Konrad Geppert, Durbacher WG

Der Banker im Weinkeller

Konrad Geppert ist einer der dienstältesten WG-Geschäftsführer in Baden. Soeben ist sein Nachfolger vorgestellt worden. Zeit, Resümee zu ziehen

Spot auf Konrad Geppert:  Er führt die WG mit Winzer-Herz und Banker-Verstand

Spot auf Konrad Geppert: Er führt die WG mit Winzer-Herz und Banker-Verstand

Foto: Michael Bode

Konrad Geppert lässt sich von ihren Stimmungsschwankungen nicht aus der Ruhe bringen. Nein, er liebt sie sogar, die Launen der Natur. „Deswegen fasziniert mich das Produkt Wein ja so. Geld ist Geld. Der Wein ist jedes Jahr anders“, sagt der Geschäftsführer der Durbacher Winzergenossenschaft und gelernte Bankkaufmann.

Eigentlich ist sein Weg vorgezeichnet. Geppert wird als ältester Sohn eines Vollerwerbswinzers in Achkarren am Kaiserstuhl geboren. Er wächst praktisch im Weinberg auf, lernt das Handwerk des Weinbauern vom Vater. Doch der Schulleiter seiner Volksschule sieht in Geppert andere Talente schlummern. „Lassen Sie den Konrad auf die Handelsschule gehen“, rät er Gepperts Vater. Und so wird aus dem Winzersohn ein Bankkaufmann und später ein staatlich geprüfter Betriebswirt.

Doch ist da eben auch der Ruf der Natur. Und so verwundert es nicht, dass der Banker irgendwann doch wieder in einem Weinkeller landet. Zunächst bei der Firma Pieroth, dann bei der Winzergenossenschaft Laufen im Markgräflerland, 1985 folgt der Wechsel zur Durbacher Winzergenossenschaft. Hier ist Geppert bis heute tätig.

„Den Weg über die Bank und das BWL-Studium kann ich nur jedem in meinem Beruf empfehlen“, sagt Geppert. „Das ist eine gute Basis, um so einen Betrieb zu planen.“

Winzersohn, ein Mann, der mit Zahlen umgehen kann – eigentlich die idealen Voraussetzungen für den Geschäftsführer einer Winzergenossenschaft. Aber wenn man so wie Geppert eine WG mehr als 25 Jahre erfolgreich führen will (Steigerung des Umsatzes um rund 80 Prozent, Investitionen in Umbauten und Erweiterungen in Höhe von knapp 20 Millionen Euro), muss man mehr zu bieten haben.

Konrad Geppert hat es. Als ältester Sohn mit sechs jüngeren Geschwistern bekommt er das Fell des Leitwolfs ungefragt angepasst. Und es passt ihm gut und wächst zusammen mit den Ansprüchen, die Geppert an sich selbst stellt.

„Irgendwie bekam ich immer die Führungsrolle“, erinnert sich der 62-Jährige. „Nicht nur daheim. Auch in der Schule war ich regelmäßig Klassensprecher.“

Doch wer bei Geppert lautstarkes Durchsetzungsvermögen erwartet, der irrt. Es ist seine ruhige, seine herzliche Art, die seine Führungsqualitäten ausmacht. Geppert erkennt nicht nur Schwierigkeiten, die ihm begegnen. Er handelt, um Probleme zu lösen.

So ist er es auch, den der Badische Weinbauverband ins Europaparlament schickt, um für die Aufrechterhaltung des Anbaustopps vorzusprechen. „Wenn ab 2015 tatsächlich jede Fläche ganz nach Belieben bestockt werden darf, wäre das der Tod der badischen Winzer, der Vielfalt des Weins und der abwechslungsreichen Natur“, sagt Geppert. Er wird sehr ernst dabei.

2015. Wenn das Jahr anbricht, ist Geppert bereits dreieinhalb Jahre im Ruhestand. Eigentlich müsste das Thema Anbaustopp den Wahl-Durbacher nicht mehr interessieren. Aber es ist ihm wichtig, nicht, weil er nicht loslassen und die Position des Leitwolfs nicht abgeben könnte. Hier geht es einfach um die Landschaft, in der er lebt und die er liebt.

Neben dem Engagement für seine Heimat hat Geppert schon genaue Pläne für die Zeit nach der Winzergenossenschaft. „Zusammen mit meiner Frau möchte ich noch einige Reisen unternehmen“, wünscht sich Geppert. Denn der Urlaub sei in den vergangenen Jahren doch ein wenig zu kurz gekommen.

Natürlich könnte er auch zu seinen Wurzeln als Winzersohn zurückkehren und den verpachteten Weinberg am Kaiserstuhl selbst bewirtschaften. Oder aber in Durbach als Winzer der WG treu bleiben. Da muss er herzlich lachen. „Nein, das kommt für mich nicht in Frage. In Zukunft möchte ich lieber ein gutes Gläsle Wein genießen können, ohne länger dafür zu arbeiten.“

Natalie Butz

Konrad Geppert ist seit Januar 1985 Geschäftsführer der Durbacher Winzergenossenschaft und zählt damit neben Gerhard Rüdlin von der Bezirkskellerei Markgräflerland zu den dienst­ältesten badischen WG-Chefs.
Die Liebe zum Weinbau wird ihm als Sohn eines Vollerwerbswinzers vom Kaiserstuhl in die Wiege gelegt. Doch Geppert entscheidet sich gegen den elterlichen Betrieb und zunächst für eine Karriere im Bankgeschäft. Am Ende holen ihn seine Wurzeln mit der Durbacher WG jedoch wieder ein.

In Durbach lebt der 62-Jährige nun beinah sein halbes Leben. Er ist in der ­Ortenau in verschiedenen Beiräten aktiv, diese Ehrenämter möchte Geppert noch bis zu seinem 65. Lebensjahr wahrnehmen. Geppert ist derzeit in Altersteilzeit. Die endet offiziell am 31. Mai 2011, doch weil das Geschäftsjahr der Durbacher WG erst Ende Juni abschließt, bleibt Geppert einen Monat länger. Im Juli 2011 wird dann  Johannes Himmelsbach aus Oberkirch Gepperts Posten übernehmen. Zuvor wird er dem erfahrenen Vorgänger sechs Monate lang über die Schulter schauen.

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