Rolf Disch, Freiburger Solar-Architekt

Keine Kompromisse

Rolf Disch baut nur Häuser, die mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Der Freiburger Architekt macht vor, was selbstverständlich sein sollte

„Die Leute wissen ja, zu wem sie kommen“, sagt Rolf Disch, der Freiburger Solar-Architekt

„Die Leute wissen ja, zu wem sie kommen“, sagt Rolf Disch, der Freiburger Solar-Architekt

Foto: Jigal Fichtner

Rolf Disch ist ein einsichtiger Mensch. Die Idee, Architekt zu werden, kam ihm nicht selbst. Sie entstammt auch nicht seinem Elternhaus. „Ursprünglich hatte ich im Anschluss an meine Möbelschreiner-Lehre vor, Innenarchitekt zu werden“, sagt Disch heute. „Doch ein mir bekannter Architekt riet mir zum Architektur-Studium, weil das umfassendere Möglichkeiten eröffnet. Das habe ich eingesehen.“

Der Weg, den Disch danach geht, hat Spuren hinterlassen. Der 66-Jährige ist mit seinem Prinzip der Solar-Architektur einer der Pio­niere seines Fachs. Das geht nur, wenn man Prinzipien hat. Rolf Dischs Firma macht ein Projekt nur dann wahr, wenn das fertige Gebäude mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Wer da Kompromisse machen will, ist bei ihm an der falschen Adresse. „Die Leute wissen ja, zu wem sie kommen“, sagt Disch selbstbewusst.

Der Architekt wird für sein Wirken, das die gesamte Energie für ein Gebäude aus der Sonne zieht, bewundert. Das war nicht immer so. Vor einem Vierteljahrhundert wurde Disch noch ausgelacht. „Und zwar jeden Tag“, wie er sich erinnert. Seinerzeit ist die Landes­gartenschau in Freiburg. Disch ist dabei, mit einer kleinen Ansammlung von Pavillons, in der er Solar-Autos baut, ausstellt und zum Probefahren anbietet. Der Schau-­Organisator, der heutige Freiburger Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann, kommt Disch mit seiner Idee auf halbem Weg entgegen. Zwar werde man ihm kein Geld geben, so Dallmanns Zusage, aber er könne ein Grundstück haben, wo er dann seine Werkstatt unterbringt und Autos verkauft. Autos, die von der Sonne betankt werden. Disch findet darin einen Antrieb. Er baut weiter Solarmobile. Einmal fährt er mit einem quer durch Australien, wird sogar Weltmeister in dieser Disziplin.

Das Interesse für die Nachhaltigkeit findet Disch auch im Protest. Als in den 1970er-Jahren Pläne gemacht werden, in Wyhl bei Freiburg ein Kernkraftwerk zu bauen, ist Disch im aktiven Widerstand. Er hält Transparente hoch, demonstriert und diskutiert mit, bis die Pläne schließlich verworfen werden. „Der Kampf gegen Wyhl hat uns gezeigt, dass wir ernsthaft nach Alternativen suchen mussten.“ Disch setzt auf die Sonne. Er ist überzeugt von ihrer Kraft und beweist seinen Kritikern schon bald, dass er damit recht hat.

Die Technik, nach der er heute arbeitet, ist schnell gefunden. Doch als junger Architekt muss Disch noch viele Kompromisse machen. Damit ist spätestens 1994 Schluss, als das Heliotrop fertiggestellt wird. Es ist das weltweit erste Gebäude mit positiver Energiebilanz und steht – natürlich – in Freiburg. Wenn auch das Image Freiburgs als Solarstadt nicht etwa Disch begünstigt, sondern durch ihn begünstigt wird. „Wir haben das ja gemacht“, sagt der Architekt heute und meint damit auch den Schokoladenfabrikanten Alfred Ritter. Ihn lernt Disch zufällig kennen. Und weil ihm gerade ein Investor abgesprungen ist und sein neues Projekt auf der Kippe steht, holt er Ritter ins Boot. So entsteht die Freiburger Solarsiedlung. 59 Häuser, alle als Plusenergiehäuser ausgelegt. Es ist der Durchbruch.

Jetzt sitzt Disch am Besprechungstisch in seinem Freiburger Büro und zeigt zufrieden auf eine Grafik, die beweist, dass er kein Öko-Fantast ist, sondern ein kluger Geschäftsmann. Die Grafik zeigt, dass es auch ökonomisch sinnvoll ist, auf Dischs Prinzip der Plus­energiehäuser zu setzen. „Es rechnet sich von der ersten Stunde an“, sagt Disch und zeigt auf den Balken der Energieerträge, der deutlich größer ist als der Balken, der für die zusätzlichen Finanzierungskosten steht.

Das wirft natürlich eine Frage auf: Warum macht es dann nicht jeder? Rolf Disch blickt geradeaus. Er zuckt mit den Schultern. „Ganz ehrlich“, sagt er, „ich hab keine Ahnung. Aber lange wird es nicht mehr dauern, dann wird es zum Standard.“

Philipp Peters

Rolf Disch kommt am 24. Januar 1944 in Freiburg zur Welt. Nach der Schule absolviert er zunächst zwei handwerkliche Ausbildungen – als Schreiner und Maurer. Dem folgt ein ­Architekturstudium in Konstanz. Bereits zwei Jahre nach seinem Abschluss macht Disch sich selbstständig und legt fortan den Fokus auf die Solar-Architektur. Er zählt damit zu den Pionieren dieses Segments.

In den 1980er-Jahren entwirft und baut Disch mit einer kleinen Firma Solarfahrzeuge, mit einem wird er Weltmeister im Solarmobilfahren. 1994 baut er das Heliotrop, das weltweit erste Gebäude mit positiver Energiebilanz. Heute baut Disch nur noch Häuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Das gilt auch für das „Solarschiff“, den Büro- und Gewerbekomplex in Freiburg.

Für seine Arbeiten hat Disch bis heute rund 35 ­verschiedene Preise erhalten, viele davon würdigen sein Engagement um die Nachhaltigkeit im Bau. Seine Firma Rolf Disch Solar-Architektur sitzt in Freiburg und beschäftigt rund zehn ­Mitarbeiter. Rolf Disch ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und eine Enkeltochter.

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