Die Sparkasse Schwarzwald-Baar, das Steinbeis-Transferzentrum und Econo haben ein Ziel: Innovative Firmen ins rechte Licht rücken
„Bei uns sind die Unternehmen sehr innovativ. Die machen oft vorzügliche Sachen auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Aber in der Öffentlichkeit sind sie zu wenig präsent“, sagt Professor Dr. Werner Bornholdt vom Transferzentrum der Steinbeis-Stiftung.
Zugleich ist er Leiter des Preiskomitees des Innovationspreises der Sparkasse Schwarzwald-Baar. Und da schließt sich für ihn der Kreis. Bornholdt: „Der Preis ist kein Bastlerwettbewerb! Wir klopfen bei den eingereichten Innovationen anhand eines Business Checks beispielsweise sehr genau ab, ob das Produkt auf dem Markt überhaupt eine Chance hat und ob der Vertrieb ausreichend bedacht wurde.“
In diesem Sinne ist für Bornholdt der Preis selbst ebenfalls schon ein Marketinginstrument: Die Preisträger werden in den Sparkassen-Hauptstellen der Öffentlichkeit präsentiert. Zudem ist ab diesem Jahr Econo der Medienpartner der Sparkasse Schwarzwald-Baar beim Innovationspreis: Im Magazin und im Internet wird es über die Preisträger eine breite Berichterstattung geben.
Beim Stichwort Marketing schüttelt auch Norbert Krütt, Geschäftsführer der Fela Leiterplattentechnik GmbH den Kopf: „Die Vermarktung fällt vielen Unternehmern schwer.“ Auch Krütt gibt zu, dass die gründliche „Durchleuchtung“ der Jury geholfen hat: Das Unternehmen war 1996 zusammen mit der Kundisch Elektronik GmbH & Co. KG der erste Sieger des Innovationspreises – und holte die Auszeichnung 2002 gleich noch einmal. Krütt: „Die Gespräche mit der Jury haben wichtige Impulse für Vertrieb und Marketing gegeben.“
Diese Impulse haben am Ende auch den Standort Schwenningen mit 130 Mitarbeitern gerettet: Die ausgezeichneten Spezialtastaturen und kontaktlosen Chipkartensysteme ersetzen Stück für Stück die herkömmliche Leiterplattenproduktion. Die gibt Krütt ins Ausland ab.
Für richtig innovativ hielt sich Siegfried Storz, Geschäftsführer der Karosseriebau Storz GmbH, auch nicht. Für den Eigenbedarf entwickelte er eine Zugeinrichtung für Karosserien, die ein Mann allein bedienen kann. Das revolutioniert den Werkstattbereich, ist doch das bisherige Verfahren viel aufwändiger. Das Steinbeis-Zentrum brachte ihn auf die Idee der Vermarktung. Storz: „In der Branche kommt es gut an.“ Als Belohnung für den Schritt gab es zum Innovationspreis die Goldmedaille der Erfindermesse Nürnberg.
Auch die Tec-Hro GbR von Armin Rothmund und Christoph Häßler erhielt den Innovationspreis: Die beiden entwickelten einen flexiblen Sportwaffen-Abzug für mehr Treffsicherheit. Und wurden von der Jury ebenfalls auf Marketingchancen angestupst. Rothmund: „Wir sind jetzt mit sechs Händlern im Gespräch, die unseren Abzug in den Katalog aufnehmen wollen.“
Bekanntheitsgrad ist ein anderes Stichwort im Zusammenhang mit dem Innovationspreis: „Man darf einen regionalen Preis nicht unterschätzen. Durch ihn sind viele Hochqualifizierte auf uns aufmerksam geworden“, beschreibt es Bernd Himmelsbach, Geschäftsführer | | 
Armin Rothmund (li.) und Christoph Häßler vermarkten nun offensiv ihren Abzug |
der
Microtech Systems GmbH, Preisträger 1999 und 1997 schon Sieger beim „Startup“-Gründerwettbewerb. Die Innovation mit Spezial-Schraubwerkzeugen war sogar so gut, dass der schwedische
Atlas Copco-Konzern die Schwenninger flugs übernommen hat.
Wobei die eigene Standortbestimmung durchaus auch Motivation für die Teilnahme am Innovationspreis sein kann – immerhin ist die
Hess Form + Licht GmbH in Sachen verschlepptem Marketing komplett unverdächtig. „Es ist gut auf dem Prüfstand einer fundierten Jury zu stehen. Denn nicht immer ist das, was man selbst für eine Innovation hält, auch wirklich eine“, formuliert es Marketingleiter
Peter Geilen. Für ihn trägt der Preis aufgrund der intensiven Arbeit des Preiskomitees seinen Namen zurecht.
Lob hin oder her. Professor Bornholdt verfolgt mit dem Innovationspreis im Sinne der Sparkasse nicht nur das Ziel, Unternehmen zu pushen. Ihm liegen zwei weitere Punkte ebenfalls am Herzen: Einerseits durch den Preis das Selbstverständnis der Region als Innovationsmotor fördern. Und andererseits allmählich aus den Preisträgern eine Art Netzwerk zu knüpfen. Bornholdt: „Dadurch können wir die Notwendigkeit der Kommunikation gut nach außen tragen.“
Ein Nachtrag zur Kommunikation: Die Recherche zu diesem Bericht gab einen tiefen Einblick in das Marketingverhalten einzelner Unternehmen. Unwirsche Sekretärinnen gehörten ebenso dazu wie ein Geschäftsführer, der trotz genauer Erklärung, dass es sich um einen redaktionellen Beitrag handele, mit den Worten den Höhrer auflegte: „Ich kaufe nichts!“
Dirk Werner