Bei der vierten Auflage des Impact Forum in Rottweil machte VfB-Präsident Erwin Staudt vor den rund 120 Teilnehmern keinen Hehl daraus: Profi-Fußball hat mit Turnvater Jahn nur noch den Ball gemein.
An jedem Wochenende bewegt der Fußball hunderttausende Anhänger. An jedem Tag der Woche hat man beim VfB Stuttgart vor allem eines im Kopf: "Wie kommen wir an noch mehr Kohle?" Versehen mit einer gehörigen Prise Humor gewährte Erwin Staudt den Zuhörern einen Blick hinter die Marke VfB. Und den wirtschaftlichen Erfolg: Allein die Mitgliederzahl stieg in den vergangenen Jahren rasant auf 45481 an.
Diese Mitglieder und Fans, aber auch die Werbepartner (das Modehaus Breuniger und Daimler stehen seit 70 Jahren hinter dem Verein) sind der Grund für das Streben der Verantwortlichen nach "Kohle", also Geld: Es braucht eine permanent Verbesserung. Das gilt für die sportliche Seite, aber vor allem für das Drumherum: Allein 70 Millionen Euro hat der VfB laut Staudt in den vergangenen Jahren in das Stadion-Umfeld mit Geschäften, Hotel und VIP-Logen investiert. Jetzt folgt der Umbau des Daimler-Stadions. Das bereits Erreichte: "Unsere Logen sind absolute Spitze, da brauchen wir uns nicht vor Barcelona oder Liverpool zu verstecken. Dort ist eine halbe Stunde nach dem Spiel Schluss, bei uns herrscht noch Stunden später Bar-Atmosphäre."
Doch hinter den Kulissen braucht es für den Aufbau der Marke VfB und damit für den Grundstock des Erfolgs vor allem eines: Disziplin. Laut Staudt aus zwei Gründen: Kein anderer Sport steht derart im Licht der Öffentlichkeit – "jeder eingewachsene Zehennagel ist eine nationale Katastrophe." Da gilt es die Kommunikation über den Verein detailliert zu steuern. Andererseits braucht es eine unternehmerische Disziplin: "Im Prinzip gelten bei uns die gleichen Anforderungen wie in der freien Wirtschaft." Und so arbeitet der VfB unter Staudt mit Instrumenten wie der Balanced Scorecard und elektronischer Unterstützung bei der Kostenkontrolle und ähnlichem. Kein Wunder, war Staudt doch 30 Jahre lang Boss bei IBM und er hat Initiativen wie die "Neue Soziale Marktwirtschaft" angestoßen.
Bei der anschließenden Diskussion unter Leitung von Econo-Chefredakteur Ulf Tietge zollten die Diskutanten der Leistung Staudts Tribut. Unternehmensberater Norbert Wölbl von Liebich & Partner sah die Sportförderung als guten Teil des Marketingmix. Aber: "Um wirklich davon zu profitieren, muss man mit dem Engagement aktiv werben."
Auch Prof. Dr. Ahron Schwerdt von der Dualen Hochschule BW Villingen-Schwenningen steht der Unterstützung von örtlichen Sportvereinen vor allem für regional tätige Unternehmen offen gegenüber: "Da ist man sehr nah an seinen Kunden und die Vereine sind positiv besetzt." Dabei muss es aber kein örtlicher Sportverein sein, auch Kultur oder soziale Einrichtungen eignen sich. Schwerdt: "Der Kindergarten meiner Tochter wurde mal von einem Bäcker unterstützt. Auf Druck meiner Tochter mussten wir dann drei Monate dort einkaufen. Da floss einiges zum Bäcker zurück."
Für Duravit-Vorstand Franz Kook ist das Sponsoring des SC Freiburg zwar "ein kleines Abenteuer". Aber: "Wir haben rasch gemerkt, dass die Sympathiewerte übertragen werden." Wobei der Hornberger Sanitärhersteller das Engagement bei den Badnern noch zusätzlich mit Werbemaßnahmen unterstützt. Einer der Werbesprüche: "Bei uns gehen Schwaben baden."
Alexander und Marco Teufel von der Agentur Markkom zeigten sich erfreut über die große Ressonanz auf das vierte Impact Forum im Badhaus im Rottweiler Neckartal: "Es macht uns stolz, abseits der Metropolen ein Marketingforum etabliert zu haben." Das Impact Forum für Marketing & Kommunikation wird veranstaltet von Markkom und unterstützt von den Sparkassen der Region sowie der Tageszeitung Schwarzwälder Bote und Econo.