Hubert Burda, Hubert Burda ­Media

Entspannung auf Papier

Hubert Burda ist 70. Kaum jemandem gelingt der Spagat zwischen provinzieller Herkunft und weltmännischem Auftreten so glaubhaft wie dem Verleger aus Offenburg

Hätten Sie ihn erkannt? Hubert Burda in einem frühen Porträt von Andy Warhol

Hätten Sie ihn erkannt? Hubert Burda in einem frühen Porträt von Andy Warhol

Foto: Hubert Burda Media

Es ist leicht, einen ­Beleg dafür zu finden, wie sehr Hubert Burda seine Heimat schätzt. Verfolgt man etwa im Internetdienst Twitter die Feier zu seinem 70. Geburtstag, so gelangt man zu einem Video über den Verleger, der mit dem versammelten Vorstand seines Konzerns das „Badnerlied“ schmettert. Die eigene Herkunft aus der Provinz und das weltmännische Auftreten zu verbinden, ist ­ein Spagat. Wenigen gelingt er so überzeugend wie ­Hubert Burda, dem großen Verleger aus dem kleinen Offenburg.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Burda auf dem Offenburger Weinfest. Burda im Festzelt des Cannstatter Wasens in Stuttgart. Singend, lachend, bodenständig. Dabei setzt das US-Magazin Forbes ihn in schöner Regelmäßigkeit auf die Liste der reichsten Deutschen. Hier steht Burda mit einem geschätzten Vermögen von mehr als vier Milliarden Euro unter den ersten 20. Weltweit schafft er es unter die obersten 200. Keine ­Frage: Hubert Burda ist mit sei-nem Lebenswerk längst der skeptischen Betrachtung seiner Kritiker entwachsen.

Otto von Bismarck hat einmal gesagt: „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite erhält Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt.“ Hubert Burda ist die ­dritte Generation, er hat Kunst­geschichte studiert und bereitet seine beiden Kinder darauf vor, das Verlagsimperium zu erben. Doch das Zitat bringt ihn zum Schmunzeln. „Ja mei, wenn Bismarck das sagt“, antwortet er. „Ich weiß nur, dass Kunstgeschichte ein sehr ­gutes Studium war. Es hat mich frühzeitig gelehrt, welche Macht ­Bilder haben.“ Burda verband eine Freundschaft mit dem Künstler Andy Warhol. Er fördert die Kunst, stiftet Literaturpreise, etwa den Petrarca-Preis, der später zum Hermann-Lenz-Preis wird.

Burda ist vor allem ein Mann der Illustrierten. „Axel Springer, Rudolf Augstein und Gerd Bucerius begriffen sich als politische Verleger. Mein Vater besaß eine Druckerei, die er mit Zeitschriften auslastete.“ Ob Bunte, Freizeit Revue oder Focus. Es wird belächelt, dass ­Burdas Blätter sich an der Optik aufhängen. Beim Start von Focus wird dies als Häppchenjournalismus kritisiert. Doch bald beginnt auch der Spiegel, ­Bilder in Farbe zu drucken.

In seiner Jugend gilt Burda als Schöngeist. Täglich nimmt er nach der Schule Malunterricht und will Künstler werden. Sein Vater zwingt ihn zu einem Kompromiss. Der heißt Kunstgeschichte. Burda geht nach München, promoviert und kehrt zurück in die badische Provinz. „Das war ein Clash“, räumt er heute ein.

Es folgt eine der prägendsten Phasen seines Lebens. Hubert, jüngster von drei Söhnen, nimmt den Kampf mit seinen Brüdern Franz und Frieder auf. Er schärft sein verlegerisches Profil und versucht sich an einem Männermagazin mit halbnackten Frauen. Der streng katholische Vater schaut sich das ein Jahr lang an – dann zieht er einen Schlussstrich. Dennoch ist es Hubert Burda, der nach dem Tod des Vaters das Unternehmen führt. Franz und Frieder drängt er aus dem Konzern.

Die Episode mit dem Boulevardblatt Super! kostet Burda in den 1990er-Jahren 30 Millionen Mark. Später wird zumindest die Super-Illu im Osten ein Erfolg. „Es sind nicht Texte, sondern Bilder, die die Wende zum 21. Jahrhundert markieren“, sagt Hubert Burda.

Denn auch die Entwicklung der Medien verfolgt er zielgenau. ­Hubert Burda Media hält heute rund 40 Internet-Beteiligungen, etwa am Business-Netzwerk Xing. Dennoch sieht Burda sich immer noch als Verleger. Als ein Macher von Print-Produkten. „Das Heft bleibt das Heft“, sagt Burda. „Damit ist eine Tasse Kaffee, Entspannung und das Interface Papier verbunden“, so Burda weiter. „Es wird lange dauern, bis ich ein Buch elektronisch lese.“ Bei seinen Kindern sei das aber wohl etwas anders.

Philipp Peters

Hubert Burda kommt am 9. Februar 1940 als jüngster von drei Söhnen des Verlegerpaars Aenne und Franz Burda zur Welt. Er studiert Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie in München, promoviert im Alter von 25 Jahren und kehrt dann in den Verlag nach Offenburg zurück.

Zwei Jahrzehnte verdient er sich seine Sporen und setzt sich dabei auch gegen seine Brüder Franz und Frieder durch. So übernimmt Hubert Burda nach dem Tod des Senators Franz Burda dessen Posten an der Verlagsspitze. Er baut das Unternehmen weiter aus und schafft ein Medienimperium mit 260 Zeitschriften, 40 Internetbeteiligungen sowie erfolgreicher Druck- und Digital-Sparten.

Hubert Burda ­Media, so heißt der Konzern seit 1999, erlöst einen Umsatz von 1,75 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn wird der Konzern von Paul-Bernhard Kallen geführt. Hubert Burda ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Maria Furtwängler verheiratet. Ihre Kinder Jacob, 19, und Elisabeth, 18, werden im Alter von 27 Jahren Erben des Konzerns. Felix Burda, Sohn aus erster Ehe, starb 2001 an Darmkrebs.

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