01.04.2012 19:07 Uhr

Was steckt dahinter?

In Windeseile sind QR-Codes zu einem der wichtigsten Werkzeuge im Marketing geworden. Doch nicht immer sind sie sinnvoll.

QR-Codes: "häufig zu klein gedruckt". Illustration: Michael Bode

Als Nico Krespach am Skilift stand, musste er schmunzeln. Dort sah er nämlich ein Plakat, auf dem ein QR-Code eingearbeitet war. Die Quick-Response-Codes, auf Deutsch etwa: schnelle Antwort, sind die Schnittstelle zwischen Print und Online, auf die viele Werber, Verleger und Vertriebler lange gewartet haben. „Aber nicht überall machen sie Sinn“, sagt Krespach. Am Skilift etwa ist man gut damit beschäftigt, mit den Skiern in der Spur zu bleiben und die Berge zu genießen. Da zielt man nicht im Vorbeifahren mit dem Smartphone auf eine Plakatwand.

Mit dem Aufkommen der internetfähigen Smartphones wurde es allerhöchste Zeit, den Handy-Nutzern den Zugang zum Internet zu vereinfachen. 2006 schaffte der Weltmeister im SMS-Tippen 160 Zeichen in 42 Sekunden. Eine Internet-Adresse, eine URL, kann jedoch aus bis zu 250 Zeichen bestehen. Und nicht immer aus Zeichen- und Zahlenfolgen, die dem gewöhnlichen Nutzer logisch erscheinen. Ganz zu schweigen davon, dass man sie auf den anders ausgelegten Handy-Tastaturen erst mal finden muss.

QR-Codes sind die Abkürzung direkt auf die richtige Seite. Nico Krespach kennt sich von Berufs wegen gut damit aus. Er ist Pressesprecher bei der Anwaltskanzlei Schultze & Braun in Achern, einer der größten Kanzleien im Südwesten. Schultze & Braun wurde unlängst von einem Business-Netzwerk für den Einsatz von QR-Codes ausgezeichnet. Diese werden heute auf allen Visitenkarten, Broschüren und anderen Werbemedien des Unternehmens eingesetzt und weisen von da zu weiterführenden Informationen auf der Website.

Wer einen QR-Code einsetzen will, der braucht nicht viel. Die Codes lassen sich über frei zugängliche Programme im Internet generieren. Man gibt die Web-Adresse ein, und das Programm baut den Code. Dieser muss dann in der richtigen Größe angebracht werden. „Das ist ein häufiger Fehler, dass die Codes zu klein gedruckt werden“, weiß Krespach.

Wer den Code entschlüsseln will, der benötigt ein Smartphone und eine entsprechende App. So gibt es Programme, die jedweden Code entziffern und dann etwa auf die verlinkte Website weiterleiten. Manche QR-Codes sind jedoch an ein ganz spezielle Anwendung gebunden.

Die Edeka Südwest etwa bereitet gerade eine Anwendung vor, die dem Verbraucher verrät, woher die regionalen Lebensmittel im Supermarkt stammen. Alle Produkte der Edeka-Eigenmarke „Unsere Heimat“ werden schon bald mit einem QR-Code auf der Verpackung bedruckt. „Der Verbraucher kann dann sehen, woher genau der Inhalt der Packung oder Flasche kommt“, sagt Edeka-Sprecher Christhard Deutscher. Das alles sukzessive ins Regal zu bekommen, ist eine echte Mammut-Aufgabe. In der regionalen Eigenmarke der Edeka gibt es rund 200 Produkte von mehr als 1000 Produzenten. Dem Verbraucher winkt jedoch ein echter Mehrwert. Er kann im Supermarkt bewusst und gezielt zu den Äpfeln seines Lieblingsbauern greifen.

In anderen Ländern geht die Nutzung sogar schon weiter. Der britische Einzelhändler Tesco betreibt in Südkorea mittlerweile 20 virtuelle Shops. An Bushaltestellen oder in U-Bahn-Stationen sind auf Plakatwänden ganze Supermarktregale angebracht – allerdings nur als Fotos. Neben jedem Artikel steht ein QR-Code. Fotografiert man diesen mit dem Handy, so liegt der Artikel im Warenkorb. Der Einkauf lässt sich bequem erledigen, während man auf den Bus oder die U-Bahn wartet.

„So weit wird es auf dem deutschen Markt vorerst nicht kommen“, sagt Moritz Zumpfort vom deutschen Handelskonzern Metro. Bei dem Tesco-Modell spielten eine Reihe von regionalen Besonderheiten mit rein. Zum Beispiel der exorbitante Preis von Ladenmieten in Korea. „In Deutschland gibt es doch an jeder Ecke einen Supermarkt. Da sind die Kunden sicher nicht bereit, zusätzlich zum Preis auch die Zustellgebühren zu zahlen“, schätzt Zumpfort. In Fernost jedoch ist das Modell ein Erfolg. Tesco hat gerade angekündigt, weitere virtuelle Shops zu eröffnen. Die passende App sei die meistgenutzte Shopping-App in Korea. Anfang Februar wurde sie bereits 900.000-mal runtergeladen. So sind in Deutschland eher andere Nutzen gefragt.

Der Wyhler Metallbauer Belle etwa nutzt die QR-Codes, um junge Menschen auf sich aufmerksam zu machen. In klassischen Print-Anzeigen wird neuerdings auch der QR-Code abgebildet. Scannt man diesen mit dem Smartphone, so gelangt man zur Facebook-Seite des Unternehmens, wo man sich dann für ein Gespräch im Betrieb anmelden kann.

Auch der Sulzburger Brandmeldehersteller Hekatron nutzt QR-Codes in der Werbung. Er verbindet die Codes mit Produktinformationen. Genauer: mit Auskünften über eine verlängerte Garantie. Alle Werbemittel des Unternehmens sind mittlerweile auch mit einem QR-Code ausgestattet, der dann zur Seite mit den geänderten Garantie-Bestimmungen führt.

Viele Firmen nutzen den QR-Code auch auf ihren Visitenkarten. Über die Abbildung auf dem klassischen Pappkärtchen werden dann wahlweise die Website des Unternehmens oder sogar die digitale Visitenkarte des Ansprechpartners verlinkt.

Andere Nutzungsformen wie etwa Videos sind noch umstritten, weil gerade Smartphones der ersten Generation bisweilen Probleme mit dem Abspielen der großen Videodateien haben. In diesem Fall wird aus der Eigenwerbung schnell ein Ärgernis. Auch dessen muss man sich bewusst sein, wenn man die QR-Codes als Marketing-Instrument einsetzt. QR-Codes als MMS sind sogar ein schlechter Witz. Bräuchte man zum Lesen doch das Kamerauge auf der Rückseite des Handys.
Eine alte Binsenweisheit aus dem Marketing können aber auch die QR-Codes nicht außer Kraft setzen: Ob’s was gebracht hat, erfährt man – wenn überhaupt – erst viel später.

Philipp Peters
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