VR Wirtschaftsdialog Hornberg 2010

"Sie sind Ihr Hirn"

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Zwischen den schönsten Schüsseln des Schwarzwalds, bei Duravit in Hornberg, fand der zweite von drei VR-Wirtschaftsdialogen in diesem Jahr statt. Und die rund 200 Gäste des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes wissen jetzt, dass Fernsehen blöd macht und das Gehirn das wichtigste Organ des menschlichen Körpers ist.

Der Key-Note-Speaker des Abends, Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, der wahrscheinlich renommierteste Hirnforscher Deutschlands, kommentiert das launig: "Ihr Gehirn ist das einzige Organ, bei dessen Transplantation sie lieber Empfänger als Spender sind". Das zeichnet Spitzer aus: Anstatt den Zeigefinger des promovierten, habilitierten und hochdekorierten Experten zu heben, formuliert kurz und knapp, mit präzisen Metaphern, knackigen, politisch gewagten Thesen. Seine Prämisse: "Hirnforschung ist nix anderes als Selbsterkenntnis." Und so nimmt Spitzer mit Tageslichtprojektor und Folien seine Zuhörer mit auf einen Crashkurs über das Gehirn.

"Sie haben kein Hirn", erklärt Spitzer, macht eine kurze Pause, grinst. "Sie sind Ihr Hirn." Ein Organ, das sein Leben lang lernt und das in Schuss gehalten werden muss. "Nervenzellen wachsen nach. Die Hirnforschung hat festgestellt, dass sie bei körperlicher Ertüchtigung genau da nachwachsen, wo sie vorher wegen zuviel Stress abgestorben sind." Weiterer Punkt, der Spitzer am Herzen liegt: das Lernen. "Wir lernen viel leichter mit positiven Emotionen" und "Unser Gehirn ist für das Lernen von Einzelheiten nicht gemacht" sind seine Hauptthesen. Kombiniert ergeben sie eine Generalkritik am deutschen Bildungssystem.

„Das System nimmt keine Rücksicht auf die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns.“ So lernten Kinder viel leichter mit positiven Emotionen. "Einem Baby können Sie den Spaß am Lernen nicht vergällen. Das kommt erst später. Da haben wir ganze Insitutionen, die dafür sorgen. Die nennen sich Schulen." Das Gehirn ist nicht geeignet für das Auswendiglernen von Einzelheiten und Fakten, die es hinterher sowieso wieder vergesse. "Unser Hirn ist kein Kassettenrecorder, kein Videorecorder. Unser Hirn ist auch keine Festplatte. Es ist viel besser." Das menschliche Gehirn lernt über Prinzipien, über Hintergründe, Erfahrungen und das Allgemeine. Schon ab dem siebten Monat lernen zum Beispiel Babys Grammatik. In den Schulen wird dieser Zusammenhang aber verkannt. "Da geht es nur um Einzelheiten. Die Hintergründe und die positiven Emotionen werden vergessen", so Spitzer. Das System kann funktionieren: Auswendiglernen unter Angst geht, siehe Biologie, wo es in der Schule nur um das Lernen von Einzelheiten gehe. In Mathematik, wo Kreativität gefragt ist, versagt das System. "Ich kenne Leute, die sind schlau und haben es in ihrem Leben zu etwas gebracht. Die verfallen in eine intellektuelle Totenstarre, wenn man ihnen eine mathematische Gleichung vorsetzt." Spitzer fordert daher: Positive Emotionen an Schulen fördern, erst dann lernen Kinder nicht nur für die Schule, sondern fürs Leben.

Spitzer ist der berühmteste Hirnforscher Deutschlands. Seine Bücher sind Bestseller, sogar auf die erste Seite der „Bild“ hat er es schon geschafft. Seine Thesen sind prägnant und provokant, vor allem auf das Bildungssystem und den Medienkonsum hat er sich eingeschossen. „Wir vermüllen die Gehirne der nächsten Generation. Ein Mensch hat bis zu seinem 18. Lebensjahr rund 200.000 Gewaltakte in den Medien gesehen. Das Gehirn hat da keine Chance.“

In Kürze geht es hier zur Bildergalerie mit den schönsten Fotos des Abends.

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