18.09.2015 09:25 Uhr

"Mein altes Wohnhaus muss jetzt fallen"

Weber-Haus-Gründer Hans Weber im großen Econo-Interview über Investitionen, eine Branche zwischen Boom und Angst sowie die Suche nach neuen Geschäftsfeldern.

Hans Weber ist Gründer des Fertighausherstellers Weber-Haus mit Stammsitz in Rheinau-Linx. Foto: Jigal Fichtner für econo

Hans Weber ist Gründer des Fertighausherstellers Weber-Haus mit Stammsitz in Rheinau-Linx. Foto: Jigal Fichtner für econo

Rheinau-Linx. Weber-Haus hat im Jahr 2014 den Umsatz um sieben Prozent in einem nicht einfachen Marktumfeld gesteigert. Was hat das Plus ausgelöst, Herr Weber?

Hans Weber: Wir spüren seit einigen Jahren eine verstärkte Nachfrage. Dafür haben wir aber auch viel getan, gerade im Bereich Energieeffizienz oder bei modernen Technologien wie „Smart Home“. Hier haben wir bis zu fünf Jahre Vorsprung vor den Marktbegleitern. Diese Investitionen zahlen sich jetzt aus.

Kann man diesen Invest beziffern?

Weber: Das ist schwer zu sagen, da es sich um einen laufenden Prozess handelt. Es ist auch fast mehr das Engagement der Köpfe, denn des Geldes.

Sie werden aber doch real investieren?

Weber: Natürlich! In diesem Jahr beginnen wir mit dem Bau eines neuen, zusätzlichen Verwaltungsgebäude mit 1000 Quadratmetern Fläche für drei Millionen Euro. Dafür fällt mein ehemaliges Wohnhaus, das bisher neben dem Eingangsbereich als Bürogebäude diente. Die Eröffnung des Neubaus wird im nächsten Jahr sein. Insgesamt werden in 2015 rund vier Millionen Euro in Ersatzbeschaffungen für Maschinen und Anlagen oder auch neue Musterhäuser investiert, neben einem Teilbetrag von einer Million Euro für das Bürogebäude.

Welchen Anteil hat Weber-Haus in der Branche?

Weber: Das ist schlecht einzuordnen, da es auf den Maßstab ankommt. Wir sehen uns als den zweitgrößten Hersteller, wobei wir die umsatzstärkste Einzelmarke sind. In der Branche gibt es auch Verbünde, das heißt Firmen, die mehrere Marken unter einem Dach anbieten.

Kann eine Aussage getroffen werden, welcher Hersteller von den 16,2 Prozent Fertighaus-Anteil bei den Wohnbauten welchen Marktanteil hat?

Weber: Da gibt es keine Statistik. Man kann es aber an den Stückzahlen festmachen: 16.000 Fertighäuser werden gebaut, über den Daumen sind davon 765 Häuser von uns. Wenn man es am Umsatz misst ist der Anteil aber deutlich größer.

Das spricht für das höhere Preisniveau der Weber-Häuser…

Weber: Das kann man so sagen. Wobei wir teilweise auch sehr große Objekte wie Villen, Mehrfamilienhäuser oder Büros mit entsprechend höheren Volumina bauen. Für uns ist alles ein Projekt, dahinter stehen aber oft mehrere Millionen Euro Investitionssumme.

Der durchschnittliche Marktanteil der Fertighäuser bei Neubauten liegt mit 16,2 Prozent sogar ein wenig oberhalb der Prognosen.

Weber: Ja, es ist gut gelaufen. Wobei Baden-Württemberg mit rund 25 Prozent viel zu den guten Zahlen beiträgt. Im badischen Landesteil gibt es sogar Baugebiete mit bis zu 40 Prozent Fertighaus-Anteil. Eine Begründung für diesen hohen Marktanteil ist für mich die ökologische Bewegung, die ja ebenfalls einen wichtigen Ausgangspunkt im Süden und besonders in Freiburg hatte. Da haben wir Hoffnung, dass sich das nach Norden hin erweitert, denn dort ist der Anteil traditionell um einiges geringer. Wobei man sehen muss: Unser Marktanteil ist im Norden nicht unbedingt schlechter. Nur ist der Markt insgesamt eben deutlich kleiner als in Baden-Württemberg und Bayern.

Die Prognose für 2015 lautet auf 765 Häuser und damit ein wenig mehr als in 2014. Darin enthalten sollen auch mehrere Mehrfamilienhausprojekte sein. Bedeutet das Stagnation im Stammmarkt und das Wachstum kommt über diese neuen Projekte?

Weber: Nein, der Eindruck stimmt so nicht. Die Prognosen sind inzwischen von der Wirklichkeit überholt. Die Zahl 765 wird klar übertroffen werden. Das Mehrfamilienhaus ist damit ein Zusatzgeschäft.  

Ein Zusatzgeschäft mit großer Zukunft?


Weber: Ja, das stimmt. Die Zahl der Mehrfamilienhäuser steigt und da wollen wir unseren Anteil holen, wie auch in den Segmenten des ebenerdigen und altersgerechten Bauens.

Ist die mehrgeschossige Bauweise eine ganz andere Art zu bauen?

Weber: Im Prinzip ist es nur eine Stapelei, wobei natürlich an die Statik oder die Brandvorkehrungen besondere Anforderungen gestellt werden. Aber das ist für uns kein Problem. Wir haben in 2015 in Kehl ohne Schwierigkeiten ein fünfgeschossiges Haus gebaut.

Welchen Anteil hat das mehrgeschossige Bauen?

Weber: Derzeit lässt sich das nur schwer beziffern. Wir haben auch keine Zielrichtung, welchen Umsatzanteil wir mit dieser Bauweise erreichen wollen. Dafür ist der Markt noch zu frisch.

Weber-Haus will auch im Bereich Bürogebäude mitmischen. Ist der Markt angesichts der Fülle an Anbietern überhaupt attraktiv?

Weber: Wir sind in diesem Bereich ein Exot, bearbeiten diesen Markt bislang auch nicht offensiv. Die bis dato gebauten Objekte wurden fast alle mit Bauherren realisiert, mit denen wir zuvor ein Wohnhaus gebaut haben. Weil das mit uns geklappt hat, wollten sie auch ein Bürogebäude von uns. Häufig ist es ja so, dass inhabergeführte Unternehmen anders investieren als der klassische Konzern. Wenn man den Quadratmeter Bürofläche zu x Euro benötigt, dann können wir nicht mithalten. Wenn aber andere Themen wie Nachhaltigkeit oder die Betriebskosten auf 30 Jahre gerechnet mitspielen, dann sind wir gut dabei.

Wie hat man sich ein Bürogebäude von Weber-Haus vorzustellen?

Weber: (schmunzelt) So! (er weist in sein Büro) Für uns spielt die Architektursprache keine Rolle. So wie es entworfen wird und der Bauherr es haben möchte, setzen wir es um. Komplett individuell. Die Architektur hat nichts mit unseren Wohnhäusern zu tun.

Sie sagten, Weber-Haus sei bislang nicht offensiv auf dem Markt aufgetreten. Werden Sie hier künftig anders vorgehen?


Weber: Wir werden offensiver den Markt bearbeiten. Aktuell bauen wir eine Organisations-Struktur dafür auf. Das braucht seine Zeit, da die Marktanforderungen andere sind. Im Lauf des Jahres werden aber schon die ersten Erfolge eingehen. Man muss aber auch sehen: Wenn wir einen Vertrag schließen dauert es bis zu Realisierung des Umsatzes gut ein Jahr. Also wird sich alles, was wir jetzt an Aufträgen unterzeichnen, erst Ende 2016 oder sogar erst 2017 im Umsatz niederschlagen.

Sie verlassen damit angestammt Pfade und tummeln sich in einer Branche mit anderen Gesetzmäßigkeiten.

Weber: Das stimmt. Aber deshalb bauen wir eine eigene Einheit im Unternehmen auf. Fünf bis sechs Mitarbeiter als Mannschaft mit Vertrieb, Architekt und Statiker, die sich dann  wiederum bei unseren anderen Einheiten Know-how dazu holen können.

Sie betonten, Sie wurden von der Entwicklung überholt. Anstatt 765 Häuser werden es heuer wie viele?

Weber: Es entwickelt sich in Richtung 800 Häuser. Ganz werden wir die Marke aber wohl nicht knacken. Von Seiten des Verkaufs wäre es möglich, aber die Produktion ist der Flaschenhals.

Sie sind an der Produktionsgrenze?

Weber: Nicht ganz. Wir stoßen an die Grenzen unserer Mitarbeiter in der Produktion. Von der technischen Seite her könnten wir noch mehr Häuser produzieren. Um es aber auszuweiten müsste man einerseits überhaupt neue Mitarbeiter finden und dann bleibt noch die Frage: Wie lange hält die Hochzeit an? Wir agieren lieber vorsichtig, nach dem auch wir bei Weber-Haus Anfang der 2000er Jahre den Einbruch der Nachfrage erlebt haben. Damals ist die Zahl nach Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser von 220.000 auf 80.000 in Deutschland eingebrochen. Das muss man sich mal vorstellen! Das ist an keinem Hersteller spurlos vorbeigegangen. Deshalb agiert jeder lieber vorsichtig.

Hat sich der Markt erholt?


Weber: Längst nicht. Derzeit liegt die Marke bei 90.0000 Baugenehmigungen, vielleicht erreichen wir in diesem Jahr die 100.000 Marke wieder.

Womit hängt die Zurückhaltung trotz niedriger Zinsen zusammen?

Weber: Es fehlt heute an Bauplätzen und damals wurden die staatlichen Förderungen drastisch zurückgefahren. Und man darf nicht vergessen: Die Banken sind entgegen der Eigenwerbung sehr sicherheitsbewusst, was die Finanzierung von Häusern angeht. Sicherheit heißt auch Lage: Ein Haus, das man in einer Randlage von Offenburg beispielsweise locker finanziert bekommt, dafür geben Banken im Großraum Dresden keinen Cent.

Spielt hier auch ein Mentalitätswandel eine Rolle? Es gibt ja nicht mehr die auf Jahrzehnte ausgelegten Erwerbsbiografien, weshalb sollte man dann ein Haus bauen…

Weber: Das spüren wir in dem Maße nicht. Die klassische junge Familie hat nach wie vor das Ziel eines eigenen Hauses. Andererseits haben wir auch Bauherren, die schon drei Mal mit uns gebaut haben, weil sie berufsbedingt umgezogen sind. Zugleich spüren wir aber auch, dass immer mehr ältere Menschen noch einmal bauen. Unsere älteste Bauherrin ist derzeit 90 Jahre alt!

Wie erklären Sie das?

Weber: Das hat mit einem gewissen Wohlstand zu tun, aber auch mit dem Vererben. Viele Kinder wollen die Elternhäuser nicht übernehmen, deshalb verkaufen die Eltern es lieber zu Lebzeiten und bauen sich noch einmal ein neues, altersgerechtes. Das ist sicher ein Trend, der sich verstärken wird.

Vor fünf Jahren gab es bei Weber Haus eine Zäsur. Sie sind damals in die Geschäftsführung zurückgekommen, der Schwiegersohn verlies das Unternehmen. Sie sind jetzt 79 Jahre alt. Wie ist die Geschäftsführung aktuell angelegt?

Weber: Meine Tochter ist als Geschäftsführende Gesellschafterin die Chefin. Sie hat meinen Part der Unternehmensleitung übernommen. Für das Resort Vertrieb/Marketing der Geschäftsführung ist seit 2010 Peter Liehner (60) zuständig. Die Geschäftsleitung der Technik wurde zum 1. Januar diesen Jahres an Herren Andreas Bayer (51), der schon seit 2003 als Leiter des Werkes Wenden-Hünsborn fungiert und Gerd Manßhardt (47), der die Werksleitung des Werkes Rheinau-Linx seit 2010 inne hat, übertragen. Unser langjährige kaufmännische Geschäftsführer Gerhard Stehling (63) geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Für ihn wird zur Zeit Stefan Jager (28) als Nachfolger eingearbeitet.


Dirk Werner
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