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Lahr , 01.04.10

Lizenz zum Fliegen

Die insolvente Investmentgesellschaft Babcock & Brown möchte ihren Flughafen in Lahr verkaufen. Im Interview mit Econo spricht Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller über die Chancen, die der Black Forest Airport hat.
Herr Dr. Müller, wissen Sie von Interessenten für den Black Forest Airport Lahr? Wenn ja, wer sind diese?

Wolfgang G. Müller: Wir wissen, dass es seit einiger Zeit Überlegungen bei Babcock & Brown (B&B) gibt, Mitgesellschafter zu gewinnen oder den Flughafen zu veräußern. Weder die Stadt Lahr, die IGZ GmbH noch der Zweckverband wird die Betreiberschaft übernehmen. Wir wissen von Interessenten, wenn auch nicht in Details, weil wir in gutem Kontakt stehen mit B&B. Wir haben auch selbst schon Interessenten vermittelt, mit denen wir Gespräche über mögliche Nutzungskonzeptionen im Zusammenhang mit Flächen des Business Parks geführt haben. Selbstverständlich gilt Vertraulichkeit und wir nennen von uns aus keine Namen. Nicht wir sind die Verhandlungspartner, sondern die Eigentümer und Interessenten.


Sehen Sie persönlich eine realistische Chance für den Flughafen Lahr?

Müller: Selbstverständlich! Sonst würde ich mich nicht unverändert stark engagieren. Man braucht einen langen Atem und ich kann den florierenden Flugbetrieb auch nicht für den Tag x vorhersagen. Gäbe es die Chance nicht, hätte im Übrigen auch B&B als Betreiber längst einen Schlussstrich gezogen, um die laufenden Kosten nicht weiter finanzieren zu müssen. Wir wissen aus einer Vielzahl von Kontakten mit Investoren sowie wirtschaftsnahen Verbänden und Einrichtungen, dass der flugaffine Bereich eine vielfältige Nischenstruktur hat und sich in der Zukunft weiter entwickeln wird. Nischenangebote, Cargo-, Europapark- und Geschäftsflüge haben auch auf Basis der bestehenden Lizenzen gute Zukunftschancen. Entscheidend wird sein, dass wir verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, aber auch, dass keine Zementierung der jetzigen Lizenzlage erfolgt. Entwicklungen müssen stattfinden können. Hier darf ich vor allem an die noch immer nicht vorliegende Zolllizenz erinnern. Es geht in der Tat um die Sicherung der Entwicklungschancen am Black Forest Airport & Business Park Lahr. Ich gehe davon aus, dass das gelingt.


Wie geht es nach einem Verkauf mit dem Flughafen weiter?

Müller: Ein etwaiger Verkauf ist im Grunde genommen kein einschneidendes Ereignis. Entscheidend ist eine marktorientierte und marktfähige Konzeption, die vom Betreiber entschieden umgesetzt werden muss. Hierbei gibt es viele Alternativen, manche öffentlich diskutiert, andere nicht. Einige Aspekte habe ich gerade ausgeführt.


Falls es nicht zum Verkauf kommt: Wie geht es dann weiter?

Müller: B&B hat angekündigt, dass es noch im laufenden Jahr zu Veränderungen in der Eigentümerstruktur kommen wird. Ob das ein Verkauf sein wird oder nicht, ist Spekulation, woran ich mich nicht beteilige.


Wie kann die Stadt Lahr zum Weiterbestehen des Flughafens beitragen?

Müller: Vielleicht wundert Sie meine Antwort, sie heißt: Weitermachen, wie bisher! Das heißt Fortsetzung der sehr aktiven politischen Begleitung, zur Schaffung und Aufrechterhaltung von verlässlichen Rahmenbedingungen (Fluglizenzen, Infrastruktur, Planungsrecht, Geländeverfügbarkeit). Diese politische Rolle spielen wir hier in der Region und darüber hinaus. Schließlich sprechen die meisten Menschen vom Flughafen Lahr! Wir betreiben dadurch aktive Promotion für den Flughafen. Dies tun wir seit Jahren mit hohem Einsatz. Und wir sind darüber hinaus die Hauptgesellschafter in der IGZ GmbH, die durch die Entwicklung und Vermarktung des angrenzenden Business Parks ebenfalls nachhaltig die Infrastruktur Flughafen als Standortfaktor bewirbt. In diesem Verbund leisten wir mit der Geschäftsführung und den anderen Kommunen eine anerkannt erfolgreiche und gute Arbeit. Diese setzen wir mit Elan fort.


Welche Auswirkungen hätte es auf die Stadt Lahr, wenn der Flughafen nicht weiter bestehen würde?

Müller: Ich gehe davon aus, dass der Flughafen weiter bestehen wird, weil seine Lage, die Verkehrsanbindung, die Landebahn sowie das gesamte Areal für Investoren das Land Baden-Württemberg und die Region, vor allem für die Unternehmen, attraktiv ist. Der Flughafen stellt einen Mehrwert dar beim weiteren Ausbau als Industrie- und Logistikstandort und selbstredend bei allen flugaffinen Nutzungsmöglichkeiten. Es ist ein Wettbewerbsvorteil in der Wachstumsbranche Verkehr und Logistik. Genau den gilt es, zu sichern. Der Verlust von Entwicklungschancen würde uns bei Einstellung des Flugbetriebs härter treffen als der unmittelbare wirtschaftliche Verlust. Die Existenz des Flughafens ist ein wichtiger Punkt bei der Standortentwicklung von Unternehmen.


Stände der Black Forest Airport heute besser da, wenn die Landesregierung den Flughafen so unterstützt hätte wie den Baden Airport?

Müller: Natürlich ist das so! Deswegen ist ein Vergleich bei der Entwicklung beider Flughäfen nicht sachgerecht. Etwas flapsig gesagt, der Baden Airport wurde kräftig mit Wachstumshormonen gepäppelt und durfte die Flügel ausschlagen. Lahr bekam die Flügel kupiert, aber dies hat verschiedene Gründe, die ich nicht allein dem Land zurechnen will. Es spielten in den Anfängen der Konversion auch regionale Widerstände in Lahr eine Rolle. Was ich vom Land erwarte, ist die Unterstützung für eine langfristige Entwicklung des Flughafens. Dazu gehören planungs- und genehmigungsrechtliche Fragen, aber auch die Zusammenarbeit bei der Vermarktung. Da sind wir auf sehr gutem Wege, ich darf nur an die Unterstützung von Wirtschaftsminister Pfister in Sachen Zolllizenz erinnern sowie seine Erklärung, dass der Lahrer Flughafen wichtig für das Land Baden-Württemberg ist. Es gibt nach den Lizenzturbulenzen vor einigen Jahren zwischenzeitlich auch einige Gründe, der Landesregierung für die Unterstützung zu danken, das will ich an dieser Stelle auch tun. In naher Zukunft wird die Haltung des Landes in Sachen Flughafenkonzeption in der Metropolregion Oberrhein sowie Fortschreibung des Generalverkehrsplanes wichtig werden. Hier hat das Land die Gelegenheit, die Weichen neu zu stellen.

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