Marcel Thimm, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau

Der Einzelhändler unter den Bankern

Zwei Drittel seines Lebens hat Marcel Thimm bei der Sparkasse verbracht. Im Januar tritt er die Nachfolge Horst Kary als Vorstandsvorsitzender in Freiburg an

Marcel Thimm steigt im Jahr 2012 zum Vorstandschef der größten Bank Südbadens auf

Marcel Thimm steigt im Jahr 2012 zum Vorstandschef der größten Bank Südbadens auf

Foto: Jigal Fichtner

Zwei Hochzeiten hat Marcel Thimm aktiv mitgestaltet. Vor 27 Jahren heiratete er seine Ruth. Und vor 13 Jahren vermälten sich die Sparkassen aus Freiburg und Emmendingen zur Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau – der größten Bank Südbadens und der Nummer zehn unter den Sparkassen in Baden-Württemberg. „Es war eine Hochzeit aus Liebe“, betont Thimm, wenn er von der Fusion redet. Bei seiner privaten Ehe darf man das voraussetzen. Schließlich hält auch sie bis heute.

Wenn aus zwei Banken eine wird, ist das mit der Freiwilligkeit nicht immer selbstverständlich. Es ist sogar eher die Ausnahme. „Normalerweise geht dem ein gewisser Leidensdruck voraus“, sagt Thimm. Seit der Fusion im Breisgau ist die Zahl der Banken noch deutlich gesunken. So waren es zu Beginn des Jahres 2001, als die Freiburger auch noch die Elztäler Sparkasse schluckten, 68 Sparkassen im Land. Heute sind es nur noch 53.

Doch Thimm glaubt, dass es zu Ende geht. Auf Hochzeitsabsichten etwa mit den kleinen Sparkassen aus Titisee-Neustadt oder Staufen-Breisach angesprochen, wiegelt er nur ab, hält sich zurück. „Es hat sich gezeigt, dass auch kleinere Einheiten sehr erfolgreich sein können“, sagt er. Geht es nach Thimm so haben auch die kleinsten Sparkassen im Land, wie Wolfach, Gengenbach, Haslach-Zell, Bonndorf-Stühlingen oder eben Staufen-Breisach ihre Daseinsberechtigung.

Es ist ein amüsanter Zufall, dass die kumulierten Bilanzsummen der zehn kleinsten Sparkassen – darunter auch drei der oben genannten – in etwa genau so groß ist, wie die der zehntgrößten, der aus Freiburg. Thimms Haus ist also eher ein Übernehmer. Hunger danach scheint er aber nicht zu haben. Er würde es lieber sehen, wenn sich noch ein paar Landesbanken verheiraten würden.

„Wir brauchen in Deutschland nur eine Landesbank“, hat Thimms Vorgänger Horst Kary auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz gesagt. „Dem stimme ich voll zu“, sagt Thimm. Doch das sei ein Prozess, der dauert, weil er Geld kostet. Langfristig, glaubt Thimm, werde es in Deutschland nur noch ein paar Landesbanken geben, vielleicht drei. Vielleicht weniger.

Marcel Thimm hat zwei Drittel seines Lebens bei der Sparkasse verbracht. Mit 16 beginnt er seine Ausbildung in seinem Heimatort Wyhl im Landkreis Emmendingen. Heute, mit 52, übernimmt er die Führung und ist damit so weit oben angekommen, wie es für ihn gehen kann. Jetzt kann er noch eine Ära prägen. Wenn alles gut geht, bleiben ihm rund anderthalb Jahrzehnte an der Spitze des Freiburger Geldhauses. Thimm versteht sich als Einzelhändler, im Gegensatz zum Großhandel der Konzern- und Investmentbanken. Vor Ort da sein, den Leute am Ort Geld geben – das sei der „genetische Code“ der Sparkassen.

Rückblickend habe er alles richtig gemacht, sagt Thimm. Er gibt sich als Banker aus Passion. In einer Broschüre für Schulabgänger stieß er auf den Beruf. „Ich war ein mittelmäßiger Realschüler. Aber im Rechnen hat mir keiner was vorgemacht.“ Also geht er zur Bank und fühlt sich schon bald gut aufgehoben, angekommen. Wenn bei den Familientreffen seine Cousins oder Cousinen mit ihrer Berufswahl hadern, zuckt Thimm nur mit den Schulter. „Das konnte ich nie verstehen.“

Marcel Thimms Führungsstil wird beschrieben als autoritär aber kollegial. Er gehe respektvoll mit seinen Untergebenen um. Das sei so in der Sparkassen-Kultur. Und eigentlich weiß man auch nicht, ob Marcel Thimm es wirklich schwer haben wird, eigene Akzente zu setzen. Eingewöhnen muss er sich jedenfalls nicht. „Wir arbeiten seit zehn Jahren in dieser Besetzung im Vorstand zusammen“, sagt er. Auch Bernd Rigl, der neu ins Führungsquartett rückt, ist seit 15 Jahren bei der Freiburger Bank. Im Breisgau wagt man keine Experimente. Warum auch? Die Zahlen stimmen ja.

Philipp Peters

Marcel Thimm kommt 1959 in Wyhl zur Welt. Er wird das älteste von vier Geschwistern sein. Der Vater ist Monteur beim Fahrzeugbauer Schanzlin in Weisweil, seine Mutter Hausfrau.

Thimm selbst kann mit dem Handwerk nicht so viel anfangen. Weil er gut rechnet, beginnt er eine Banklehre bei der Sparkasse in Emmendingen. Er besucht die Fachlehrgänge in Rastatt und Bonn und wird so Bankbetriebswirt. Zwölf Jahre ist er im Dienst der Kreissparkasse Göppingen, ehe er ins Breisgau zurückkehrt. Bei der fusionierten Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau ist er seit 2002 hinter Horst Kary der zweite Mann.

Zum 1. Januar 2012 wird Thimm dann Vorstandschef der größten Bank in Südbaden. Die Freiburger Sparkasse hat eine Bilanzsumme von 5,400 Milliarden Euro, rund 200 000 Kunden, 74 Filialen und 1300 Mitarbeiter. Seit 27 Jahren ist Marcel Thimm mit seiner Frau verheiratet, die ebenfalls eine abgeschlossene Banklehre hat. Das Paar lebt in Emmendingen und hat zwei erwachsene Söhne. Der ältere ist Wirtschaftsingenieur bei Daimler, der jüngere ist Bankkaufmann.

econo im Social Web

  • econo bei Facebook
  • econo bei Twitter
  • econo bei Xing