Heinrich Vomstein, Volksbank Freiburg

Vomsteins Abschied

Drei geschasste Vorstände in achtzehn Monaten: Die Volksbank Freiburg kommt nicht zur Ruhe. Mit Heinrich Vomstein muss jetzt auch der überzeugteste Genossenschaftsbanker von Bord

Heinrich Vomstein hat die Volksbank Freiburg  am 8. Dezember verlassen

Heinrich Vomstein hat die Volksbank Freiburg am 8. Dezember verlassen

Foto: Jigal Fichtner

Es liegt alles in der großen grauen Reißwolf-Kiste. Bereit zur Entsorgung. Kreuz und quer durcheinander, fast einen Meter hoch türmen sich die Unterlagen und Papiere aus den sieben Jahren, die Heinrich Vomstein im Vorstand der Volksbank Freiburg bearbeitet hat. Ansonsten ist das Büro an diesem Montag nach Nikolaus bereits blitzblank. Keine persönlichen Sachen mehr, auf dem Tisch warten nur noch der schmale Aktenkoffer, ein Regenschirm und der Autoschlüssel. Es ist Zeit zu gehen. Damit endet Vomsteins Ära.

Freiwillig? Von wegen. Auch wenn Aufsichtsrats-Boss Dr. Harald Schauenberg sich bei der Presse­konferenz anderthalb Stunden lang alle Mühe gibt, diese Version der Geschichte unters Volk zu bringen. Angeblich sei der Generationswechsel lange geplant. Bereits im September habe sich der Aufsichtsrat für zwei neue Vorstandsmitglieder entschieden und „vier sind nun mal einer zu viel“.

Niemandem entgeht, dass Heinrich Vomstein derweil alle Mühe hat, die Fassung zu wahren. Er krampft die Hände ineinander, die Knöchel treten hervor. Er hält sich an sich selbst fest. Besser gesagt: Er versucht es. Das Gesicht ist zur Faust geballt.

Vomstein hält sich an die Abmachung mit dem Aufsichtsrat und müht sich nach Kräften, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ohne einem der Journalisten ins Gesicht zu blicken, erzählt er, dass er einen Hund habe und ein älterer Herr sei, dass er den Neuen nicht noch reinreden mag und es nach 45 Berufsjahren irgendwann genug sei.

Wer’s glaubt, wird selig.

Wer genau hinhört, merkt: Zum Abschied bedankt sich Vomstein bei Mitarbeitern und Kunden – nicht aber beim Aufsichtsrat.

Heinrich Vomstein ist Volks­banker mit Leib und Seele. Ein Überzeugungstäter mit Ecken und Kanten. Einer, der polarisiert, der authentisch ist und damit so ziemlich das Gegenteil dessen darstellt, was man sich klassisch unter einem Banker vorstellt. Klar ist Vomstein ehrgeizig. Sehr sogar. Gleichzeitig aber ist er in der Region verwurzelt, extrem bodenständig, bescheiden. Er ist der Banker des kleinen Mannes. Den charak­teris­tischen Mecki-Haarschnitt übrigens schneidet ihm seine Frau.

Selbst bei der Abschiedspressekonferenz spricht Vomstein noch über den genossenschaftlichen Gedanken. Er hat immer noch Ideen, will schaffen, will was bewegen. Aber er darf nicht mehr. Im Aufsichtsrat hat sich eine Front gegen ihn gebildet und diese Schlacht kann er nicht gewinnen. Denn während der frühere Aufsichtsratschef der Volksbank, Rechtsanwalt Dr. Georg F. Drischel, das Gremium autoritär führte, ist Stahlbauunternehmer Schauenberg eher ein Moderator. Er lässt zu, dass die Volksbank Freiburg binnen 18 Monaten zum zweiten Mal ihren Boss abserviert.

Wie das wohl am Markt ankommt – kein Kommentar. Wie die Bank mit einem Vorstand durch die Finanzkrise kommen soll, dessen drei Mitglieder addiert  keine zwei Jahre Vorstandserfahrung haben – kein Kommentar.

Rückblende: Erst im Sommer 2007 ist Vomstein zum Vorstandsvorsitzenden der Volksbank berufen worden. Dem waren heftige Querelen um den künftigen Kurs der Bank vorausgegangen, die darin gipfelten, dass Vorstandschef Dr. Franz G. Leitner und Vorstand Dr. Gerhard Kempter ausschieden. Als Schauenberg damals vor die Presse trat und die Führung der Bank in die Hände von Heinrich Vomstein und dem damaligen Firmenkundenchef Uwe Barth legte, beteuerte er, dass dies „alles andere als eine Übergangslösung“ sei.

Das alles ist gerade einmal anderthalb Jahre her. Heinrich Vomsteins Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Freiburg lief bis Sommer 2010. Dann wäre er 63 gewesen.

Nun aber ist mit 61 Jahren und elf Monaten Schluss. Zweieinhalb Wochen vor Weihnachten.

Ulf Tietge

45 Jahre hat Heinrich Vomstein für Volksbanken in Baden-Württemberg gearbeitet – davon 30 Jahre lang als Vorstand. Im Januar 1947 wird Vomstein in Schliengen geboren, mit 17 beginnt er seine berufliche Laufbahn bei der Volksbank Müllheim, wechselt dann nach Rottweil und baut schließlich die Kaiserstühler Volksbank auf. Bis heute wird er deshalb von vielen für einen Kaiserstühler gehalten – tatsächlich aber wohnt er im Markgräflerland.

2002 fusioniert die Kaiserstühler Volksbank mit der Volksbank Freiburg. Im Vorstand des 550-Mitarbeiter-Instituts verantwortet Vomstein Vertrieb und Marketing. Nach seinen Vorstellungen richtet sich die Volksbank von 2007 betont genossenschaftlich aus.

In Vomsteins Fußstapfen müssen sich 2009 Stephan Heinisch, 42, und Volker Spietenborg, 41, beweisen. Heinisch war zuletzt stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwarzwald-Baar und beginnt zum Jahreswechsel. Spietenborg war im Firmenkundengeschäft der Commerzbank tätig und soll im Laufe des ersten Quartals bei der Volksbank anfangen.

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