Florian Karle, Südvers

Weg von hier, um da zu sein

Kein kleiner Junge träumt davon, Versicherungsmakler zu werden. Florian Karle ist da keine Ausnahme. Aber heute führt er die Südvers aus tiefster Überzeugung

Lange dabei, kurz mal da. Florian Karle verbringt jeden dritten Tag auf Reisen

Lange dabei, kurz mal da. Florian Karle verbringt jeden dritten Tag auf Reisen

Foto: Michael Bode

Florian Karle ist mal wieder zu Hause angekommen. Denn eigentlich ist er ein Getriebener. Immer auf Achse, mit dem Kopf schon wieder beim nächsten Check-in. „Aber ich bekomme auch schnell Heimweh“, gibt er zu. Fast jeden dritten Tag ist Karle auf Reisen. In den USA, in Asien und viel in Europa – das bringt die Kundenstruktur mit sich. Florian Karle ist geschäftsführender Gesellschafter des Versicherungsmaklers Südvers aus Au bei Freiburg. Und so sehr er die weite Welt kennt, so sehr sehnt er sich manchmal nach seinem Nest.

Au ist Provinz pur. Kurz hinter Freiburg gelegen, kaum 1500 Einwohner. Die Busse der regionalen Verkehrsgesellschaft fahren hier nur dann, wenn Kinder in die Schule oder Menschen zur Arbeit müssen. Mittendrin im Dorf sitzt Südvers. Einer der fünf bedeutendsten Makler Deutschlands.

Kein kleiner Junge träumt davon, Versicherungsmakler zu werden. Auch Florian Karle hat das nicht getan, er wollte etwas anderes werden: „Immer Polizist. Das fand ich am spannendsten.“ Auf gewisse Weise hat Karle sich nicht allzu weit von seinem Traum entfernt. Denn er sorgt für Recht und Ordnung. Er ist als Treuhänder seiner Kunden dafür zuständig, dass die ihr Recht bekommen. Wenn es gebrannt hat, wenn ein Produkt Schäden verursacht oder wenn sie Opfer eines faulen Geschäfts werden oder sich nicht auf ihre Partner verlassen können.

„Versicherungen denken wirtschaftlich“, sagt Karle. Besonders in Deutschland hätte das dazu geführt, dass sie immer wieder versuchten, sich um ihre Pflichten in der Schadensbegleichung zu drücken. „Das ist in Deutschland üblich. Anders als in den USA.“

Karles Kunden sind rund 2000 Firmen aus ganz Deutschland. Viele davon sind international aufgestellt. Jede fünfte ist eine Konzerngesellschaft. Also ist Karle viel unterwegs. „Mein Herz hängt am Vertrieb“, sagt er. Das bedeutet: Er lebt oft aus dem Koffer. Macht ­Reisen, um die man ihn nicht beneidet. Er hetzt in drei Tagen quer durch Mexiko. Verbringt 18 Stunden in Indien. Morgens ankommen, abends zurück.

Sein Vater Manfred Karle ist eher der bodenständige Versorger der Unternehmer. Florian Karle ist der dynamische Veränderer. Als er im Jahr 2000 in die Geschäfts­leitung kommt, bricht er zu einer Ochsentour quer durch die USA auf. 14 Tage, 18 Flüge, 56 Termine. „Ich wollte ordentlich Geld in die Hand nehmen, um uns internationaler aufzustellen“, erinnert er sich. Seinem Vater hat er gesagt: Das Geld ist in 18 Monaten wieder drin. Es schaffte es in sechs. Damals machte Südvers kaum fünf Prozent seines Geschäfts international. Heute ist es fast die Hälfte. Tendenz steigend.

Florian Karle ist der Mann der Zukunft bei Südvers. Obschon er bereits Teil der Geschichte des Unternehmens ist. Doch weil er früh in der Firma seines Vaters ankam, hat er noch eine lange Zeit vor sich. Er ist ja erst 38 Jahre alt. Und schon mit zehn Jahren, so erzählt man ihm, habe er sich im Büro seines Vaters auf den Chefsessel gesetzt und erklärt: „Der Stuhl gehört mal mir!“ Mit 16 Jahren hat er sich dann festgelegt, ist zielstrebig und mit eigenem Kopf seinen Weg gegangen. Jetzt, da sein Vater seinen Abschied aus der Firma angekündigt hat, arbeitet auch Florian Karle weiter an seinem Profil. „Umso älter ich werde, desto mehr Lust habe ich, etwas Neues zu lernen.“ Den Bootsführerschein hat er jetzt gemacht. Bald will er Arabisch sprechen.

Von Versicherungen zu sprechen, ist niemandes Wunsch. Auch nicht der von Florian Karle. Er redet lieber von seinen Kunden. „Der Kunde braucht jemanden, den er versteht“, sagt Karle. „Unser Geschäft lebt von der Nase, vom persönlichen Anspruch.“ Das heißt für ihn: Heimkommen ja, ankommen nie. Karle muss immer da sein, wo man ihn braucht. Also muss er immer wieder weg von hier.

Philipp Peters

Florian Karle kommt am 18. Mai 1973 in Freiburg zur Welt. Schon während der Schulzeit beschließt er, dass er mal das Erbe seines Vaters antreten will. Manfred Karle hatte den Versicherungsmakler Südvers im Alter von 25 Jahren der damaligen Besitzerin abgekauft. In den 42 Jahren unter seiner Führung ist das Prämienvolumen von 0,4 auf 218 Millionen Euro gestiegen. Südvers ist einer der renommiertesten Partner der Unternehmen in Deutschland, wenn es um Versicherungen geht. Das Unternehmen aus Au bei Freiburg zählt 300 Mitarbeiter, davon 70 in Österreich, die übrigen in Deutschland.

Nach Schule und Wehrdienst legt Karle sich per Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Versicherungen auch fachlich auf die Nachfolge fest. Er absolviert die Ausbildung bei einem Mitbewerber und steigt im Alter von 27 Jahren in die Geschäftsführung ein. Seit drei Jahren ist er Gesellschafter von Südvers. In zwei Jahren will Manfred Karle sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und die Verantwortung endgültig seinem Sohn überlassen. Florian Karle ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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