Joachim Eckerle, Eckerle Holding GmbH

Immer auf dem Boden bleiben

Praktiker, Humanist, Realist: Joachim Eckerle hat den gleichnamigen Familien-Betrieb mit einer ganz eigenen Strategie gegen alle Widerstände zu einem globalen Mittelständler geformt

„Nur weil ich der Sohn des Chefs bin, heißt das nicht, dass ich eine Firma führen kann“

„Nur weil ich der Sohn des Chefs bin, heißt das nicht, dass ich eine Firma führen kann“

Foto: Jigal Fichtner

Die Ski sind Schuld. Als Joachim Eckerle 13 Jahre alt ist, besiegelt diese Leidenschaft seine Zukunft. Der Skiclub Bühl fährt ins Trainingslager in die Alpen. Stolze 365 Mark soll der Ausflug kosten. Eckerles Vater Gerhard Eckerle lässt den Filius zappeln. Das Geld soll er sich im elterlichen Betrieb selbst verdienen: 5 Mark zahlt er seinem Sohn pro Stunde. Fürs Maschinen putzen. In jenem Herbst arbeitet Eckerle junior jeden Samstag im Betrieb – so lange bis er das Geld zusammen und eine Erkenntnis gewonnen hat: das Unternehmen des Vaters irgendwann zu übernehmen. 

Joachim Eckerle erzählt diese Anekdote gern. Sie passt zu ihm, dem hemdsärmeligen Unternehmer und geschäftsführenden Gesellschafter der Eckerle Holding in Ottersweier. Doch der Weg zurück in die eigene Firma ist steinig. Im Jahr 1991, nach Lehre, Studium und zwei Jahren bei Bosch, stattet ihn sein Vater mit einem Zwei-Jahres-Vertrag aus und schickt ihn nach Ungarn. Das Potenzial der osteuropäischen Märkte ist nach dem Fall des eisernen Vorhangs riesig. Der Sohn soll einen Standort aufbauen. „Eigentlich wollte ich da nicht hin. Ich wollte nie raus aus dem Badischen. Ich konnte die Sprache nicht, wusste nicht genau, was dort eigentlich zu tun ist“, erzählt Eckerle, hält einen Moment inne und zuckt mit den Schultern. „Aus den zwei Jahren in Ungarn sind schließlich zwölf geworden.“ Der Standort zählt noch heute zu den wichtigsten der Gruppe. Eckerle hat sich durchgebissen, sein eigenes Ding durchgezogen. „Nur weil ich der Sohn des Chefs bin, heißt das nicht, dass ich eine Firma führen kann.“

Eckerle ist Praktiker. Probleme kennt er nicht. Schon das Wort macht ihn wütend. „Es gibt keine Probleme, es geht immer um Lösungen.“ Dafür hat er eine Entscheidungsheuristik entwickelt. Was sind die Gründe? Wie sehen mögliche Lösungen aus? Pro und Contra abwägen. Beste Lösung umsetzen. Punkt. „Ein ‚Ja, aber‘ gibt‘s bei mir nicht.“ Ungarn hat Eckerle geprägt. Er reist gern in das Land, die Sprache beherrscht er inzwischen perfekt. Sein Projekt Ungarn ist auch der Startschuss für die enorme Expansion des Unternehmens. Aus dem Handwerksbetrieb von einst ist ein internationaler Mittelständler mit 2300 Mitarbeitern weltweit geworden.

Eckerle bleibt auf dem Boden. Wenn er die Standorte besucht, führt ihn sein Weg immer zuerst in die Produktion, er begrüßt jeden mit Handschlag. „An den Gesichtern der Mitarbeitern erkennt man den Zustand eines Unternehmens.“ Die Kultur und auch die Emotionen im Unternehmen sind Eckerle wichtig. Die Vorträge des Paters Albert Ziegler und das Prinzip der ethischen Unternehmensführung, haben ihn beeindruckt. Zufriedenheit, Fairness, Verantwortung sind einige Schlagworte. Eckerle lebt das vor. Wenn er darüber spricht, blitzen seine Augen, er gestikuliert ausladend. Eckerle ist konsequent. „Wir haben schon Kunden verloren, weil ich zu fair war. Das nehme ich in Kauf.“ Auch wenn es weh tut. Wie während der Krise vor drei Jahren. „Wir haben unsere 40-Jahr-Feier geplant, da sind die Umsätze über Nacht um 30 Prozent eingebrochen.“ Für die Firma eine komplett neue Situation. „Es ging 40 Jahre nur bergauf. Wir sind in unserer Naivität davon ausgegangen, dass das auch so bleibt.“ Eckerle reagiert. Er spart eisern, holt sich mit Jürgen Sturhahn einen erfahrenen Sanierer als Geschäftsführer in die Firma, stellt damit die Weichen für die Rückkehr in die Erfolsspur.

Eckerle hat Prinzipien. Im Gegensatz zu einem Geschäftswagen. Der Daimler vor der Tür gehört ihm. Vom Facharbeiter bis zum Geschäftsführer, bei Eckerle fliegt jeder Economy Class. Keine Frage des Geldes, sondern der Glaubwürdigkeit. „Wenn es anders wäre, habe ich als Chef ein Argumentationsproblem: Warum habe ich das verdient und mein Mitarbeiter nicht?“ Auch daran dürften die Ski Schuld sein.

Robert Schwarz

Joachim Eckerle wird 1965 geboren. Drei Jahre danach gründet sein Vater Gerhard Eckerle, ein Schlossermeister, das Unternehmen Eckerle in Bühl. „Die Familie ist die Firma. Und die Firma ist die Familie. Das war schon immer so“, sagt Eckerle junior. Aus dem Handwerksbetrieb ist inzwischen ein internationaler Mittelständler mit Sitz in Ottersweier geworden, der weltweit rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt. Eckerle ist Spezialist für die Montage von Bürstensystemen für Elektromotoren. Davon produziert die Firma jährlich rund 110 Millionen Stück.

Joachim Eckerle macht nach der Schule eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, studiert danach Maschinenbau, arbeitet bei Bosch in Bühlertal. 1991 folgt dann die Rückkehr ins Familienunternehmen. In Ungarn baut Joachim Eckerle die erste Eckerle-Auslandsniederlassung auf. 2002 kehrt er nach Ottersweier zurück, wird Geschäftsführer der Eckerle Holding. Zudem ist Eckerle Lehrbeauftragter der TU Dresden, Beirat des WVIB, Mitglied der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer und des Wirtschaftsclubs Budapest. 

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