Hans Weber, Weber Haus

Badens Haus-Mann

Hans Weber ist der Pionier einer ganzen Branche. Doch statt den Ruhestand zu genießen, kehrt er pünktlich zum 50. Firmenjubiläum in die Geschäftsführung von Weber Haus zurück

In diesem Jahr feiert Hans Weber mit Weber Haus  50-jähriges Betriebsjubiläum

In diesem Jahr feiert Hans Weber mit Weber Haus 50-jähriges Betriebsjubiläum

Foto: Jigal Fichtner

Ein Ziegenstall. Das war das erste Fertighaus, das Hans Weber gebaut hat. Damals war er ein Steppke von nicht einmal zehn Jahren und noch weit davon entfernt, der Chef eines deutschlandweit bekannten Fertighausherstellers zu sein. Das Bauen liegt Weber im Blut. „Ich bin familiär vorbelastet“, sagt Weber beinahe entschuldigend und schmunzelt. „In der Familie meines Vaters waren alle Männer Zimmerer, auf der Seite meiner Mutter gab es fast nur Maurer.“

Hans Webers Weg ist also nicht verwunderlich: Erst die Ausbildung im Zimmererhandwerk, dann gründet er mit 23 Weber Haus in Rheinau-Linx. 2010 feiert das Unternehmen 50-jähriges Jubiläum. Dem Ziegenstall sind mittlerweile 30 000 echte Fertighäuser gefolgt, aus dem Zwei-Mann-Betrieb ist eine Firma mit mehr als 800 Mitarbeitern geworden.

Im Jubiläumsjahr feiert Weber seinen 74. Geburtstag. Und noch immer mischt er im operativen Geschäft des Unternehmens mit. Täglich geht er in sein Büro, das so ordentlich aufgeräumt und dekoriert ist, als sei es Teil der Musterhaus-Ausstellung draußen auf dem Firmengelände.

Dabei hatte sich Weber eigentlich bereits 2004 aus dem operativen Geschäft verabschiedet. Er sollte noch als Berater für das Unternehmen fungieren, der Mann für die Sonderaufgaben sein. Seiner Tochter Heidi Weber-Mühleck und seinem Schwiegersohn Ralph Mühleck hat er die Nachfolge anvertraut. Die beiden übernehmen damals das operative Geschäft, Weber Haus bleibt in Familienhand. Ganz im Sinne des Gründers.

Doch es kommt anders – und Anfang 2010 zum Knall. Mühleck scheidet überraschend aus der Geschäftsführung aus. Weber fällt es sichtlich schwer, darüber zu sprechen. „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen über die Unternehmensstrategie“, sagt er dann ganz diplomatisch und überlegt lange. „Hier geht es eben nicht nur ums Geld, da muss ich dann schon den Riegel vorschieben.“ War es also ein Fehler, den Schwiegersohn in die Firma zu holen? Weber überlegt wieder, dann sagt er: „Vielleicht. Ich weiß es nicht.“

Was dem Familienmenschen Weber missfiel, er aber nicht ausspricht: Mühleck wollte mit Entlassungen auf die Baukrise reagieren, unter der auch Weber Haus 2009 litt. Für Weber ist Personalabbau das definitiv letzte Mittel. „Es tut weh, Leute zu entlassen“, sagt er. Pathos sucht man in seiner Stimme vergebens. Weber hat schon härtere Zeiten hinter sich.

Geboren wird Weber auf Sumatra, sein Vater arbeitet dort für eine holländische Firma. Er ist fünf, als der Vater ins Internierungslager kommt, aus dem dieser nicht zurückkehrt. Die Verantwortung für die Familie, die er seit damals trägt, hat ihn als Menschen und Unternehmer geprägt. Kein Wunder also, dass Peter Liehner Mühlecks Nachfolger geworden ist. Liehner ist ein Mann nach Webers Geschmack: Ein Mann aus den eigenen Reihen, seit dreißig Jahren bei Weber Haus. Er soll nun das Werk des Gründers fortführen, das 1960 ganz unspektakulär mit einer Zeitungsannonce begonnen hat.

Damals liest er eine Anzeige in einer Fachzeitschrift, die ihn auf den Holzfertigbau aufmerksam macht. Er meldet sich und bekommt die Lizenz für das damals in Deutschland noch völlig unbekannte Baukonzept. „Ziemlich leicht“ sei das gewesen, sagt Weber und fügt lächelnd an: „Ich war schließlich der Einzige, der sich auf die Anzeige gemeldet hat.“ Die Suche nach dem ersten Kunden gestaltet sich schwerer, am Ende muss seine Schwester herhalten. Das erste Weber Haus bleibt in der Familie – und ist gleichzeitig der Startschuss: 1961 stehen bereits drei Fertighäuser in der Region, danach geht Webers Erfolgsgeschichte auch jenseits von Baden weiter.

Ob Weber Haus auch das 100-jährige Jubiläum feiern wird? „Ich hoffe es“, sagt Weber, um sich sofort zu korrigieren: „Nein, ich gehe davon aus.“

Natalie Butz

Hans Weber ist Gründer des Fertighausbauers Weber Haus in Rheinau-Linx. Das erste Komplettbauprojekt entsteht 1960, im Jahr der Firmengründung, und kostet 28 000 Mark. Weber verdient nichts an diesem Haus.

2009 setzt das inzwischen 800 Mann starke Unternehmen 134 Millionen Euro um und produziert rund 600 Häuser. Für das Jubiläumsjahr erwartet Weber Haus eine Steigerung von rund fünf Prozent bei den Verkäufen. Das soll auch neue Arbeitsplätze schaffen. Zum 50-Jährigen präsentiert das Unternehmen das Jubiläumshaus Generation 5.0, das mehr Energie produziert, als es verbraucht.

Die Meldungen waren in den vergangenen Jahren nicht immer so positiv, auch Weber Haus hat deutlich unter dem Einbruch des Marktes für Ein- und Zweifamilienhäuser gelitten.

Heute erinnert sich Hans Weber relativ entspannt an diese Zeit. Nein, Angst vor der Zukunft habe er nie gehabt. „Als Unternehmer benötigt man die Gabe, auch mal bis an den Rand gehen zu können, nur um zu sehen, dass es da nicht weitergeht.“

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