Karlhubert Dischinger, IHK-Präsident

Karl der Große

Karlhubert Dischinger geht. Der Präsident der IHK Südlicher Oberrhein tritt nicht wieder zur Wahl an und bereitet auch die Nachfolge in seinem Betrieb vor

Seit 36 Jahren führt Karlhubert Dischinger die Spedition, seit zehn Jahren ist er zudem IHK-Präsident

Seit 36 Jahren führt Karlhubert Dischinger die Spedition, seit zehn Jahren ist er zudem IHK-Präsident

Foto: Michael Bode

Die Stabübergabe wird auch eine Stiftübergabe. Wenn in spätestens fünf Jahren Karlhubert Dischinger den Betrieb an seinen Sohn Karlkristian übergibt, dann wechselt mit der Verantwortung auch ein Privileg. „Ich bin der einzige im Haus, der grün schreiben darf“, sagt Disch­inger und zieht lächelnd einen grünen Stift aus der Tasche.

Seit Jahrzehnten zählt Karl­hubert Dischinger zu den prägenden Unternehmerpersönlichkeiten Südbadens. Er ist Chef der Spedition aus Ehrenkirchen bei Freiburg und seit zehn Jahren Präsident der IHK Südlicher Oberrhein. Bald ist Schluss mit beidem. Schon zur Wahl der Vollversammlung in der Kammer im kommenden Monat tritt Dischinger nicht mehr an. „Es wird Zeit, für jüngere Platz zu machen“, sagt Dischinger, 60. Er war damit der erste unter drei reiferen Vorständen, der seinen Abschied publik machte. Binnen weniger Tage folgten dann zumindest indirekt die Bekenntnisse von Sparkassen-Chef Horst Kary und Duravit-Vorstand Franz Kook. Beide treten in ihren Unternehmen Ende 2011 ab.

Dischinger lässt sich dafür noch etwas Zeit. Denn während der Unternehmer Dischinger von Berufs wegen auf jede Minute schauen muss, scheint der Mensch keine Hektik zu kennen. Und falls doch, überspielt er sie geschickt. Bei seinen öffentlichen Auftritten und auch im Vier-Augen-Gespräch ist Dischinger stets ein Mensch, der für Frohsinn und Gelassenheit steht. Uneitel und freundlich, einfach ein angenehmer Zeitgenosse.

Als öffentlicher Redner ist er nicht unumstritten. Bei seiner letzten Neujahrsansprache als IHK-Präsident brachte Dischinger Begriffe durcheinander, als er den Kommunen vorwarf, sie würden zu Lasten der Betriebe die Mehrwertsteuer erhöhen. Gemeint war die Gewerbesteuer. Und sein Plädoyer zur Abschaffung von Ökostrom-Förderung brachte ihm sogar Buh-Rufe ein. Ein bemerkenswerter Vorgang auf einer solchen Veranstaltung.

Will man sich Karlhubert Dischinger nähern und ihn würdigen, so muss man vor allem sein Lebenswerk sprechen lassen. Gerade mal 25 Jahre ist er alt, als sein Vater stirbt und er im Betrieb in die Verantwortung gehen muss. Karl Dischinger, noch heute Namensgeber des Unternehmens, hatte 15 Jahre lang mit einer schweren Krankheit gekämpft. Der junge Karlhubert wird geahnt haben, was ihm bevorsteht. „Es gab für mich nie eine Alternative. Es war immer klar: Ich übernehme den Betrieb.“ Als er dann antritt, packt er die Aufgabe mit beeindruckendem Erfolg an. Aus der kleinen südbadischen Spedition mit einem Dutzend Fahrzeugen formt er einen der führenden Logistiker Südbadens. Eins ist sicher: Man wird nicht Kammer-Präsident, wenn man nichts geleistet hat.

Der Unternehmer Dischinger arbeitet immer mit Plan. Und er kümmert sich um alles. Auch als er schon der Chef war, habe er sich noch selbst ans Steuer gesetzt. Das Marketing-Konzept des Unternehmens stammt vor allem von ihm. Etwa die Farbe grün und die Regel, dass in der Firma nur klein geschrieben wird. Selbst in Angeboten an Neukunden.

Dischingers erster Plan war es, den Betrieb auf mehr als 20 Fahrzeuge zu vergrößern. „Das ging schneller als ich dachte“, sagt er heute. Das Konzept Dischinger 2020 sieht vor allem die weitere Spezialisierung eines Unternehmens vor, dass mit dem Transport allein kein Geld mehr verdient. Dischinger ist Spezialist fürs Essen und für Autos. 1997 übernimmt er das Food-Geschäft des Branchenmultis Dachser in Südbaden. Zudem ist er Spezialist für Automotive. Am Baden Airpark in Rheinmünster werden pro Tag die Teile von Hunderten Zulieferern gesammelt und neu verteilt. Man kann sagen: Auf jedem Lkw liegt ein Mercedes-Bausatz. Der Standort wird geleitet von Karlkristian Dischinger, dem Nachfolger. „Er lernt Verantwortung“, sagt dessen Vater.

Philipp Peters

Karlhubert Dischinger, 60, hat schon früh ­Verantwortung übernehmen müssen. Als sein Vater stirbt, ist er gerade mal 25 Jahre alt und leitet fortan den Betrieb. In den folgenden Jahrzehnten wird aus der kleinen Spedition einer der führenden Logistiker Südbadens. Heute hat das Unternehmen rund 450 Mitarbeiter, darunter 50 Azubis, und 100 eigene Fahrzeuge.

Schon seit den 1960er-Jahren engagiert Dischinger sich auch ehrenamtlich. Er übernimmt verschiedene Leitungspositionen bei der Freiwilligen Feuerwehr. 1994 wird er erstmals in die Vollversammlung der IHK Südlicher Oberrhein gewählt. Seit zehn Jahren oder zwei Amtszeiten führt Dischinger die Freiburger Kammer als Präsident. In diesem Jahr tritt er zu den Wahlen nicht mehr an und macht Platz für einen Nachfolger.

Ähnliches wird sich innerhalb der nächsten fünf Jahre auch im Betrieb abspielen. ­Dischingers Sohn Karlkristian, 26, soll dann das Unternehmen in die Zukunft führen. Karlhubert Dischinger ist seit 36 Jahren mit seiner Frau Lieselotte verheiratet, die ebenfalls im Betrieb ist. Das Paar hat drei Kinder und drei Enkel.

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