreten. Und er will mehr Demokratie wagen

Steffen Auer, 41, ist neuer  Präsident der IHK Südlicher Oberrhein

Steffen Auer, 41, ist neuer Präsident der IHK Südlicher Oberrhein

Foto: Michael Bode

Der Weg hinauf zu Steffen Auer führt über eine schma­le Treppe. Sie mündet in ein helles, schlichtes Büro mit einem halbrunden Schreibtisch, einem Tisch für Besprechungen und einem großen Schrank, der sich über die komplette Seite des Büros erstreckt. Wer möchte, kann in diesem Büro bereits die Sachlichkeit erkennen, die mit Steffen Auer als Präsident in die IHK Südlicher Oberrhein einzieht.

46 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und einmal Nein. Das ist das Ergebnis, das Auer an die Spitze der IHK katapultierte. Er war der einzige Kandidat. Andere, im Vorfeld hoch gehandelte mögliche Bewerber hatten sich erst gar nicht für den Posten des Präsidenten aufstellen lassen.

So kam es, dass Auer kam. Überrascht war er schon, als er für die Vollversammlung vorgeschlagen wurde. Es ist das erste Mal, dass er in das Gremium einzieht. Es ist das erste Mal, dass eben jene Versammlung mit Auer einen Präsidenten wählt, der zuvor nicht schon im Präsidium saß. Es ist das erste Mal, dass die IHK mit dem 41-Jährigen einen so jungen Chef bekommt. Mit ihm an der Spitze und zwei weiteren Neubesetzungen sinkt der Altersschnitt im Präsidium auf 47 Jahre. „Es ist sehr wichtig, dass Leute in unserem Alter solche Posten übernehmen und Verantwortung tragen.“

Auer legt Wert darauf, dass es nur ein Altersschnitt, kein radikaler Schwenk in der inhaltlichen Ausrichtung sein wird. „Hauptthema ist weiter die Arbeit für die Unternehmen und Kleinbetriebe, aber auch der Ausbau der Trinationalen Metropolregion.“ Er weiß, wovon er spricht. Der Geschäftsführer von Schwarzwald Eisen in Lahr hat ein Werk im Elsass.

Aber dann passiert es doch, während der Pressekonferenz, direkt nach der Wahl von Auer zum IHK-Präsidenten. Der Neue zählt die Inhalte auf, die künftig die Arbeit des Präsidiums prägen werden. Und dann kommt dieser Satz: „Wir wollen auch die aktuelle energiepolitische Debatte begleiten.“ Sofort muss er sich den Fragen der Journalisten erwehren, ob er damit etwa eine Abkehr vom Kurs seines Präsidenten-Vorgängers Karlhubert Dischinger meint. Der hatte noch beim IHK-Neujahrempfang Subventionen für erneuerbare Energien gegeißelt.

Wahrscheinlich wird Auer in diesem Moment bewusst, dass seine Worte künftig ein anderes Gewicht haben. Er stellt klar, dass er sich nicht gegen Dischinger abgrenzen will. Seine Mitstreiter aus dem Präsidium springen ihm zur Seite. Auer präzisiert: „Wichtig ist hier die Durchführung: Was bedeutet die Energiewende für uns? Wir müssen als Gesellschaft diesen Weg nun gehen und auch dahinterstehen.“ Aber er macht klar: „Der politische Zickzack-Kurs in dieser Frage muss aufhören. Wir brauchen Planungssicherheit.“

Da klingt er an, der politische Arbeiter, der Lobbyist für den Mittelstand. Auer ist dabei, seine Rolle zu finden. Er will die Sache in den Vordergrund stellen, nicht die Person. Andere Posten hat er schon abgelehnt, weil für ihn damit zu viel persönliche Profilierung verbunden war. Auer hasst ideologische und emotionale Diskussionen, die nicht sachorientiert sind.

Er ist kein Alleinregent, sondern ein Mannschaftsspieler. Demokratisch, gleichberechtigt – so soll die Arbeit im Präsidium laufen. Die Vollversammlung fordert er auf, selbst immer wieder Themen auf die Agenda zu setzen.

Ähnlich läuft es bei Schwarzwald Eisen, wo er seit August 2008 geschäftsführender Gesellschafter ist. Seitdem haben seine Abteilungsleiter mehr Verantwortung, mehr Freiräume. Auer überhäuft Menschen immer mit einem Vertrauensvorschuss. Dass er dabei auch auf die Nase fallen kann, nimmt er hin.

Diese Enttäuschung verträgt er eher noch als Unehrlichkeit. Denn die treibt ihn zur Weißglut. Doch die verraucht schnell. Und dann sitzt Auer wieder ruhig dort oben in seinem Büro und arbeitet. Für die Sache.

Ingo Schorlemmer

Mit zehn Jahren hat Steffen Auer gelernt, Geschäftsmann zu sein. Er verkauft Feuerwerkskörper, als Teenager stellt er Skier ein und arbeitet bei einem Bürstenhersteller. Geprägt hat ihn auch seine Familie. Sie ist seit jeher eine Unternehmerfamilie, diskutiert am Küchentisch Strategien und Investitionen. Unter Druck, die Firma seiner Eltern übernehmen zu müssen, steht Auer aber nie.

Im Gegenteil: Er geht und studiert Chemie in Karlsruhe, setzt ein Fernstudium zum Wirtschaftsingenieur oben drauf. Anschließend promoviert er dreieinhalb Jahre in Technischer Chemie an der ETH Zürich. Er überlegt ernsthaft, in der Wissenschaft zu bleiben. Doch dazu ist er schon zu sehr Unternehmer. Er geht zu Boston Consulting, weil er verschiedene Branchen und Unternehmen kennenlernen will, wechselt zum Pharmariesen Novartis und macht dort unter anderem als Marketingleiter und Länderchef in Stockholm und Prag Karriere. Doch in den Konzernstrukturen fühlt er sich nicht wohl, will ein eigenes Unternehmen lenken. Im August 2008 übernimmt er den elterlichen Betrieb in Lahr.

econo im Social Web

  • econo bei Facebook
  • econo bei Twitter
  • econo bei Xing