Franz Bernhard Wagener, Wagener-Kaufhäuser in Baden-Baden

Wageners weiter Weg

Franz Bernhard Wagener ist 60 geworden: Der gebürtige Siegerländer prägt Baden-Badens Einzelhandel seit einem Vierteljahrhundert – und eckt dabei ein ums andere Mal an

Franz Bernhard Wagener beschäftigt in zwei Kaufhäusern in Baden-Baden rund 200 Menschen

Franz Bernhard Wagener beschäftigt in zwei Kaufhäusern in Baden-Baden rund 200 Menschen

Foto: Jigal Fichtner

So richtig warm ist er mit der Zahl noch nicht geworden. Franz Bernhard Wagener hebt die Schultern leicht an, lässt den Blick über die Stühle des Besprechungsraums schweifen und sagt: „Ich bin 60, aber es fühlt sich einfach nicht so an“, sagt der Chef der Wagener-Kaufhäuser in Baden-Baden und seufzt lächelnd. Während andere ihr Fest laut begehen, feiert er lieber im kleinen Kreis.
2009 ist ohnehin das Jahr der Jubiläen für den Mann, der Baden-Badens Einzelhandel seit Jahrzehnten prägt wie kein anderer. Rund 25 Jahre gibt es sein Kaufhaus in der Langen Straße, das ist für Wagener eher ein Grund zu feiern. Und Zeit, zurückzublicken.

1981 kommt er aus dem Siegerland nach Gaggenau. Wagener ist 32 Jahre alt. Seine Familie besitzt ein Kaufhaus in Siegen. Irgendwann wird es ihm dort aber „zu eng“. Nach einem Abstecher in die USA ist ihm klar, dass sein Weg woanders hinführen muss, das Ziel indes bleibt dasselbe: ein eigenes Kaufhaus. In Gaggenau übernimmt er gemeinsam mit seiner Frau eines. Der Laden läuft, drei Jahre später folgt der Schritt nach Baden-Baden.

Fast sein komplettes Leben hat Wagener in Kaufhäusern verbracht, als Kind verdient er sich mit dem Ein- und Ausräumen von Regalen ein erstes Taschengeld, 50 Pfennig bekommt er pro Stunde. Davon profitiert er noch heute: „Das ist mein größtes Kapital“, sagt er. „Ich habe alles schon mal selbst gemacht.“ Früher war er meist der Erste, der kam und der Letzte, der ging. Heute ist das Tempo gedrosselt, wenn auch unwesentlich: Zwölf-Stunden-Tage sind die Regel. „Ich überlege mir häufig, ob es nicht auch reicht, mal um neun zu kommen. Am Ende bin ich wieder um halb acht da.“ Ein Besessener ist Wagener nicht, dafür wirkt er viel zu ausgeglichen. Es ist die Lässigkeit eines Mannes, der schon viele Schlachten geschlagen hat.

Manche dieser Schlachten hat er gewonnen, manche verloren: Als er 1984 das Kaufhaus an der Langen Straße übernimmt, ist der Konkurrent Horten ein paar Meter weiter noch der Platzhirsch. Wenn Wagener über diese Zeit redet, lehnt er sich zurück, erklärt gestenreich seine Vision eines erfolgreichen Kaufhauses – und lächelt dabei fast selig. Mit jedem Wort wird deutlich: Die Zeit als David, der gegen den übermächtigen Goliath kämpft, hat ihm gefallen.

Als die Horten-Gruppe pleite geht und von Kaufhof übernommen wird, wittert er seine Chance und übernimmt 1994 das Haus des ehemaligen Konkurrenten. Damit steigt Wagener zum Goliath des Einzelhandels in der Kurstadt auf. Das bringt ihm im Lauf der Jahre aber nicht nur Sympathien ein: Mit seiner Geradlinigkeit, die mitunter als Sturheit (die Siegerländern mitunter zugeschrieben wird) missverstanden wird, polarisiert er über Baden-Baden hinaus. Und so steht Wagener vor einigen Jahren auf einmal auf verlorenem Posten.

In der Kurstadt wird über die Shopping-Cité diskutiert, das 18 000 Quadratmeter große Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt. Wagener mahnt, der Einzelhandel in der Innenstadt werde leiden, doch seine Warnungen verpuffen, die Cité wird gebaut. Die (politische) Schlacht ist geschlagen und verloren – und macht aus dem Goliath wieder den David vom Anfang. Als dann noch der Lebensmitteleinzelhändler Scheck ankündigt, in einen riesigen Lebensmittelmarkt in der Cité zu investieren und damit Wagener direkt anzugreifen, wird es langsam eng für den Platzhirsch.

Wagener ist damals 57, doch statt verbittert an die Rente zu denken, geht er zum Gegenangriff über. In nur neun Monaten stampft er ein neues Konzept für sein Kaufhaus aus dem Boden, investiert massiv in den Umbau der Wagener-Galerie, die von nun an ein Einkaufszentrum ist. Der Konter sitzt. Während die Cité nicht wirklich auf die Beine kommt, hat Wagener seine Position gefestigt. Und wer ihn kennt, der weiß: Die nächste Schlacht kann kommen. Erst recht mit 60.

Robert Schwarz

Anfang Oktober hat Franz Bernhard Wagener seinen 60. Geburtstag gefeiert. Ihm gehören in Baden-Baden die Kaufhäuser City-Wagener und die Wagener-Galerie, wo er rund 200 Mitarbeiter beschäftigt.

1949 in Siegen als Sohn einer Unternehmerfamilie geboren, steigt er nach Abitur, Betriebswirtschaftsstudium und praktischer Ausbildung 1976 ins elterliche Kaufhaus ein, das er zusammen mit den beiden Brüdern führt. 1981 übernimmt der gebürtige Westfale gemeinsam mit seiner Frau Annette das kurz vor der Pleite stehende Kaufring-Kaufhaus im badischen Gaggenau. 1984 folgt der Schritt nach Baden-Baden, wo er 1994 von der Horten-Gruppe ein weiteres Kaufhaus übernimmt, das über ein mehr als 500 Stellplätze fassendes Parkhaus verfügt.

Das erste Warenhaus in der Kurstadt wird daraufhin in ein reines Modegeschäft umgewandelt. Die Häuser kommen zusammen auf rund 12 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Das Haus in Gaggenau übernehmen zwei ehemalige Angestellte. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern gehört zu den Stiftern des Festspielhauses Baden-Baden.

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