Dossier

Zerspanungs-Institut Südwest


1 Kein trivialer Job

Zulieferer müssen künftig Produktsicherheitsbeauftragte vorweisen. Kleine und mittlere Unternehmen geraten das schnell an ihre Grenzen.

Foto: PR

Trossingen. Die Bezeichnung klingt sperrig: Produktsicherheitsbeauftragter (PSB) bei Lieferanten. Doch das sollte einen nicht vom Blick auf die Details abhalten. "Die Verantwortung wird damit in der Lieferkette weitergereicht", resümiert Alexander Gackowski, Vorstandsvorsitzender des Zerspanungsinstituts Südwest, (ZISW) die Entwicklung.

Konkret geht es um die Forderung des VW-Konzerns, jeder (!) Zulieferer müsse einen solchen Sicherheitsbeauftragten installieren. Mehr noch als der bekannte Qualitätssicherheitsbeauftragte ist die neue Stelle für alle Belange der Produktion verantwortlich: Das reicht von detallierten Kenntnissen über das jeweilige Produkt samt gesetzlichen Vorgaben bis hin zur Risikobewertung. Gackowski: "Das Unterfangen ist nicht trivial, da der Sicherheitsbeauftragte beispielweise Gesetzesänderungen in allen Ländern im Auge haben muss, in denen das gelieferte Teil zum Einsatz kommt." Hinzu kämen regelmäßige Überprüfungen internationaler Behördenportale zwecks präventiver Produktbeobachtung.

Wer sich nun vor Augen führt, dass hierbei tatsächlich jedes Bauteil gemeint ist und aufgrund der Strukturen in der Produktionskette oft gar nicht bekannt ist, wo welches Teil eingebaut wird, dann zeigt allein dieser Aspekt: Gerade kleine und mittlere Firmen stoßen hier schnell an Grenzen.

Noch ein weiteres Detail stellt eine Herausforderung dar: Für jede Produktionsstätte muss ein eigener PSB bestellt werden, der dann ständig während der Produktionszeit verfügbar sein muss - im Zweifel also rund um die Uhr. "Rechnet man dann noch Urlaubszeiten hinzu, erkennt man schnell: Der Personalbedarf für die neue Anforderung ist nicht zu unterschätzen", so Gackowski. Eine weitere Besonderheit: Es gibt keinen Stichtag. Sprich, wenn der Ernstfall mit einem beanstandeten Bauteil eintritt, dann will der Konzern den PSB ansprechen können. Egal ob in vier Wochen oder erst in fünf Jahren. Gackowski: "Daraus ergibt sich ein besonderer Handlungsdruck."

Das ZISW führt für die Mitglieder entsprechende Schulungen durch, um PSB rechtssicher in den Firmen zu verankern. Zudem wurde ein Arbeitskreis innerhalb der ZISW gegründet, welcher den aktiven Austausch und die Unterstützung der Firmen auf dem Weg der Implementierung des PSB untereinander fördert.  "Wir sind auch offen, wenn andere Unternehmen anfragen", so der Vorstandschef. Denn der Druck wird weiter zunehmen, ist sich Gackowski sicher: "Die ISO 9001 galt zunächst auch nur für den Automobilbereich, heute ist es der bracnhenübergreifende Standard." Und bei anderen Automobilkonzernen laufen Vorbereitungen, ebenfalls Produktsicherheitsbeauftragte einzufordern - nur heißen die dann eben anders.

2 Mehrwert schaffen

Das Zerspanungs-Institut Südwest hat eine Aufgabe: das Können der bislang zwölf Gesellschafter sinnvoll bündeln.

Foto: ZISW

In einem Satz gesagt: Was ist die Aufgabe des ZerspanungsInstituts Südwest, kurz ZISW?
Alexander Gackowski: Das ZISW realisiert Synergieeffekte zwischen den Gesellschafterfirmen mit dem ganz klaren Ziel: gemeinsam Mehrwerte schaffen.

Das Institut ist damit mehr als ein Netzwerk?
?Gackowski: Auf jeden Fall. Ein wesentlicher Punkt ist die Förderung des gegenseitigen Erfahrungs- und Wissensaustauschs, aber auch die Fortbildungen für die Mitarbeiter der Gesellschafterfirmen. Die Bündelung der Hauptkompetenzen der Gesellschafterfirmen ist ebenso ein wesentlicher Bereich der Zusammenarbeit.

Sind weitere Mitglieder willkommen?
Bernd Spreitzer: Wir sind weiteren Gesellschaftern gegenüber generell aufgeschlossen und freuen uns auf deren Kontaktaufnahme. Wichtig ist für uns dabei aber, dass die potenziellen neuen Gesellschafter unsere gemeinschaftlichen Ideale teilen und sich auch aktiv an der Realisierung gemeinsamer Mehrwerte beteiligen wollen.

Das ZISW firmiert in der Rechtsform einer AG, warum wurde diese Form gewählt?
?Wolfgang Weber: Die Rechtsform der Aktiengesellschaft ermöglicht es uns, relativ unkompliziert neue Gesellschafter aufzunehmen und in das Tagesgeschäft des ZISW zu integrieren. Zudem liefert das Aktiengesetz wichtige Spielregeln für die zielführende Zusammenarbeit innerhalb des ZISW.

Bislang gab es eine Reihe von Exkursionen mit unterschiedlichen Ausrichtungen vom Besuch bei Entsorgungsunternehmen bis zu Mitgliedsunternehmen. Was ist die Intention dieser "Ausflüge"?
Spreitzer: Zum einen haben wir vor Jahresfrist die Gesellschafterbesuchsreihe für gegenseitige Besuche ins Leben gerufen, um sich selbst und die Firmen besser kennenzulernen. Die von Ihnen erwähnten Besuche bei diversen Entsorgungsunternehmen dienten der intensiven Projektarbeit für einen der insgesamt fünf Arbeitskreise des ZISW.

Das ZISW befindet sich derzeit noch im Aufbau. Was sind die nächsten Pläne?
Weber: Nachdem wir einen gemeinsamen Strategieprozess durchgeführt haben und die Anzahl der Gesellschafterfirmen seit der Gründung der Aktiengesellschaft von acht auf aktuell zwölf erhöhen konnten, beschäftigen wir uns nun in verschiedenen Arbeitskreisen mit der Umsetzung der erarbeiteten Strategiepunkte. Wie bereits eingangs erwähnt, ist es unser gemeinsames Ziel, die Einzelkompetenzen der Gesellschafterfirmen im Rahmen des ZISW zu bündeln und neue Formen der Kooperation zu finden.

Wo steht das Institut in fünf Jahren, in zehn Jahren?
?Spreitzer: Wir wollen der kompetente Ansprechpartner für die produzierenden Unternehmen der Region sein.

Wird es in diesem Zeitraum vor dem Hintergrund additiver Fertigungsverfahren überhaupt noch Zerspanung in der bekannten Form geben?
Weber: Auf jeden Fall. Konventionelle Bauteile werden künftig nach wie vor auf herkömmliche Weise hergestellt werden. Die additiven Fertigungsverfahren werden die bisherigen Herstellungsmethoden im Bereich komplexer Bauteilgeometrien ergänzen. Die Kombination aus beiden Welten wird - wie so oft - der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wie geht das Institut mit diesem für die bestehende Branche äußerst disruptiven Verfahren um? Gackowski: Absolut aufgeschlossen. Wir sind erst in den letzten Tagen aufgrund einer Anfrage bei einer Gesellschafterfirma netzwerkseitig aktiv geworden und werden im Herbst weitere Gespräche mit Fachleuten additiver Fertigungsverfahren führen.

Auffallend ist: Spricht man mit Vertretern der "alten" Zerspaner-Welt, dann werden additive Verfahren belächelt. Namhafte Vertreter von Institutionen ärgern sich gar über eine Borniertheit der Zerspaner der "neuen" Welt gegenüber?... Verschläft die Branche abgesehen von einzelnen Unternehmen den Technologiewandel?
Weber: Das lässt sich nicht pauschal sagen. Additive Fertigung hat derzeit noch eine relativ unattraktive Kosten-Nutzen-­Bilanz. Dies kann sich in Zukunft aber durchaus ändern.

Das ZISW arbeitet auch als eine Art Technik-Scout für die Mitgliedsunternehmen?
Spreitzer: In ausgewählten Bereichen sind wir auch hier aktiv. Unsere Tätigkeit richtet sich ganz klar nach den Anforderungen des Tagesgeschäfts unserer Gesellschafterfirmen.

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