10.01.2012 00:29 Uhr

Sunways stößt seine Keimzelle ab

Weitgehend unbemerkt hat der Konstanzer Solartechnikhersteller Sunways seine Fertigung am Bodensee verkauft. Dabei wurde damit die Keimzelle des Unternehmens abgestoßen. Warum hat die börsennotierte Gesellschaft nicht darüber informiert?

Zell-Produktion in Arnstedt (Thüringen): Die Fertigung in Konstanz ist Geschichte. Foto: PR

Konstanz. Selten stand ein Unternehmen dieser Größe so in der Öffentlichkeit wie Sunways an den ersten Tagen des neuen Jahres. Der verlustgeplagte Solartechnikhersteller aus Konstanz verkündet an Silvester den Einstieg eines chinesischen Großinvestors: Bis Ende Januar will der Photovoltaik-Riese LDK Solar über eine Kapitalerhöhung 33 Prozent an Sunways und im Anschluss sogar die Mehrheit der Aktien übernehmen.

Die Nachricht sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Doch sie enthält nur die halbe Wahrheit der Neuausrichtung des Konstanzer Solartechnikherstellers.

„Wir haben uns Gedanken über unser Geschäftsmodell gemacht“, sagt Sunways-Sprecher Harald Schäfer im Gespräch mit Econo. Das Unternehmen suchte einen Investor – der ist nun gefunden. Das Unternehmen versuchte aber auch, die Kosten zu senken. Das ist ebenfalls passiert – allerdings eher im Verborgenen.

In einem Interview mit dem „Südkurier“ erwähnt Sunways-Vorstandschef Michael Wilhelm vergangene Woche beiläufig, dass sein Unternehmen die Konstanzer Fertigung verkauft habe. Im Klartext: Sunways steht jetzt am Stammsitz ohne Produktion da. Der Solartechnikhersteller hat seine Keimzelle abgestoßen! Nach Unternehmensangaben hat der Verkauf nichts mit dem Einstieg von LDK zu tun. Beide Deals seien zufällig etwa zeitgleich unterschriftsreif gewesen, heißt es auf Econo-Anfrage.

Auf 16 Megawatt belief sich die Kapazität des Konstanzer Sunways-Werks. Damit war die Keimzelle sehr klein. Zuletzt hat das Unternehmen dort vor allem Spezialserien gefertigt. Komponenten für die Automobilindustrie etwa oder farbige Solarteile für architektonisch anspruchsvolle Bauprojekte.

Jetzt gehört das einstige Sunways-Herz den Investoren der 3D Solar AG, einem Schweizer Start-up mit Sitz in Weinfelden (Kanton Thurgau), das eigens für diese Übernahme gegründet wurde. Zu den Konditionen macht Sunways keine Angaben. Der Preis entspreche dem Buchwert der Anlagen, so Sprecher Schäfer. Das Gebäude sei nur gemietet gewesen. Einen Goodwill-Aufschlag, also zusätzliches Geld etwa für Markenrechte, habe Sunways nicht erhalten.

Doch eine Frage bleibt: Warum hat die börsennotierte Sunways AG zwar den Einstieg des chinesischen LDK-Konzerns, nicht aber den Verkauf der Konstanzer Fertigung öffentlich bekannt gegeben? Fiele der Vorgang unter die Ad-hoc-Pflicht, wäre das notwendig gewesen. Das Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet nämlich zur sofortigen Veröffentlichung von Tatsachen, die den Börsenkurs eines Unternehmens erheblich beeinflussen können.

Beim Übernahmeangebot von LDK war das zweifellos der Fall. Nachdem Sunways bekannt gegeben hatte, dass die Chinesen den Aktionären 1,90 Euro je Anteil anbieten wollen, schoss der Kurs augenblicklich auf diesen Wert nach oben. Im Fall des Werksverkaufs habe die Sunways AG das Ad-hoc-Kriterium dagegen nicht als erfüllt angesehen, heißt es aus Konstanz.

Mit dem Verkauf reduziert Sunways seine Produktionskapazität auf 100 Megawatt – das Unternehmen stellt jetzt nur noch im Werk Arnstadt (Thüringen) Solarzellen her. Der Schritt zur Kostensenkung war offenbar dringend notwendig: „Wir hätten im ersten Halbjahr 2012 Liquiditätsengpässe bekommen“, sagt Harald Schäfer.

Andreas Dörnfelder
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