Helmut Becker, Sparkasse Offenburg/Ortenau

Letzter Halt: Ortenau

Noch hält Helmut Becker sich zurück. Der neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Offenburg/Ortenau kokettiert eher mit den Leistungen seines Vorgängers

Sachlich statt privat: „Ich hatte nie viele Hobbys“, sagt  Helmut Becker über sich

Sachlich statt privat: „Ich hatte nie viele Hobbys“, sagt Helmut Becker über sich

Foto: Michael Bode

Dass er nicht von hier ist, kann Helmut Becker schwer verbergen. Also versucht es auch gar nicht erst. Das rollende R – es ist dem gebürtigen Bayern geblieben. Dabei ist Becker schon seit Jahrzehnten aus seiner Heimat weg. Hat in Hessen, dem Rheinland und zuletzt in Ostdeutschland gewirkt. Doch wenn er Wörter wie „Kredit“ oder „Wirtschaftskraft“ sagt, dann rollt es, das R. Ganz wie in Bayern.

Seit Monatsbeginn ist Becker Vorstandschef der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Wie bei Regionalbanken nicht unüblich ist Becker Nachfolger einer Ära. Sein Vorgänger Hermann Weber war drei Jahrzehnte im Dienst der Bank, die Hälfte als ihr Chef. Auf die Frage, ob es einen neuen Stil, eine neue Strategie geben werde, zuckt Becker nur die Schultern. „Warum denn? Die Sparkasse ist doch hervorragend aufgestellt.“

Und zwar besser denn je. Nie fiel es der Ortenau-Bank so leicht Geld zu verdienen wie 2009. Dem letzten Jahr, das noch mit dem Gesicht von Hermann Weber verbunden sein wird. Die Bilanzsumme kletterte auf 3,9 Milliarden Euro, der Gewinn auf 5,6 Millionen. Um einen Euro zu verdienen, musste die Bank schlappe 51 Cent ausgeben. Eine historische Bestmarke, wie Weber seinerzeit unterstrichen hat. 2010 war operativ noch ein Weber-Jahr. Die Zahlen wird jedoch Becker präsentieren. Sie werden nicht ganz so gut sein, das hat er schon verraten.

Ansonsten lässt sich der Neue wenig in die Karten schauen. Sein offizieller Lebenslauf ist so knapp wie möglich gehalten. Privates gibt Becker auch auf mehrmaliges Nachfragen nur verhalten von sich. Hat er Hobbys? Nun, er müsse zurzeit viel zu viel arbeiten, um Zeit für Vergnügen zu haben.

Außerdem sei er nie ein Mann mit vielen Hobbys gewesen.

Schließlich verrät er doch zwei Dinge von sich: dass er gerne reist und gerne gut essen geht. Zwei Dinge, so unspektakulär wie nur was. Immerhin erklärt Becker, wie er seine Reisen plant: Wenn er einen Zeitungsartikel über ein spannendes Reiseziel sieht, wird dieser abgeheftet. Zur nächsten Reiseplanung blättert Becker dann in seinem Ordner und trifft seine Wahl. Er präsentiert sich als Mann mit Methode. Als einer, für den der Zufall keine Option ist.

Ähnlich umschreibt er seine Entscheidung, nach Offenburg zu gehen. „Wenn man 50 wird, überlegt man sich, ob man noch mal einen Wechsel wagen soll“, sagt Becker. Nächstes Jahr ist es bei ihm so weit. Man darf daraus deuten, dass der Vorstandsvorsitz in der Ortenau sein letzter Karriere­schritt sein soll. Der Mann kommt, um zu bleiben. Er ist alt genug, um die nötige Erfahrung zu haben. Aber auch jung genug, um den Beginn einer neuen Ära zu markieren. Wenn alles gut geht, kann in 15 Jahren an dieser Stelle sein Nachfolger vorgestellt werden.

Beckers Vorgänger hinterlässt aber nicht nur gute Zahlen, sondern auch offene Baustellen. Die Offenburger Sparkasse verhandelt schon seit Jahren mit der Stadt über die Nutzung eines Areals am Rande der Innenstadt, der Gustav-Rée-Anlage. Die Bank selbst hat im Ortsteil Rammersweier gebaut. Dennoch braucht sie Platz in der City, etwa 1500 Quadratmeter sollen es sein. „Ein besserer Standort ist mir nicht bekannt“, sagt Becker und kündigt an, die Pläne weiter zu verfolgen. Darauf setzt auch Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. Die Stadt wünscht sich an der Stelle ein Einkaufszentrum. Und Hermann Weber hat die fertigen Pläne noch mal verworfen. Am Ende seiner Zeit fehlte im dann die Zeit, diese zu Ende zu bringen.

Und noch etwas hat Hermann Weber hinterlassen: eine Liste. „Gestern war ich mit ihm Essen“, sagt Becker. „Da hat er mir ein paar Adressen empfohlen.“ An guten Restaurants mangelt es in der Ortenau bekanntlich nicht. Wenn die Liste abgegessen ist, will Becker sich wieder bei seinem Vorgänger melden.

Philipp Peters

Helmut Becker, 49, hat schon in halb Deutschland für Banken und Sparkassen gearbeitet. Der gebürtige Bayer ist nach der Ausbildung in seinem Heimatland Bayern über Stationen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt nun in Baden-Württemberg gelandet. Seit Anfang Dezember ist er Vorstandschef der Sparkasse Offenburg/Ortenau.

Becker selbst geht offenbar davon aus, dass dies die letzte Station in seiner Berufskarriere sein wird. Mit einem gewissen Alter sei die Zeit reif für eine letzte große Veränderung – so begründet Becker den Gang in die Ortenau. Dabei tritt er in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Hermann Weber hat aus der Offenburger Sparkasse ein mehr als solides Institut gemacht, dass im Vorjahr noch mal einen Rekordgewinn erzielt hat. Beckers Lehren daraus: „Es ist gar nicht nötig, hier besonders viel zu ändern. Die Sparkasse ist hervorragend aufgestellt.“ Webers
Erfolg sei ihm aber zugleich Ansporn als auch etwas, das ihm großen Respekt einflöße.

Bereits seit November wohnt Becker mit seiner Frau und dem 19-jährigen Sohn in Offenburg.

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