Bert H. Sutter, Freiburger Medizintechniker Sutter

Helfen als Berufung

Bert H. Sutter sagt, dass er alles habe, was er bräuchte. Also macht der Unternehmer vor, wie man anderen Menschen hilft

Bert H. Sutter, 43, führt den Freiburger Medizintechniker bereits seit 17 Jahren

Bert H. Sutter, 43, führt den Freiburger Medizintechniker bereits seit 17 Jahren

Foto: Jigal Fichtner

Ende 2011 hat Bert Sutter ein Problem. Denn nur weil der Geschäftsführer des Medizintechnikers Sutter aus Freiburg schon 43 Jahre alt ist, heißt das nicht, dass seine Eltern ihn vor Weihnachten nicht löchern würden: „Was wünschst du dir, Junge?“ Dann hat Sutter die Idee.

Andere Leute lassen sich ein iPad schenken. Eine Uhr. Vielleicht Socken, Musik, Bücher. Bert Sutter hat sich einen Gesellschafterbeschluss gewünscht. Eine
Lizenz, um Gutes zu tun.

Als er davon erzählt, leuchten seine Augen. Sein Gesicht strahlt noch mehr als sonst. Sutter hat sich seine Sporen im Marketing verdient. Er weiß also, wie man auf Leute zugeht, ihnen einen Idee verkauft, etwas präsentiert. Er kann das gut. Hier und jetzt, am Besprechungstisch seines Büros. Und er wird es im Gespräch mit seinen Eltern gekonnt haben. Dann springt er auf. „Moment, das müssen Sie sehen!“

Als er kurz darauf zurück ist, hat er einen Karton dabei, in dem
ursprünglich mal fünf Pakete mit je 500 Blatt Papier waren. Jetzt ist der Karton gestrichen voll mit Klarsicht-Mappen, in denen Lebensläufe von Kindern sind. Sie kommen aus den ärmsten Regionen der Welt. Afrika, Südamerika, Asien. Auf den Mappen haften gelbe Zettelchen mit Namen. Es sind nicht die Namen der Kinder, sondern die von Sutters Mitarbeitern. Denn jeder einzelne hat jetzt ein Patenkind. Jeder neue Mitarbeiter wird auch eins bekommen. Das ist der Gesellschafterbeschluss, den Bert Sutter sich von seinen Eltern gewünscht hat. „Ich selbst habe alles, was ich brauche.“

Sutter holt ein paar Mappen aus dem Karton. Die Lebensläufe sind in der Tat rührend. Manche sind handschriftlich ausgefüllt. Jedes Kind hat ein Foto. Es wird beschrieben, wie das Kind lebt, was es liebt, was es tun muss, damit die Familie überlebt. Sutter blättert einige von ihnen durch. Es bewegt ihn. Dann empfiehlt er: „Werden Sie Pate, es lohnt sich.“

Bert Sutters Plädoyer ist so viel echter als die Werbespots der
Hilfsorganisationen, die ja oft nur aus einem Cocktail von Kinder­augen und Elend bestehen. Sutter aber macht spürbar, was man davon hat, wenn man etwas gibt.
Die Patenschaften gehören bei Sutter Medizintechnik jetzt zum Job dazu. Anderswo muss man mit dem Arbeitsvertrag vielleicht unterschreiben, dass man den elektronischen Türöffner erhalten hat oder über die Sicherheitsvorkehrungen belehrt wurde. Bei Sutter muss man sich auch zwischen den beiden Hilfsorganisationen entscheiden, von denen dann das Patenkind kommt. Die Rechnung zahlt die Firma. Im Jahr kommt dann ein Betrag von mehr als 20 000 Euro zusammen.

Man nimmt es Bert Sutter ab, dass er in der Medizintechnik ist, weil er Menschen helfen will. Weil hier geforscht wird. Wie auch bei Sutter. Das Wissen hinter den Produkten entsteht hier, in der Freiburger Tullastraße.

Sutter entwickelt und baut Geräte für die Mikrochirurgie, etwa für die HNO- oder Neuro-Chirurgie. Die Geräte aus Freiburg erzeugen und transportieren Strom, mit dem die Chirurgen dann schneiden, veröden oder krankes Gewerbe zerstören. Ein Sutter-Gerät zur Schnarch­therapie könnte der Firma zu neuer Größe verhelfen. Viele Anbieter gibt es hier auf dem europäischen Markt nicht. Potenzielle Kunden gibt es Millionen.

Sutters Vater, der kürzlich verstorbene Firmen­gründer Hermann Sutter, hatte in den 1970er-Jahren einen Großhandel für Praxistextilien aufgebaut. Anfang der 80er kamen dann ehemalige Kollegen zu ihm, die beim seinerzeit strauchelnden Medizintechnik-Riesen FL Fischer arbeiteten. Fischer gilt als Keimzelle der Freiburger Medizintechnik. Sie baten Hermann Sutter um Hilfe, er half und dieses Jahr ist die Firma 40 Jahre alt. Sie investiert und schafft Jobs. Bert Sutter will nun eine Weltkarte aufhängen, damit jeder sieht, wo jedes Kind ist.

Philipp Peters

Bert H. Sutter führt den Freiburger Medizintechniker Sutter seit 17 Jahren. Sein kürzlich verstorbener Vater hat das Unternehmen vor 42 Jahren mit einem Partner gegründet. Sutter handelt zunächst mit Praxisbedarf, etwa Auflagen für Liegen. Von 1980 an stellt das Unternehmen elektrochirurgisches Zubehör her. Seit 1985 ist das Unternehmen ganz im Besitz der Familie. Seit 2004 ist Bert H. Sutter alleiniger Geschäftsführer. Sutter Medizin­technik erlöst einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich und beschäftigt 65 Menschen. Angesiedelt ist die Firma im Industriegebiet Freiburg-Nord. Im Sommer soll dort erweitert werden.


Bert Sutter hat an der Berufsakademie in Villingen-Schwenningen BWL studiert. Nach dem Studium geht er zunächst nach München zu einem Hersteller diagnostischer Geräte. Sutter wird dort Leiter des Marketings und des Direktvertriebs. Nach zweieinhalb Jahren kommt er zurück nach Freiburg, wo er in die Geschäftsführung des Familienunternehmens rückt. Bert H. Sutter ist seit 22 Jahren verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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