Georg Hiltner, Handwerkskammer Konstanz

Am Ziel angekommen

Georg Hiltner ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz. Bis dahin war es ein ereignisreicher, langer Weg. Und der begann mit einem radikalen Schnitt

Georg Hiltner hat seinen Platz bei der Handwerkskammer in Konstanz gefunden

Georg Hiltner hat seinen Platz bei der Handwerkskammer in Konstanz gefunden

Foto: Jigal Fichtner

Gedankenverloren schaut der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz aus dem Fenster seines kargen Büros auf das Wasser des Seerheins. Er erinnert sich noch genau an diesen Tag, an dem sein selbstbestimmtes Leben eigentlich erst so richtig begann. „Mein Beschluss war natürlich ein Schock für meine Eltern, aber ich habe mich durchgesetzt.“

Zahnarzt. Diese Karriere hatten sich Georg Hiltners Eltern für ihren Sohn vorgestellt. Nachfolger in der väterlichen Praxis in Pforzheim. Anfangs sieht es auch tatsächlich so aus, als ob der Sohn dem elterlichen Wunsch nachkommt. Gut, er studiert Humanmedizin statt Zahnheilkunde, aber zumindest stimmt die Richtung. Hiltners Lebenslauf scheint vorgezeichnet.

Doch dann, kurz vor dem Examen, trifft er die Entscheidung, die ihn schon sehr lange umgetrieben hat: Er bricht sein Studium ab. „Ich stand permanent zwischen Familientradition, Verpflichtung und eigenem Bewusstsein“, erzählt Hiltner über seine damalige innere Zerrissenheit, die letztendlich von seinem Wunsch nach Freiheit beendet wurde.

Es war ein anderes Leben. Fast könnte man meinen, Hiltner erzähle nicht seine eigene Lebens­geschichte. Sicher, er ist kein aufbrausender Typ, Emotionen zeigt er nur selten. Auch sein weitläufiges Büro im ehrwürdigen Gebäude der Handwerkskammer, Baujahr 1913, verrät nicht viel über den Menschen Georg Hiltner: Zwei schwere hölzerne Tische, der eine ein Schreibtisch, der andere ein Besprechungstisch, stehen in dem lichtdurchfluteten Raum. Beides gehört zum Inventar.

Aber wenn Hiltner über seine Pläne für Konstanz redet, dann sprechen Ehrgeiz und Eifer aus ihm. Zur Handwerkskammer kam er mit einem klaren Konzept: Aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts soll ein Dienstleister mit maximalem Mehrwert werden. Ende 2010, glaubt der Wahl-Konstanzer, werde man „die vereinbarten Ziele erreicht haben“. Sein Wunsch für die Zukunft: „Zufriedene Betriebe, die einen guten Draht zur Handwerkskammer haben.“

Doch wie kommt ein Pforzheimer mit abgebrochenem Medizinstudium auf den Stuhl des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer Konstanz?

Hiltner studiert zunächst Geografie, Schwerpunkte Wirtschaftsgeografie und Städtebau. Er schafft das trotz seiner Vollzeitstelle als Sachbearbeiter bei der Baugrund AG in Regelstudienzeit. Nach dem Diplom bleibt er bei der Baugrund. Als man ihm dort „keine zügige Weiterentwicklung anbieten kann“, zieht er weiter. Die Stationen folgen Schlag auf Schlag: City-Manager in Passau, Mitglied der Unternehmensleitung beim Bekleidungsunternehmen Rudolf Wöhrl (Nürnberg). „Ich kann den Schalter umlegen und mich direkt auf etwas Neues einstellen“, sagt Hiltner auf die Frage, wie er die Wechsel so problemlos vollzogen habe.

Weiß Hiltner am Ende etwa nur, was er nicht will, nämlich Zahnarzt in Pforzheim sein? Ist das Schalter-Umlegen eine Art Flucht und keine Gabe? Doch all das hat tatsächlich System.

Zwar begründet Hiltner die Wahl seines Studiums erst im zweiten Satz und wenig konkret mit „einem Grundinteresse für Geografie“. Das Argument, das er zuerst nennt, lässt eher den Drang nach Freiheit durchblicken. „Ich wollte ein Studium, das mir Luft gibt, eine breite berufliche Entwicklung anstreben zu können.“

Doch Studium und berufliche Tätigkeiten haben ihn stets ein Stück weiter gebracht. Jede Position hat ihn neue Erfahrungen gelehrt. Hiltner ist nicht flatterhaft, ist es nie gewesen. Der Mann, in dessen Büro ein Ersatzjackett hängt, hatte immer ein Ziel vor Augen: Irgendwann nicht mehr nur die Saat ausstreuen und dann weiterziehen. „Heute möchte ich ernten, was ich gesät habe“, sagt er entschlossen. In Konstanz sieht er seine Zukunft.

Natalie Butz

Georg Hiltner, Jahrgang 1964, ist seit April dieses Jahres Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz. Der gebürtige Pforzheimer studierte zunächst Humanmedizin, dann Geografie mit den Schwerpunkten Wirtschaftsgeografie und Städtebau. Bevor Hiltner nach Konstanz kam, hat er seine Kompetenzen nicht nur durch sein Studium, sondern auch seine beruflichen Tätigkeiten kontinuierlich und bewusst aufgebaut.

Mit der Stelle bei der Baugrund in München, erläutert Hiltner, habe er sich schon ein „von der Ausgangslage Städtebau passendes Feld hinzugenommen“. Als City-Manager in Passau machte er sich dann mit Standortbewertung und politischer Lobbyarbeit vertraut. Und bei Rudolf Wöhrl habe er sich Wissen über Marketing und Kommunikation angeeignet. Zudem lernte er hier in der Leitungsfunktion die „andere Seite“ kennen, jene Seite, die er heute in Konstanz betreut. Gleichzeitig haben alle Posten die eine für Hiltner besonders wichtige Anforderung erfüllt: Sie liegen südlich von Pforzheim.

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