Eine Unterschrift verlangte Frank Eiss, Geschäftsführer der Walter Steinbach GmbH & Co. KG, von den ersten beiden potenziellen Kunden. Die waren eigens aus den USA nach Donaueschingen gekommen. Doch ohne Unterschrift gab es nichts zu sehen: Der Geheimhaltungsvertrag musste zuerst unterzeichnet werden. Die Geschäftsleute zückten ohne Murren den Stift, schließlich wartete eine Revolution.
Wer Eiss über Treppen und Rampen ins Innere des Unternehmens folgt, kann einen Blick auf die Revolution werfen, die den ersten Platz beim Innovationspreis der Sparkasse Schwarzwald-Baar gewonnen hat: Eine Falz- und Kuvertiermaschine, bereit für den Hochleistungseinsatz bei Massenversendern. 33 000 Briefumschläge verarbeitet die Apparatur, pro Stunde. Eiss: „Das sind gut 50 Prozent mehr als bislang möglich.“ Die Maschine entstand nach der Idee eines Partners bei Steinbach. Das muss einen zunächst verwundern. Denn eigentlich ist das Unternehmen ein klassischer Zulieferer. Steinbach wurde 1912 gegründet, durch Eiss’ Urgroßvater. Bis heute ist Steinbach ein typischer Mittelständler: 170 Mitarbeiter, 21 Millionen Euro Umsatz, Blechbearbeitung als Kerngeschäft. Kunden sind Maschinen- und Anlagenbauer, Elektro- und Wehrtechniker sowie der Automobilbau. Eiss umreißt das Unternehmen als Full-Service-Dienstleister: Von der Idee bis zur Großserie werden Teile vorangetrieben, Baugruppen montiert. Dann kam eben 2005 diese Idee eines Geschäftspartners: besagte revolutionäre Kuvertiermaschine. Frank Eiss überlegte nicht lange. Er kannte zwei Fakten: einerseits die eigene Erfahrung mit Papiertransportsystemen für die Druckindustrie. Andererseits die Markteinschätzung. Demnach wächst der Markt für Massensendungen stetig, egal ob Kreditkartenabrechnungen, Werbebotschaften oder Steuerbescheide. Und am stärksten wächst der US-Markt, deshalb die ersten Kontakte.
Das Steinbach-Team tüftelt mit Verve und monatelang abseits der normalen Geschäftsbahnen. Eiss: „Bei aller eigenen Kompetenz hatten wir natürlich mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen.“ Vor allem das Zusammenspiel von Steuersoftware und Papiertransport bereitet Kopfzerbrechen: Das Ding ist halt einfach verdammt schnell. Was die potenziellen Kunden wiederum freut. Wobei der eigentliche Papiertransport laut Eiss problemlos funktioniert. Gradlinig, ohne Richtungswechsel und von Bürsten getragen, das garantiert niedrige Folgekosten. Mehr sagt Eiss indes nicht: In der Maschine stecken viele Details, für die das Patentverfahren noch läuft. Deshalb der Geheimhaltungsvertrag: Erst im Mai kommenden Jahres wird die Revolution nämlich offiziell vorgestellt, in den USA.
Inder waren schon da, Araber ebenfalls. Hier, in der Werkstatt von Ralf Prätzas, zwischen Fräsmaschinen, Holzstapeln und Sägespänen. Der Geschäftsführer des Familienbetriebs in VS-Schwenningen mit 14 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,5 Millionen Euro kann es noch immer nicht richtig fassen. Denn eigentlich gehören Handwerksbetriebe nicht zu deren bevorzugten Reisezielen. Doch Prätzas hat ein Fenster. Genauer das KSD-Energiespar-Sonnenschutzfenster: Es gibt eine Sommer und ein Winterseite, durch einen Drehmechanismus können die Seiten gewechselt werden. Eine dünne Folie in der Scheibe ist vereinfacht gesagt der Clou: Im Sommer lässt sie die Sonnenwärme nicht rein, im Winter schon. Das senkt die Kosten, auch in heißen Regionen, weil nicht so stark gekühlt werden muss. Energieeinsparung ist heute ein weltweites Thema.
Doch Prätzas hatte mit dem System ein Problem: Die Energiewerte des Glases sind klasse. Der Drehmechanismus im Holzrahmen ist dagegen eine klassische Kälte- oder eben Wärmebrücke. „Also habe ich mir eine Art Doping fürs Fenster ausgedacht“, sagt Ralf Prätzas, der Zweitplatzierte des Innovationspreises. Der umtriebige Tüftler konstruierte aus Hartschaum und Aluminium einen Vorrahmen, der die Schwachstelle dicht schließt.Der Vorteil des Systems: Alle Teile können in Prätzas Werkstatt kundenspezifisch verarbeitet werden. Know-how und Maschinenpark sind vorhanden. Womit sich für Prätzas das Festhalten am traditionellen Fensterbauer-Handwerk auszahlt: „Kunststoff habe ich als Material niein Betracht gezogen.“ Lieber entzog er sich durch Spezialisierung der Macht der Kunststoffhersteller.
Doch den Kunden ist Holz suspekt. Ewig muss man es streichen. Also musste Prätzas den Naturstoff wieder attraktiv machen: „Das Aluminium am Vorrahmen macht den Holzrahmen wetterunempfindlich.“ Bleibt der hohe Preis. Der Wärmedämmrahmen kostet gut das Doppelte eines Standardfensters. „Das rechnet sich natürlich nicht kurzfristig, aber in sechs bis sieben Jahren hat sich das amortisiert“, sagt Prätzas. Er belegt das mit einem eigens selbst ausgetüftelten Computerprogramm. Man gibt allerlei Parameter wie die Fensterausrichtung ein und erhält den Einsparungseffekt, auf den Cent genau. Bundes-, ja weltweit ist Prätzas inzwischen zusammen mit dem Partner Öko-Logic (Mönchweiler) und dem System gefragt. Die Inder klopften sogar wegen des Baus einer Fabrik bei ihm an. Nur eines versteht der Handwerksmeister nach wie vor nicht recht: In Villingen-Schwenningen hat sich noch niemand eines seiner Fenster einbauen lassen. Dafür könnte er bald schon in Dubai den Auftrag über 9500 Fenster für neue Villen erhalten ...
Mit Kampfhunden hatte Gunter Warok keine Probleme. Der Geschäftsführer der Schwesterunternehmen Warok GmbH und WST in VS-Pfaffenweiler, spielte eine Software auf einen tragbaren Computer, schraubte dem eine Antenne dran. Fertig war ein Lesegrät: Der spezielle Chip unter der Hundehaut gab seine Daten preis.
Für Warok war klar: Das Prinzip lässt sich für ein neues, elektronisches Typenschild umnutzen. Denn was für Gemeindevollzugsbedienstete Angaben zu Herrchen und Maulkorbzwang, sind für Servicetechniker Maschinendetails. „Wir haben vorhandene Technologien zu einer ganz neuen Anwendung verknüpft“, sagt Projektleiter und Softwareentwickler Michael Schuler. Doch solche Einfachheiten haben es bekanntlich in sich. Die Ausgangslage: Servicetechnikern raufen sich vor Ort immer wiederdie Haare. Welches ist die richtige Maschine? Was wurde beider letzten Wartung gemacht? Nicht immer sind Ansprechpartner zur Stelle.Also braucht es ein unabhängiges System. Schuler: „Man könnte die Maschinen mit Barcodes kennzeichnen, aber die verdrecken schnell.“
Die neuen RFID-Chips sind dagegen unempfindlich und speichern mehr Daten. Nur waren sie bislang für diesen Einsatz nicht vorgesehen. Also setzte sich Gunter Warok mit einem Hersteller der sogenannten TAGs zusammen. Er selbst brachte 20 Jahre Erfahrung mit mobilen Computern ein: Warok ist unter anderem Distributionspartner von Psion Teklogix. Das Unternehmen WST schreibt für die tragbaren Rechner kundenspezifische Software, für Versandhäuser wie für Förster. Mit 15 Mitarbeitern erwirtschaften Waroks Unternehmen einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro. Nun steht das System, die ersten Maschinen haben einen neuentwickelten TAG aufgeklebt. Die Serviceunternehmen stehen Schlange, wollen das mit dem zweiten Platz des Innovationspreises bedachten elektronische Typenschild einsetzen. Weil es praktikabel ist. Weil den Technikern alle Daten, selbst Schaltoder Schmierpläne auf dem Computerdisplay erscheinen. Entscheidend ist aber auch etwas anderes: Der Datenaustausch zwischen Techniker und Zentrale ist blitzschnell. Damit können auch die Rechnungen blitzschnell raus.