Brunhilde Rauscher-Doll, Doll AG

Das offene Ohr der Doll AG

Der Fahrzeugbauer hatte zuletzt schwere Zeiten. Brunhilde Rauscher-Doll auch. Aber es sind nicht die ersten, die sie meistert – ruhig, sachlich, überlegt

Im Großkonzern fühlt sie sich nicht wohl. Kleinere, direkte Strukturen sind ihr lieber

Im Großkonzern fühlt sie sich nicht wohl. Kleinere, direkte Strukturen sind ihr lieber

Foto: Jigal Fichtner

Brunhilde Rauscher-Doll lacht gerne. Selbst wenn ihr im Moment eigentlich nicht recht zum Lachen zumute ist. Aber Lachen entspannt. Es tut gut, wenn der ganze Stress für einen kurzen Moment von ihr abfällt. Deswegen lacht Rauscher-Doll auch jetzt. In schwierigen Zeiten.

Das Unternehmen, das sie lenkt, besetzt Nischen. Die Doll Fahrzeugbau AG produziert Sattelauflieger und Selbstlenker für Schwertransporte, Holztransporte, Militärfahrzeuge. Baut Lkw-­Pritschen und Aufbauten für Catering-Fahrzeuge an Flughäfen. 2009 kommt die Finanzkrise, wird zur Wirtschaftskrise und schließlich zur Unternehmenskrise. Vor zwei Jahren weiß Rauscher-Doll nicht, wie es mit ihren Unternehmen weitergeht.

Sie trägt sich ernsthaft mit dem Gedanken, eine stattliche Zahl ihrer Mitarbeiter zu entlassen, um wenigstens den Rest des Unternehmens zu retten. Aber sie tut es nicht. Stattdessen lässt sie sich von Kurzarbeit überzeugen. „Das war kein einfacher Schritt“, erinnert sich Rauscher-Doll, die nicht wenige Mitarbeiter in Kurzarbeit 100 schicken muss. „Wir wissen aber, dass wir es tun mussten.“

Wir. Rauscher-Doll sagt selten Ich. Sie ist ein Teamspieler, unprätentiös und uneitel. Deswegen verweist sie gerne darauf, dass es ein Gemeinschaftswerk ist, aus dieser Krise wieder herauszukommen. Ziel für 2011, sagt sie, sei ein ausgeglichenes Ergebnis.

Bei einem solchen Satz lacht ihr Aufsichtsratsvorsitzender Ägidius Schönstein. Das sei typisch. Natürlich werde es mehr werden als „nur“ ein ausgeglichenes Ergebnis. Die Unternehmenschefin ist vorsichtig – aber nicht pessimistisch.

Das Jahr 1999 katapultiert sie an die Spitze des Unternehmens. Keine leichte Zeit. Doll Fahrzeugbau steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Und die ist hausgemacht. Brunhilde Rauscher-Doll muss kommen, weil ihr Vater gehen muss. „Es war kein schöner Wechsel, für beide Seiten“, sagt sie. „Aber am Ende des Tages waren meine Eltern wahrscheinlich doch eher zufrieden.“ Wieder so eine vorsichtige Formulierung.

Der Wechsel hat sich längst gelohnt. Die Neue an der Spitze ist unbefangen, hat keine Geschichte im Unternehmen. So fällt es ihr leichter, zusammen mit ihren Beratern Strukturen zu verändern. Das Unternehmen kommt langsam in ruhigeres Fahrwasser. Und sie hat daran ihren großen Anteil.

Weil sie zuhört. Weil sie immer offen ist für Ratschläge von außen. Das berichten Mitstreiter und Gegner gleichermaßen. „Ich arbeite in kontroversen Themen sehr gerne mit ihr zusammen“, sagt beispielsweise Ahmet Karademir, der Chef der IG Metall. Er lernt Rauscher-Doll als verlässliche Gesprächspartnerin kennen, die sehr respektvoll mit ihrem Gegenüber umgeht. „Sie ist in der Sache hart und eine starke Kämpferin. Aber sie verschließt sich selbst Lösungsansätzen nicht, wo sie über ihren eigenen Schatten springen muss.“ Aufsichtsrat Bernd Hoffmann ergänzt: „Selbst in dieser Krise hat sie eine bewundernswerte Ruhe und Sachlichkeit ausgestrahlt.“

Vielleicht liegt das daran, dass das Unternehmen schon ein Teil von ihr ist, als sie das selbst noch gar nicht wahrnahm. Acht Jahre arbeitet sie bei der Deutschen Bank, fühlt sich eingepfercht in deren Konzernstrukturen. Schnell wird ihr klar, dass das ihre Welt nicht ist: „Jeder hat nur an seine eigene Karriere im Blick.“ Mittelständische Strukturen sind ihr lieber, die sind direkter. Sie geht und wird Hausfrau und Mutter.

Viel erzählt sie nicht von ihrer Zeit vor ihrem Einstieg bei Doll: „Ich spreche lieber über Erfolge.“ Und die sollen jetzt wieder kommen. Denn langsam kehrt wieder Leben in die unlängst so stillen Hallen des Unternehmens ein, als es Rauscher-Doll schmerzte, durch die leeren Gebäude zu gehen. Sie wird wieder Stress haben. Diesmal positiven Stress. Und vielleicht auch wieder mehr Anlass zum Lachen.

Ingo Schorlemmer

Brunhilde Rauscher-Doll, Jahrgang 1953, führt die Doll Fahrzeugbau AG seit 1999. Als Kind wollte sie Stewardess werden, Reisen ist auch heute noch ihr Hobby. Nach der Schule war es ihr Traum, Psychologie zu studieren. Doch sie scheiterte an dem extrem hohen Numerus clausus. So wurde es Betriebswirtschaft, auch weil ihr Vater sie damals daran erinnerte, dass sie irgendwann mit dem Betrieb konfrontiert werden würde.

Das BWL-Studium erwies sich für Rauscher-Doll aber sehr schnell als genau das Richtige – und eben nicht als Übergangslösung. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Augsburg und wechselte schließlich für acht Jahre zur Deutschen Bank nach Würzburg und Frankfurt. 1994 kam sie zurück nach Oppenau.

Brunhilde Rauscher-Doll ist verheiratet und hat drei Kinder, die zwischen 19 und 24 Jahre alt sind. Im Alter von 65 Jahren soll für die Unternehmenschefin Schluss sein – wenn die Nachfolge geklärt ist. Zwei Töchter studieren BWL. Es muss aber niemand aus den drei Stämmen der Familie sein.

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