Dossier

Gründer-Szene


1 Sylents überzeugt Funke-Jury

Freiburger Start-up setzt sich bei Wettbewerb durch

Foto: privat

Freiburg. Mit einem Elektromotor für Boote und den Wassersport hat das Freiburger Start-up Sylents sich im Gründerwettbewerb der Funke-Unternehmensgruppe aus Teningen durchgesetzt. Das junge Unternehmen darf nun auf eine Förderung von bis zu 50.000 Euro hoffen. 

Sylents hat einen elektrischen Antrieb entwickelt, der auch auf dem Wasser läuft. Einen Jetski mit am Markt verfügbaren Komponenten zu elektrifizieren, sei de facto unmöglich. „Mit dieser Effizienzausbeute lässt sich abgesehen von großen, langsamen Elektrobooten maximal ein Surfbrett aufrüsten“, erklärt  Hilmar Unterrainer, einer der Sylents-Gründer (im Fotos rechts). Damit auch ein Jetski elektrisch funktionieren kann, entwickelte er gemeinsam mit Hans Waldherr (links) und Martin Reimann (nicht im Bild) einen völlig neuen Antrieb, inklusive eines zum Patent angemeldeten Pumpensystems sowie einer speziellen Schiffsschraube, die zum Beispiel gegen Seegras immun sein soll.

Mit der Entwicklung, die unter anderem auf ein Schraubenzentrifugalrad setzt und die erforderliche Kühlung über den im Ansaugkanal integrierten Motor löst, soll der derzeitige Wirkungsgrad vergleichbarer Benzinmotoren von 20 auf 70 Prozent erhöht werden. Das könne die Akku-Laufzeit bei Jetskis auf zwei Stunden versechsfachen.

Durch die Funke-Förderung bekommt Sylents nun frischen Wind unter den Segeln. Schon im Früjahr soll dann der Prototyp des Motors fertig sein. Bis zur Marktreife wird es aber noch ein wenig dauern. Klappt alles wie geplant, sei eine Anwendung auch für Außenbord-Motoren oder in der Schifffahrt denkbar. Weltweit sei das ein milliardenschwerer Markt. So könnte sich das Projekt nicht nur für die drei Gründer, sondern auch für Funke lohnen.




2 Auszeichnung für Visioverdis

Fassadenbegrüner erhält Landespreis der KfW

Foto: Visioverdis

Stuttgart. Im Start-Up-Wettbewerb der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat der Fassadenbegrüner Visioverdis den Sieg in Baden-Württemberg eingefahren. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Visioverdis hat nun die Chance, sich im Bundeswettbewerb durchzusetzen und so weitere 5000 Euro Preisgeld einzustreichen.

Visioverdis hat Pflanzen entwickelt, mit denen Gebäudefassade und auch Wände im Inneren begrünt werden können. Die horizontal wachsend Graviplant oder das Gebäudekonzept Skyfey zählen zu den Erfindungen der Stuttgarter.

Das Unternehmen wurde im Februar 2017 aus einem Forschungsprojekt der Uni Hohenheim ausgegründet. Heute ist die Firma in Stuttgart zu Hause.



3 Finanzspritze für Geospin

Freiburger Start-up erhält Millionenbetrag

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Freiburg. Interne Unternehmensdaten mit externen Geodaten verknüpfen: Die Software des Start-ups Geospin analysiert, wann und wo Produkte oder Dienstleistungen besonders stark nachgefragt sind. Potenzielle Kunden von Geospin sind insbesondere Unternehmen, aber auch Kommunen und öffentliche Einrichtungen.

Nun erhält die Ausgründung der Wirtschaftsinformatik der Universität Freiburg eine Seed-Finanzierung: Der High-Tech Gründerfonds und die Thüga Aktiengesellschaft, eine Beteiligungs- und Fachberatungsgesellschaft mit kommunaler Verankerung, investieren in Geospin einen siebenstelligen Betrag. Die genaue Höhe des Invests wird nicht genannt.

Die Software von Geospin verbindet betriebsinterne Daten der Kunden mit mehr als 700 externen Umgebungsinformationen – etwa zu Wetter, Verkehr, Bevölkerung, Nachrichten in sozialen Medien oder Points of Interest wie Kinos, Restaurants oder öffentliche Einrichtungen. Zur Auswertung verwendet das Start-up spezialisierte Machine- und Deep-Learning-Methoden.

„Mit unserer Software ist es erstmals möglich, die versteckten Strukturen und Dynamiken einer Stadt zu analysieren. Diese Erkenntnisse können wir schließlich Unternehmen oder Städten zur strategischen und operativen Entscheidungsfindung zugänglich machen“, erklärt Sebastian Wagner, Gründer und Geschäftsführer. Anwendungsfelder sind Sektoren wie Mobilität, Energie oder Smart Cities.

4 Smoope wil Einfaches sicher machen

Das Stuttgarter Startup bietet eine Business-Alternative zu Whats App – und hofft damit auf den Durchbruch

Foto: oh

Stuttgart. Technologie-Startups haben häufig einfache Namen, die jeder aussprechen kann, und die man aufschreiben kann, wenn man sie einmal gehört hat. Bei Smoope – mit E am Ende – ist das nicht anders. Nur die Namen der beiden Unternehmer sind echte Zungenbrecher: Halil Mandal und – jetzt kommt's: Eleftherios Hatziioannou heißen die Erfinder des Messaging-Dienstes für Unternehmenskunden. Beide sind tatsächlich schwäbische Tüftler, schwätzen mit mildem Dialekt und schwärmen von der Innovationskraft im „Neckar Valley“.

Smoope wurde vor fünf Jahren in Stuttgart gegründet. Geplant war eine Messenger-App für Mobilfunk-Händler. Mittlerweile ist daraus ein Tool geworden, das Firmen in ihre Kundenkommunikation einbinden können. Als eigenständige App, Element auf der Website oder über mobile Dienste. Es gibt auch eine Smoope-App, aber die „ist nur ein Nebenprodukt unserer Messaging-Infrastruktur“, betont Mandal. „Sie ist für kleine Unternehmen gedacht und wird gerne für Pilotprojekte und Tests genutzt.“

Der Mehrwert, den Smoope seinen Kunden verspricht, besteht aus zwei Komponenten: Einfachheit und Sicherheit. Natürlich kann man Kundenkommunikation per Telefon-Hotline oder per E-Mail lösen. Doch die E-Mail ist vielen jungen Nutzern schon zu kompliziert. Und am Telefon kann ein Mitarbeiter immer nur einen Kunden zurzeit betreuen. Im Messenging kann der Berater mehrere Gespräche parallel führen – ohne dass der Kunde es merkt. Doch wer sich hier dem Marktführer Whats App anvertraut, der schließt einen Pakt mit Facebook. Denn Whats App ist seit 2014 Teil des Social-Media-Konzerns aus Kalifornien.

Den Weg zum Erfolg führt Smoope daher über Branchen, die viele Kundenkontakte haben und zudem einen großen Wert auf Sicherheit in der Kommunikation legen. Banken und Versicherungen etwa, die schon gesetzlich nicht daran interessiert sind, ihre Kundenkommunikation über eine nicht gesicherte Cloud abzuwickeln.

Auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch wirbt Smoope gerade um Investoren. Eine halbe Million Euro soll bis Anfang Juni eingesammelt werden, um den Vertrieb zu professionalisieren. Wie bei einem Startup nicht unüblich, gibt es nicht sofort eine Aussicht auf Rendite. Mit ersten Gewinnen rechnet Smoope in zwei Jahren.

Doch weil Datenschutz auch im Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt, hofft Smoope auf frische Impulse. Die aktuellen Entwicklungen bestätigen diese Erwartung. „Allein im ersten Quartal haben wir die Hälfte des letztjährigen Jahresumsatzes vertraglich gesichert“, sagt Mandal. Die Kunden werden zudem länger an Smoope gebunden.

Und Eleftherios Hatziioannou ergänzt: „Es wird nach wie vor noch zu viel Zeit in Warteschleifen verschwendet. Das werden wir ändern!“ Und Smoope soll nicht nur bei der externen Kommunikation helfen. „Die Lösung kann auch für die interne Kommunikation und Abstimmung genutzt werden“, erklärt  Hatziioannou. So kann ein Service-Mitarbeiter eingehende Anfragen bearbeiten und sich aus dem Tool heraus mit seinen Kollegen abstimmen.








5 Wertschätzung für Freiburger Gründer

Das Trio von Ondosense hat eins der begehrten Exist-Stipendien erhalten

Foto: Jürgen Gocke

Freiburg. Ondosense, ein Gründungsvorhaben von der Uni Freiburg, hat eins der begehrten Exist-Gründerstipendium erhalten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, der Europäische Sozialfonds und die Europäische Union fördern die drei Freiburger Ingenieure Mathias Klenner, Bernhard Schöne-Remmeau und Axel Hülsmann mit 139.000 Euro. Mit dem Geld soll ein Sensorsystem bis zur Marktreife entwickelt, das Objekte erfassen und vermessen kann.


Industrieunternehmen müssen in der Produktion Objekte und deren jeweilige Position exakt erfassen und vermessen. Hierfür setzen sie derzeit, neben optischen Methoden wie Laser, auch Ultraschall oder Röntgenstrahlung ein. Diese Technologien sind insbesondere unter anspruchsvollen Umgebungsbedingungen wie Staubaufwirbelungen, Wasserdampf, Streulicht oder Schmutz fehleranfällig. Günstige Sensoren, die auf diesen Techniken basieren, versagen deshalb in vielen Produktionsbereichen.

Ondosense setzt daher auf ein Radar-Messsysteme. Es ist eine Alternative, da Aerosole oder Staub- und Schmutzpartikel keinen signifikanten Einfluss auf das Radarsignal haben. Ondosense will ein solches Messsystem entwickeln, das Distanzen misst, Objekte erfasst und Materialien analysiert. Als Basis für das Gründungsvorhaben dient ein Radar-System, dass die Gruppe Mikroelektronik Systeme des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik in Freiburg entwickelt hat. Dieses erlaubt unter Laborbedingungen Messungen mit einer Genauigkeit von bis zu 250 Nanometer. Eine derartige Präzision war bisher optischen und radiometrischen Messmethoden vorbehalten.

6 Ello soll in Serie gehen

Ein Stuttgarter Start-up sammelt Geld für seinen elektrischen Rollator ein

Foto: oh

Stuttgart. E-Movements heißt die junge Stuttgarter Firma, die mit ihrem Produkt den Markt für medzinische Alltagshilfen entstauben will – mit einem elektrischen Rollator. „Ello“ nennen sie die batteriebetriebene Gehhilfe, die man bereits bestellen kann.

Um in die Serienfertigung einzusteigen, fehlt dem Gründerteam Max Keßler, Benjamin Rudolph und Matthias Geertsema (v.l.) aber noch Kapital. Eine halbe Million Euro wollen die drei nun über den Crowdfunding-Dienst Seedmatch einsammeln.

Die Idee dazu kam einem der Gründer, Max Keßler, weil die Oma eines Freundes von der Schwäbischen Alb Probleme hatte, ihre Einkäufe den Berg hochzutragen. Ello fährt selbst und bremst auch beim Weg nach unten. Die Steuerung erfolgt über einen einfachen Handgriff, ähnlich der Handbremse eines Fahrrads, nur dass man hier eben auch beschleunigen kann.

42 Ellos habe man bereits mit der Unterstützung von 30 Sanitätshäusern im deutschsprachigen Raum verkauft, so E-Movements. Seit etwa einem halben Jahr gibt es die E-Rollatoren zu kaufen. Sie kosten knapp 3000 Euro. Damit ist der Ello noch ein echtes Luxusprodukt. Einfache, manuell betriebene Geräte gibt es für weniger als 100 Euro.

Die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel wolle man weiter ausbauen. Klappt die Finanzierung, soll die Serienproduktion bereits im April anlaufen.




7 Pforzheimer Gründerteams bekommen Geld

Die Start-up-Teams entwickeln ein Exoskelett sowie einen teilautonomen Transportroboter. Das Ziel: Arbeit vereinfachen und Menschen mit Handicap unterstützen

Foto: PR

Pforzheim. Gleich zwei Start-up-Projekte der Hochschule Pforzheim waren in den vergangenen Wochen erfolgreich beim Einwerben neuer Fördermittel. Das teilte die Hochschule mit. Den Anfang machte das Start-up Hunic, das ein Exist-Gründerstipendium aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) einwerben konnte. Das Start-up Varomo mit ihrem fahrbaren Transporttisch "Carecules" wird wiederum vom Förderprogramm Junge Innovatoren des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) unterstützt.

Das Team von Hunic, bestehend aus den Gründern Jonas Mast, Joshua Burghardt und Michael Fath, hat ein spezielles Soft-Exoskelett entwickelt, welches die Träger passiv bei (Arbeits-)Tätigkeiten und Prozessen mit hoher physischer Belastung unterstützt. Die direkt am Körper getragene Stützstruktur hilft Muskel-Skelett-Erkrankungen zu reduzieren und wirkt dadurch Gesundheitsschäden und Arbeitsausfällen präventiv entgegen. Begleitet wird das Team bei dem Vorhaben von Professor Jörg Woidasky aus dem Bereich Nachhaltige Produktentwicklung an der Fakultät für Technik.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz, der D-A-CH Region, leiden geschätzt 20 Millionen Menschen temporär oder dauerhaft an einer Einschränkung beim Gehen beziehungsweise haben Probleme beim Transport alltäglicher Gegenstände im häuslichen Umfeld. Der Transporttisch "Carecules" unterstützt diese Menschen in ihrer Selbständigkeit im Alltag. Der teilautonome Transportroboter folgt mit Hilfe eines Senders seinem Nutzer und transportiert für ihn erschütterungsarm dessen Gegenstände. Die Varomo-Gründer Thomas Link, Philipp Pfundstein und Karl-Bang Gottlebe wurden im vergangenen Jahr im Rahmen eines Exist-Gründerstipendiums gefördert. Mit Hilfe der weiteren Unterstützung können sie ihre bisher erfolgreiche Entwicklungsarbeit weiter vertiefen. Als Mentoren der Hochschule Pforzheim stehen dem Team Claus Lang-Koetz, Professor für Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement, sowie Andrea Wechsler, Prorektorin der Hochschule und Professorin für Wirtschaftsprivatrecht, beratend zur Seite.

Beide Teams erhalten durch die Programmförderungen einen Beitrag zur Sicherung ihres Lebensunterhalts während sie ihre innovativen Produktideen zur Marktreife voranbringen. Dabei werden sie durch ein praxisnahes Coaching begleitet und können auf die Infrastruktur der Hochschule zurückgreifen. Die Teams werden insbesondere durch das "Gründerwerk – Zentrum für Unternehmensgründung der Hochschule Pforzheim" unterstützt.

8 Road-Ads Interactive gewinnt

Das Start-up will die Fahrzeugwerbung revolutionieren und setzt sich beim 7. Venture Capitel-Pitch "Best of Baden-Württemberg" durch

Foto: PR

Stuttgart. Unter dem Motto "Best of Baden-Württemberg" stellten die innovativsten High-Tech-Gründer des Bundeslandes bei der siebten Ausgabe des Venture Capital-Pitches in der Stuttgarter L-Bank Rotunde rund 200 Gästen aus dem deutschsprachigen Raum ihre Geschäftskonzepte vor. Unter den pitchenden Start-ups wählte das Publikum seine Favoriten.

Das Rennen um den ersten Platz machte Road-Ads Interactive. Als erstes Unternehmen weltweit bietet das Start-up aus Mannheim digitale Fahrzeugwerbung in Echtzeit an. Das Konzept, das Heck von Lastwagen durch die Anbringung von E-Paper Displays als Werbefläche zu nutzen, überzeugte das aus ausgewählten Investoren, Business Angels und Wirtschaftsförderern bestehende Publikum.

Den zweiten Platz auf dem Siegerpodest sicherte sich die Tolerogenixx, die über eine patentierte Technologie verfügt, mit der unerwünschte Abwehrreaktionen des Immunsystems gezielt abgeschaltet werden können. Der dritte Platz ging an die Binando, die eine Logistikoptimierung für die Abfallwirtschaft anbietet.

Veranstalter des 7. VC-Pitches sind VC-BW, die Gründungs-Initiative von Stuttgart Financial, sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. Ziel der Veranstaltung ist es, regionale, nationale und internationale Investoren mit jungen, besonders innovativen und wachstumsstarken Unternehmen aus Baden-Württemberg zusammenzubringen. Auf diese Weise bekommen Financiers auch über die Landesgrenzen hinaus einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen und den Erfindungsreichtum in Baden-Württemberg.

"Die Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg sind bestens, damit aus jungen Start-ups erfolgreiche Unternehmen heranwachsen: Hier gibt es eine Vielzahl an Netzwerken, die Gründer mit unterschiedlichsten Dienstleistungen bei den ersten Schritten unterstützen, attraktive Förderprogramme und zahlreiche finanzkräftige, innovationsorientierte Risikokapitalgeber", sagt Marc Mehlhorn, Leiter von Stuttgart Financial. "Beim VC-Pitch möchten wir den besten Start-ups des Landes die Chance geben, sich mit Geldgebern zu vernetzen."

Dass dies auch langfristig Früchte tragen kann, zeigt die millionenschwere Anschubfinanzierung, die der Vorjahressieger Otego aus Karlsruhe kurz vor dem diesjährigen VC-Pitch erhalten hat.

"Ein wesentlicher Beitrag zur professionellen Förderung von Start-ups sind die sogenannten Start-up-Acceleratoren, die junge Unternehmen in der kritischen Frühphase begleiten und so dazu beitragen, dass diese ihre Geschäftsmodelle schnell an den Markt heranführen können. Sieben solcher Start-up-Acceleratoren mit unterschiedlicher technologischer Ausrichtung werden derzeit in Baden-Württemberg von uns gefördert", so Hans-Joachim Hauser, Abteilungsleiter Mittelstand im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. "Start-ups bringen vieles mit, was Erfolg mit neuen Technologien, Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen ermöglicht. Was ihnen aber oft fehlt ist das Geld." An dieser Stelle gebe es noch immer gewisse Defizite, sodass dort angesetzt werden müsse. Aber auch wenn das Land vieles unternehme, um Start-ups zu unterstützen, könne und wolle man das Engagement privater Investoren nicht ersetzen oder gar verdrängen, so Hauser weiter.

Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, unterstrich, dass viele der leistungsstarken jungen High-Tech-Unternehmen im Visier internationaler Finanzinvestoren seien. "Dem ein ordentliches Pfund entgegenzusetzen, damit unsere Technologie-Unternehmen nicht bei nur bei ausländischen Kapitalgebern landen, ist für uns einer der Gründe, sich im VC-Segment zu engagieren", so Nawrath. "Mit unserem Einsatz tragen wir dazu bei, dass unsere heimischen High-Tech-Potentials auch durch Wagniskapital made in Baden-Württemberg unterstützt werden. Der von unserer Landesregierung und uns initiierte LEA Venturepartner Fonds ist hierfür ein ambitioniertes Signal auf dem Weg zu einem durchgängigen baden-württembergischen VC-Ökosystem."

9 Sascha, Uschi und Klaus

Mit einem stilechten Barbershop feiert Sascha Mozdzierz Erfolge, ausgerechnet in Nagold. Doch das Konzept geht weit über das Haareschneiden für Männer hinaus – und steht jetzt vor dem Härtetest.

Foto: Klaus Barbershop

Dem Betrachter vor dem Schaufenster springen auf Augenhöhe regelrecht die Jeans-behosten Hintern ins Auge, die Ketten der Geldbeutel klackern an die Scheibe. Es sind die Rückseiten von Männern und es hat mit der Enge im Innern des Ladengeschäfts zu tun: "Klaus Barbershop" hat an diesem Dienstag erst vor wenigen Minuten geöffnet, da drängeln sich bereits mehr als ein gutes Dutzend Kunden auf den kaum 30 Quadratmetern rund um drei Friseurstühle und den Tresen.

Aus den Lautsprechern drückt Rock'n'Roll, authentischer Rock'n'Roll! Die Luft wird dominiert von schweren, männlichen Gerüchen; Opas Pomade kommt einem in den Sinn. Das Ambiente vom Handwerkszeuge über die Ausstattung, den Tuben bis hin zu den Tigeln und nicht zuletzt die Barbiere könnten direkt aus einem Manufaktum-Katalog stammen.

All diese Klischees - Sascha Mozdzierz lächelt: "Es ist eben einer der wenigen stillechten Oldschool-Barbershops bundesweit." Ein Hardcore-Barbershop im Retro-Design ausschließlich (!) für Männer, Ende August 2015 aus einer Bierlaune heraus eröffnet. Ausgerechnet im pietistischen Nagold und mit einem Kundenkreis bis hinauf nach Frankfurt. Das Grinsen von Mozdzierz wird immer breiter, während er die Eckdaten seines Geschäfts erläutert.

Um all das besser einordnen zu können, muss man ein wenig zurückblicken. Der 30-jährige Mozdzierz stammt aus einer Friseurfamilie: "Meine Mutter hatte einen klassischen Dorffriseur." Er ist das, was man gemeinhin die Keimzelle nennt. Denn Sohn Sascha studiert zwar in Stuttgart Marketing, macht seinen Bachelor - "aber es hat mich gereizt, etwas abseits des klassischen Friseurladens zu machen." Da man dafür einen Meister braucht, sattelt er den neben dem Stu­dium mal eben obendrauf. Was noch fehlt ist dieses "Abseitige".

Beim Blick in den Salon der Mutter wird ihm schlagartig klar: "Die Tradition der 'echten' Herrenfriseure ist bei uns in Deutschland irgendwie nach den 1950er-Jahren verloren gegangen. Seitdem dominiert die Dauerwelle die Branche." Damit ist das Thema klar: Ein Herrenfriseur soll es werden. "Aber eben ein klassischer Barbershop", so Mozdzierz und erläutert bis in die Verästelungen die Unterschiede zwischen orientalischen Haarschneidekünstlern und Barbieren. Ohnehin wichtig: "Es werden keine Haare gewaschen und eine Kopfmassage gibt es schon gar nicht."

Um das Geheimnis der Barbershops zu studieren, macht sich der passionierte Backpacker Mozdzierz zur Rundreise auf. Amsterdam, Berlin, ja, selbst in Vietnam wird er fündig. Nach der Rückkehr schlägt ihm indes Skepsis entgegen: "Ich wurde regelrecht ausgelacht!" Ihn spornt das an. Mit einem befreundeten Architekten feilt er am Konzept, findet in einem kleinen, leicht abgeranzten ("perfekten!") Eckhaus zwischen Schischa-Bar und Parkhaus unweit von Nagolds Altstadt ein Ladengeschäft. Er stellt drei passionierte Barbiere ein - zwei stilecht tätowierte, bärtige Männer und eine Frau (die einzige, die in den Laden darf!) - und legt los. Der Rest ist purer Erfolg.

Für "Klaus" gibt es Auszeichnungen und die Kunden vom älteren Herrn bis zum Rockabilly warten klaglos auch viereinhalb Stunden auf Haarschnitt und Bartstyling. Kein Problem, schließlich ist das Bier kalt, die Musik stilvoll und die Gespräche sind mannhaft. Schöne Story so weit. Doch der Barträger Mozdzierz hätte Marketing umsonst studiert, wäre sie an dieser Stelle bereits zu Ende.

So gehört zu "Klaus" ein Pop-up-Barbershop, den Kunden für Veranstaltungen mieten können. "Für den Bekleidungshersteller Digel hatten wir schon 45 Einsätze." Mit "Ruderknecht" etabliert er eine eigene Pflegelinie für Haar und Bart, natürlich für Männer und bei Schupp in Freudenstadt hergestellt. Daneben hat er Mutters Friseurladen neu aufgestellt: "Uschi" ist ein Konzeptsalon mit Standorten in Nagold sowie Rottenburg, rund 30 Mitarbeitern und einer Ausstattung, die nichts mit dem landläufigen Friseurladen gemein hat - aber nicht minder erfolgreich ist wie der Bruder "Klaus".

Für eben diesen Laden hat Mozdzierz einen neuen Standort ergattert. Eine 1-a-Lage direkt am Eingang zur Innenstadt, ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1680 mit massiven Balken. Monatelang hat das Team an der Ausstattung gearbeitet, die Au­thentizität des kleinen "Klaus" auf das nun deutlich größere Geschäft übertragen. "Jetzt werden unsere Kunden direkt auf die Nagolder treffen", freut sich Mozdzierz ehrlich auf die Reaktionen. Denn er hat noch weitere, für den stationären Handel wegweisende Ideen in der Schublade. Der große "Klaus" ist dafür auch ein Test, ein besonders stilvoller.

10 Der Pakadoo

Markus Ziegler hat einen Chef-Posten beim Logistiker LGI. Dennoch treibt er ein Start-up für den Paketversand voran. Für ihn das ideale Vorgehen, um auf den Druck der Digitalisierung zu reagieren.

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Kris Van Lanckers ist genervt. Mit schöner Regelmäßigkeit steht er in seiner freien Zeit bei Paketshops jedweder Coleur Schlange. Klar, wenn der Postbote klingelt, dann ist Van Lanckers bei der Arbeit, der Bote hinterlässt einen Zettel, das Gerenne beginnt.

Zufällig bekommt Markus Ziegler die Genervtheit seines Mitarbeiters mit. Doch anstatt mitleidig zu lächeln, beginnt es im Hinterkopf des Informatikers zu arbeiten: Genervte Mitarbeiter bedeuten einen Verlust an Produktivität. Und wenn es einem Mitarbeiter mit dessen Paketen so geht, wie ist es bei den Kollegen? Und bei den Mitarbeitern anderer Unternehmen? Ziegler tauscht sich im Team zu seinen Überlegungen aus.

Zack! Das Team hat ein Geschäftsmodell: Die Idee von Pakadoo ward geboren.

Dazu muss man wissen: Ziegler verantwortet als Geschäftsführer unter anderem den IT-Bereich der LGI Logistics Group International in Herrenberg. Das 1995 als Ausgründung der Hewlett Packard Deutschland gegründete Unternehmen zählt heute mit 4000 Mitarbeitern, einem Umsatz von 430 Millionen Euro und 45 Standorten weltweit zu den zehn führenden Kontraktlogistikern in Deutschland. Ziegler: "Bei einem unserer Services, dem Austausch defekter Hardware-Produkte, stehen wir vor demselben Problem: Es ist für uns immer schwieriger, die Kunden privat zu Hause anzutreffen."

Für den CIO liegt genau an diesem Punkt die Herausforderung vor allem für etablierte Unternehmen: Aus dem eigenen täglichen Tun in Verbindung mit persönlichen Erfahrungen und unterlegt mit Studien einen Wandel im Geschäftsmodell zu vollziehen. Oder eben gleich ein Start-up zu gründen. "Der Mangel an Geschwindigkeit und Flexibilität sind Faktoren, die Traditionsunternehmen daran hindern, schnell innovative Lösungen hervorzubringen und umzusetzen", so die Einschätzung des LGI-Verantwortlichen. Dabei würden durch die Digitalisierung Marktstrukturen stetig aufgebrochen und Neulinge machten sich daran, Etablierten erschlossene Märkte streitig zu machen. Agieren ist das Gebot der Stunde, bevor man reagieren muss.

Bei Pakadoo kamen besagte drei Faktoren zusammen: Erstens hatte man bei LGI die Erfahrungen mit der Erreichbarkeit der Privatleute gemacht. Zweitens gab es den genervten Van Lanckers. Und drittens: "Das rasante Wachstum des Online-Handels wird das Problem noch verstärken", so Ziegler.

Doch wie führt Pakadoo diese Faktoren nun zusammen? Mittels App, ID und QR-Codes ermöglichen es Unternehmen ihren Mitarbeitern Pakete direkt im Büro zu empfangen. Dazu wird auf einfache Art ein "Pakadoo Point" an zentraler Stelle eingericht, meist dort, wo ohnehin die Briefe und Pakete ankommen. Über eine PIN erfolgt die Auslieferung dann am Ende rechtssicher. Ziegler: "Bestellungen sind bei 99,9 Prozent aller Online-Shops möglich." Auch hätten erste Shops Pakadoo als Lieferauswahl direkt im Bestellvorgang integriert.

Doch mindestens ebenso wichtig ist die Zahl der Unternehmen, die einen "Point" eingerichtet haben. Hier nennt Ziegler die Zahl von "rund 50", darunter sollen Firmen wie Paul Hartmann, IBM und ZF TRW sein. Gut 27?000 Mitarbeiter könnten damit Pakete am Arbeitsplatz erhalten. Ist das viel oder wenig? Ziegler jedenfalls zeigt sich angetan von der Entwicklung, zumal Pakadoo erst 2015 gegründet wurde, aber erste Auszeichnungen erhalten hat.

Wobei Pakadoo eigenständig abseits von LGI vorangetrieben wird. Ziegler: "Auf diese Weise bleiben die Ideen überlebensfähig." Denn als eigene Einheit könne man mit Budgets und Ideen flexibler und schneller umgegangen werden. "So kann man Dinge schneller ausprobieren und gegebenenfalls über Bord werfen", plädiert der CIO für Einheiten abseits etablierter Strukturen. Er jedenfalls rät jedem Unternehmer angesichts des Digitalisierungsdrucks die eigenen Märkte stets im Blick zu haben. Und auf genervte Mitarbeiter zu achten.

Das Porträt erschien zuerst in der Print-Ausgabe Juni 2016 von Econo.

11 Miteinanderarbeiter

Martina Knittel und Hagen Krohn haben den „Grünhof“ in Freiburg gegründet. Co-Working-Projekte wie dieses liegen im Land im Trend: Städte und Unternehmen setzen auf eine neue Art des Schaffens.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Klar, Martina Knittel hätte wegziehen können. So wie es viele machen, die hippen Zentren in Berlin oder Leipzig haben eben „magische Kräfte“. Welcher Kreative kann da schon widerstehen? Und Knittel gehört als Mit-Initiatorin des Sozial-Projekts Bookbridge zu dieser neuen kreativen Klasse. „Ich wollte aber nicht aus Freiburg weg“, sagt die 31-Jährige beinahe trotzig. In der Zähringerstadt hat ihr aber der rechte Ort für’s Arbeiten gefehlt.

Also gründete Knittel gemeinsam mit Hagen Krohn eben selbst einen solchen Ort, den „Grünhof“ unweit des Bahnhofs. Einen Co-Working-Space, an dem sich Menschen unterschiedlicher Profession treffen. Eben ein Großraumbüro der Neuzeit: Man arbeitet gemeinsan aber individuell, sprich jeder ist sein eigener Chef – nur der Ort eint. Und die Freude daran, nicht allein arbeiten zu müssen.

Diese neue Art zu arbeiten ist für viele Experten aufgrund des verstärkten „kreativen Anteils“ an der Wertschöpfung die Zukunft. Und auch in Baden-Württemberg gibt es allmählich mehr dieser Orte des gemeinsamen Arbeitens, wie man im Internet verfolgen kann.

Doch es sind nicht nur kleine Bürogemeinschaften, die einen Schreibtisch vermieten. Auch Städte wissen den Trend zu nutzen, Pforzheim sei hier erwähnt: Dort wurde mithilfe der EU das Jugendstilgebäude des „Emma-Jäger-Bads“ zu einem viel beachteten Kreativzentrum umgebaut. In den Räumen kann man nicht nur einen Schreibtisch samt WLAN mieten. Für Goldschmiede oder Industriedesigner stehen sogar voll ausgestattete Arbeitsplätze für wenige Euro im Monat zur Verfügung. Das Ziel ist klar: Pforzheim will attraktiv sein für die Absolventen der renommierten Hochschule.

Aber auch Unternehmen erkennen die Potenziale, die sich aus dem gemeinsamen Arbeiten ergeben können: Der IT-Dienstleister GFT hat in seinen neuen Räumlichkeiten in Stuttgart gleich eine Etage für das Projekt „Code-n-Spaces“ reseviert. Der Designer Tobias Rehberger gestaltet die Räume, in die GFT-Gründer und Vorstandschef Ulrich Dietz Start-ups aus dem Hochtechnologiebereich ebenso einlädt wie etablierte Firmen. Das Ziel: Gründer und Etablierte sollen voneinander lernen und profitieren.

Doch zurück nach Freiburg. Die Soziologin Knittel und der Geo-Ökologe Krohn sitzen zufrieden in den renovierten Büroräumen. Die Atmosphäre ist konzentriert, aber locker. Die Zimmer sind eine Mischung aus Büro und Wohnzimmer. Die Miteinanderarbeiter sind der typische Kreativen-Querschnitt. Das Duo Knittel-Kron hat viel riskiert, um den eigenen Traum vom „kreativen Ort“ zu realisieren, sie fanden sogar eine Bank, die der Idee Kredit gab.

Im Oktober 2013 wurde der „Grünhof“ eröffnet. Inzwischen gibt es 65 aktive Mitglieder, die regelmäßig die Schreibtische nutzen. Knittel: „Damit sind wir zu 80 Prozent ausgelastet.“ Kein schlechter Wert.

Aber: Rechnet es sich auch? „Das Gesamt-Konzept schreibt eine schwarze Null“, so die Gründerin. Denn der „Grünhof“ setzt nicht allein auf den Co-Working-Bereich. In der ehemaligen Gaststätte wurde zudem ein Café eröffnet. Und die Räume sind für Veranstaltungen zu mieten. Daraus ergibt sich ein bunter Mix an Einnahmen sowie an Treiben in den Räumlichkeiten. Zukünftig will man auch den Schulterschluss beispielsweise mit der MFG Baden-Württemberg suchen, um attraktive Angebote für Gründer machen zu können.

Denn am Ende ist das Duo zwar Unternehmer, aber auch typisch freiburgerisch idealistisch veranlagt: „Wir wollen das Knistern schaffen, das Firmen der Kreativwirtschaft brauchen.“

Der Text erschien zuerst in der Print-Ausgabe Mai 2015 von Econo.

12 "Der Break Even ist in drei bis sechs Monaten möglich."

Markus Schüßler hat Heideljobs gegründet: Das Jobportal richtet sich nur an SAP-Spezialisten und hat eine klare globale Positionierung.

Foto: PR

Warum braucht es denn ein spezielles Jobportal für SAP-Jobs?

Markus Schüßler: Der Rhein Neckar-Raum bildet einen Ballungsraum lokaler SAP-Endkunden und SAP-Beratungshäuser. Offene Vakanzen im SAP-Umfeld sind für Bewerber schwer zugänglich, da potenzielle Arbeitgeber zumeist wenig, oder kaum in Job-Suchmaschinen vertreten sind. Darüber hinaus verfügen kleine- und mittelständige Unternehmen oftmals über keine Personalabteilung - Stellenausschreibungen sind lediglich nur auf der heimischen Karriereseite zu finden. Heidelejobs.de bildet die zentrale Plattform aller Vakanzen mit SAP-Bezug im Rhein-Neckar-Dreieck.

Ist die Beschränkung auf die Region Heidelberg als Einzugsgebiet sinnvoll? Derlei Spezialisten werden ja nicht nur im Bereich Rhein-Neckar gesucht...

Schüßler: Der regionale und fachliche Fokus macht Heideljobs zum zentralen Anlaufpunkt für jeden SAP-Experten, Azubi, oder Vertriebler, der eine Festanstellung im SAP-Umfeld sucht. Lokale Unternehmen stärken ihre Arbeitgebermarke durch Sichtbarkeit auf unserer Startseite.


Konkret gefragt: Ist an eine räumliche Ausweitung des Angebots gedacht?

Schüßler: Eine räumliche Ausweitung ist aktuell nicht geplant - der Bekanntheitsgrad unseres Jobportals wird ausschließlich durch lokales Marketing bestärkt. Der Marketingmix besteht aus Kooperationen mit lokalen Print und Onlinemedien, Facebook-Kampagnen und Bannerwerbung im Raum Walldorf.


Wie schaut denn das Geschäftsmodell aus - ab wann arbeitet Heideljobs profitabel?

Schüßler: Heideljobs.de ist ausschließlich durch eigene Mittel finanziert. Ein Break Even ist bereits nach drei bis sechs Monaten realistisch.


Ist Heideljobs mehr als ein Hobby? Bislang haben Sie ja noch einen Hauptjob.

Schüßler: Heideljobs.de bildet meine Vision, die sich durch meine langjährige Rolle im Vertrieb von SAP-Lösungen an Mittelstandskunden gefestigt hat. ?Ich durfte die vergangenen sechs Jahre am Aufbau eines heute etablierten SAP-Softwarehauses mit Sitz in Walldorf beteiligt sein.Heideljobs lässt Transparenz im lokalen Stellenmarkt Realität werden.

Zum Start sind rund 60 Stellenangebote verzeichnet, Ihr Ziel lautet "zeitnah" die Marke von 500 zu erreichen. Was bedeutet für Sie zeitnah?

Schüßler: Das Ziel von 500 gleichzeitig geschalteten Stellenangeboten soll bereits in den ersten zwölf Monaten nach Go-Live erreicht werden. ?Bereits nach nur zwei Wochen steigt die Anzahl der Initiativbewerbungen über unser Portal exponentiell an.

Sie haben sicherlich im Vorfeld den Bedarf ermittelt. Wie groß ist denn das Potenzial in der Region?


?Schüßler: Wir sprechen von mehreren hundert SAP-Kunden und Partnern im Rhein-Neckar-Kreis. Der Cloud-Trend wird diese Zahl in den kommenden Jahren enorm ansteigen lassen, da sich die total cost of ownership beziehungsweise die Implementierungszeiten enorm verringern.

Die Plattform soll ohne "lästiges Erstellen von Anschreiben" und "langes Klicken" recht komfortabel sein. Setzt Heideljobs in dem Bereich eine Benchmark?


Schüßler: Die Benchmark liegt in der Qualität der angebotenen Stellen und der Lokalität - wir legen Wert auf einen Mix aus Inhouse-Positionen, Werkstudentenstellen- und Berater-Vakanzen. Den neuen Job erreicht der ortsansässige Besucher garantiert ohne aufwändige Pendelei - via Geo-Visualisierung ist der genaue Standort des Arbeitgebers direkt sichtbar.

Sie haben 2009 bereits unter dem gleichen Namen eine Plattform zur Vermittlung von Studenten in den Arbeitsmarkt gegründet. Was ist daraus geworden?

Schüßler: Die Geburt einer Jobplattform bedeutet Skalierbarkeit und planbaren Erfolg - statt aktiv potenzielle Kandidaten zu suchen, findet der Bewerber uns. Erfahrung in der Direktansprache und Rekrutierung Heidelberger Young-Professionals verkürzt die Wege zu studentischen Unternehmensberatungen und Fachschaften. Auch auf diesem Kanal werden wir zeitnah verstärkt vertreten sein.

Markus Schüßler hat das Portal Heideljobs gegründet. Er wurde in Madrid geboren, hat Psychologie studiert, einen MBA in HR/IT, ist Buchautor, hat Gründungserfahrung und interessierte sich für Bullterrier und Longboarding. 

13 Die Ideologin

Susan Rößner hat Monomeer gegründet, einen Spezialversand für den plastikfreien Lebensstil. Porträt eines ungewöhnlichen Start-ups.

Foto: Klaus Eppele für econo

Eine Klobürste ist schuld. Wegen diesen schlichten wie sinnvollen Zubehörs wurde Susann Rößner zur Gründerin. Die Konstanzerin muss lachen, als sie ihren Werdegang auf diese einfache Formel bringt. Doch am Ende ist es eben dieser schlichte Zusammenhang: Man erkennt einen Bedarf, denkt kurz, ob es andere auch betreffen könnte, und macht ein Geschäftsmodell daraus.

Doch bei der promovierten Historikerin steckt mehr dahinter, als dieser typische Start-up-Werdegang. Es ist eine komplette Ideologie: Rößner lebt bereits seit einigen Jahren so weit wie möglich plastikfrei. Ausschlaggebend war der Film "Plastic Planet" des Regisseurs Werner Boote, ein Kult-Film der Szene und für viele eine Art Einstiegs­droge für einen neuen Lebensstil.

Rößner selbst verwendet seit knapp einem Jahr denselben gelben Sack - "nicht weil ich ihn immer wieder nutze, sondern weil er nicht voll wird." Bei Veranstaltungen, zu denen sie als Referentin geladen wird, legt sie das schlaffe gelbe Teil gerne auf den Tisch. Als Beweis, was man können würde, wenn man denn wirklich wollte. Genüsslich stellt Rößner dann auch die Flasche eines Fernseh­bieres daneben, um beiläufig da­rauf hinzuweisen, wie viele Par­tikel Mikroplastik sich darin be­finden. "2050 soll es in den Weltmeeren mehr Plastikpartikel geben als Plankton", zitiert sie zudem aus Prognosen.

Keine Frage, an Sendungs­bewusstsein mangelt es der eloquenten Mitt-Dreißigerin mit eigener Streuobstwiese nicht. Doch Ende 2013 reichte ihr das eigene Tun und bloße Darüberreden nicht mehr aus. Und hier kommt die Klobürste ins Spiel. Wer plastikfrei leben möchte, der hat es nicht leicht. Dafür reicht der oberflächliche Blick auf die Regale im Supermarkt.

Klar, Lebensmittel lassen sich auf dem Wochenmarkt in mitgebrachten Utensilien unterbringen. Der Metzger des Vertrauens akzeptiert das ebenfalls. Doch wer ein plastikfreies Deo möchte, der muss lange suchen - selbst im Internet. Denn Umweltversender wie Waschbär aus Freiburg (360 Mitarbeiter, 80 Millionen Euro Umsatz) oder Lifestyle-Anbieter wie Manufactum (400 Mitarbeiter, 75 Millionen Euro) bieten zwar durchaus plastikfreie Produkte. Rößner: "Doch man muss sich alles überall zusammensuchen."

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer ein plastikfreies Produkt kauft, der will auch kein Plastik in der Verpackung. "Genau das habe ich mit der Klobürste erlebt", so Rößner. Ein Unding!? Für die Historikerin, die konsequent selbst das kleine Schoko­stückchen zum Espresso verweigert, weil es verschweißt daherkommt, war es Anstoß für die letzte Konsequenz: Sie gründet im November 2013 den Spezialversand monomeer.de.

Hier versammelt sie alle Produkte vom Schreibset bis zur plastikfreien Zahnpasta, versendet ohne Plastik - und wusste anfangs doch nicht recht, auf was sie sich einlässt. Denn Rößner machte zwei Dinge nicht, mit denen Start-ups gemeinhin viel Zeit verbringen. ­Erstens die Marktforschung, zweitens einen Businessplan. Rößner: "Ich habe mich allein auf mein Bauchgefühl verlassen und wollte ohnehin keine fremden Geldgeber." Lieber griff sie die Ersparnisse an - und heimste gleich zum Start ein Preisgeld als Siegerin beim Regional-Cup des "Elevator Pitchs BW" ein.

Seitdem sind knapp zweieinhalb Jahre vergangenen. Der Anfang war zäh, inzwischen läuft es richtig rund. Rößner bedient mit ihrem Angebot offensichtlich den Zeitgeist der urbanen "Hippness". Doch schon steht die Wahl-Konstanzerin vor neuen Herausforderungen: Soll sie den Nebenjob an der Uni aufgeben? 16-Stunden-Tage sind schließlich auf Dauer nicht erbaulich. Soll sie weitere Aushilfen einstellen? Und am Ende sogar die Wachstumspotenziale mit Fremdkapital ausschöpfen? Rößner: "Die Antworten fallen mir nicht leicht. Monomeer lebt von der Authentizität, die darf nicht leiden." Und wenn sie ein anderer Anbieter mit Kapitalstärke vom Markt drängt? Rößner: "Am Ende könnte ich das akzeptieren, weil es die Sache voranbringt."

14 Abgefahren

Uwe Schwellbach hat Pelopscar gegründet. Das Start-up soll nicht weniger als den Gebrauchtwagenmarkt revolutionieren. Dass es gelingen könnte, dafür spricht seine Vergangenheit.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Autos, ausgerechnet. "Dabei habe ich davon nicht wirklich Ahnung", lacht Uwe Schwellbach. Und ausgerechnet er hat Pelopscar gegründet, einen Dienstleister, der den privaten Autoverkauf umkrempeln könnte: "Seit Jahren wurde ich von Freunden immer wieder nach meiner Meinung gefragt, wenn es um den Autokauf ging."

Seine Ahnung hat er als seelischer Beistand kaum mehren können, dafür ist in Schwellbach die Idee für sein Start-up gereift.

Schwellbach hat ein Büro in einem Co-Working-Space am Karlstor in Karlsruhe, durchs offene Fenster quillt die Hektik der Stadt. Der eloquente Mitvierziger mit den feinen Gesten und der modischen Brille steht in seiner ruhigen Art im Kontrast dazu. Das Etikett Gründer mag obendrein so gar nicht zu ihm passen. Schwellbach ist kein Nerd. Er hat eine veritable Karriere hinter sich, war CFO bei Lapp Kabel, stand in Verantwortung bei einem US-amerikanischen Spezialisten für 3-D-Laser-Messungen, hat "Zukäufe kleiner Buden" gemanagt. Kurzum: "Ich war ein klassischer Manager."

Aber eben einer, der rechts und links des Weges schaut. Bei seinen Autokauf-Begleittouren ist ihm aufgefallen: "Bei den Käufern mischt meist ein negatives Gefühl mit." Wird man vom Verkäufer reingelegt? Ist der Tacho manipuliert, ein etwaiger Unfall nicht angegeben worden? Überhaupt: Ist das Fahrzeug den Preis generell wert?

Wenn man sich dann vor Augen führt, dass gut 40 Prozent der in Deutschland nachgefragten 7,33 Millionen Fahrzeuge von Privat an Privat vertickt werden, dann ist Schwellbachs Euphorie nachvollziehbar: "Da gibt es einen Markt!" Nun hat der Betriebswirt nicht nur aufs Bauchgefühl gehört, sondern besagten Markt sondiert, Probeläufe in und um Karlsruhe gestartet, eine Datenbank mit unzähligen Details zu Fahrzeugtypen aufgebaut - "das war meine Winterarbeit" -, um per App Scorewerte für eine realistische Bewertung vornehmen zu können, und ein Geschäftsmodell ersonnen.

Das geht vereinfacht gesagt so: Ein Kunde bucht einen Kfz-Experten bei Pelopscar, der ihn zur Begutachtung und Analyse begleitet. Dafür zahlt der Kunde zwischen 99 und 800 Euro, je nach dem, welches Paket gebucht wird. Wer den Preis als stattlich empfindet, für den hat Schwellbach einen Clou: Pelopscar - übrigens benannt nach einem alten griechischen Helden - bietet zugleich Garantie und Gewährleistung. Schwellbach: "Damit wird der Verkauf von Privat so sicher wie bei einem Händler." Der Gründer geht noch einen Schritt weiter: "Wir werden zur echten Alternative zum normalen Gebrauchtwagenhandel."

Damit die Aussage stimmt, muss Schwellbach allerdings so schnell wie möglich auf dem Markt sichtbar werden, nicht nur in Karlsruhe, sondern bundesweit. Ein Problem, das er natürlich bereits erkannt hat - Schwellbach verhandelt mit namhaften Institutionen über veritable Partnerschaften. Manager bleibt eben Manager.

15 Papierlos

Seit gerade mal zwei Jahren sind Fabian Silberer und Marco Reinbold mit ihrer Buchhaltungssoftware SevDesk am Markt – nun bereiten die Jungunternehmer sich auf die Internationalisierung vor.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Sie sind angekommen. In einem unscheinbaren Bürohaus direkt an der Offenburger Hauptstraße, die die Innenstadt mit dem Bahnhof verbindet. Draußen prangt ein großes "Zu vermieten"-Schild und auch im Büro der jungen Firma sieht es noch aus, als wären diverse Umzugskartons noch nicht ausgepackt. Es ist leer. Es ist noch viel Platz. Seven IT wird ihn brauchen.

Fabian Silberer und Marco Reinbold haben die Firma im Oktober 2013 gegründet. Ihre Idee: Sie haben eine Buchhaltungssoftware programmiert, die sich über die Cloud steuern lässt. Keine Daten-CDs mehr, keine Vertriebskosten für Updates. Damit ist die junge Offenburger Firma den großen der Branche einen Schritt voraus gewesen. Firmen wie Lexware oder Datev haben diesen Schritt erst später getan, holen nun aber kräftig auf.

Fabian Silberer ficht das nicht an. Er sitzt im dritten Stockwerk des Bürohauses an einem groß­zügigen Besprechungstisch. Daneben steht ein großer Fernseher. Die Controller für eine Spielkonsole daneben lassen die Vermutung zu, dass hier nicht nur gearbeitet wird. Viele junge Firmen, vor allem aus dem IT-affinen Umfeld, legen immer mehr Wert darauf, dass neben dem guten Arbeitsumfeld auch das soziale Miteinander stimmt.

Bei Seven IT ist das nicht anders. Anfang Januar 2014 kommt die Cloud-Software SevDesk auf den Markt. Zu dieser Zeit hat die Firma gerade mal zwei Mitarbeiter - die beiden Gründer. Heute, zwei Jahre später, zählt Seven IT 3500 Kunden und mehr als 30.000 registrierte Nutzer. Allein im vergangenen Monat seien 350 neue Kunden hinzugekommen, so Silberer. Sie zahlen zur Nutzung der Software eine monatliche Gebühr, die je nach Umfang zwischen acht und gut 50 Euro liegen kann.

Die Belege werden so aufbereitet, dass der Steuerberater einfach damit arbeiten kann. Den Papierkram macht SevDesk überflüssig. Das zeigt sich auch im Arbeitsumfeld. "Wir arbeiten mittlerweile fast papierlos", sagt Silberer. Mittlerweile zählt das Unternehmen 15 Mitarbeiter. Gerade am Tag vor dem Gespräch mit Econo wurde wieder ein neuer eingestellt. Allein im vergangenen Jahr sind neun neue Leute hinzugekommen.

Zum Start hat Seven IT ein Förderdarlehen der L-Bank über 100.000 Euro bekommen. "Wir haben schon einiges zurückgezahlt", sagt Silberer stolz. Außerdem ist ein Business Angel mit einer Anschubfinanzierung über 150.000 Euro eingestiegen. Das sei ein wichtiger Ratgeber für das junge Unternehmen gewesen, sagen die beiden Gründer. Die weitere Expan­sion geht nun über die Internationalisierung. In der DACH-Region ist SevDesk bereits verbreitet. Nun geht es in das erste fremdsprachige Land: Griechenland.

Der Schritt in den neuen Markt ist simpel. Die Software wird übersetzt, von einem heimischen Experten geprüft und dann ausgerollt. Das Werbebudget ist schmal. Ein paar Tausend Euro für Werbung in Netzwerken wie ­Facebook reichen oft schon aus, um den Stein ins Rollen zu bringen. In Österreich und der Schweiz habe das ­funktioniert, in Griechenland werde man es ähnlich ­machen, so Silberer.

In den Büroräumen ist noch Platz. Im hinteren Bereich des schlauchartigen Offices können noch einige Schreibtische aufgestellt werden. Wächst Seven IT in diesem Tempo weiter, aktuell sind es 10 bis 20 Prozent jeden Monat, könnte es aber in absehbarer Zeit schon wieder eng werden. Fabian Silberer und Marco Reinbold haben das im Blick. Ihr Unternehmen rechnet sich jetzt. Ex­pansion ist jetzt Teil des Plans. Nach gut zwei Jahren am Markt zeigt sich, dass das Geschäftsmodell der Offen­burger Jungunternehmer funktioniert.

16 Die Brutstätte

In der Hoepfner-Burg in Karlsruhe entsteht mit Millionen-Aufwand eine Hightech-Landmarke: Das Cyberforum bündelt hier Gründerkompetenzen für das Land und Friedrich Georg Hoepfner plant das „Smart Quarter“.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Die Abbrucharbeiten laufen auf Hochtouren, da tun sich mit einem Mal zwei zugemauerte Fenster auf. Riesige Öffnungen im dicken Mauerwerk, mehrere Quadratmeter groß und mit Rundbogen - aber in keinem Plan verzeichnet. Die Handwerker sind ratlos, Bauherr Friedrich Georg Hoepfner ist positiv überrascht: So kommt schon mehr Licht in die neuen Räumlichkeiten im "Alten Malzwerk", der sogenannten Hoepfner-Burg in der Karlsruher Oststadt.

Denn was der Mäzen hier mit Millionen-Aufwand vorantreibt, verdient das rechte Licht durchaus. Auf einen Teil der Räumlichkeiten, die durch Fenster nun deutlich aufgewertet werden, hat David Hermanns bereits die Hand drauf: Der Chef des Hightech-Netzwerks Cyberforum belegt zusätzliche 1200 Qua­dratmeter auf mehreren Stockwerken. Denn der bestens vernetzte Hermanns hat mit dem Netzwerk eine neue Stufe erreicht: Das Land reicht 700.000 Euro an EU-Mitteln weiter, damit das Cyberforum sein "CyberLab" deutlich aufstocken kann - die gleiche Summe bringen die Unterstützer des Cyberforums sowie die Stadt Karlsruhe, um den Ausbau voranzutreiben.

Hinter dem "Lab" verbirgt sich eine Art "Brutkasten" für Gründer in der ersten Phase. Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid begründet den Invest mit der "immensen Innovationskraft der IKT-Branche". Sein Ziel: Mit dem ausgebauten "CyberLab" soll "der Spitzenplatz des Landes im föderalen Wettbewerb verteidigt werden". Doch was haben die Gründer praktisch davon? "Wir bieten einen kostenfreien Arbeitsraum für neun Monate, die Unterstützung durch Mentoren sowie Zugang zu unserem Netzwerk", umschreibt es Hermanns. Das Cyberforum wird mit diesem IT-Accelerator mit den bis zu 20 Plätzen zur zentralen Anlaufstelle für Hightech-Gründer im Land, bereits im Mai sollen die ersten Start-ups einziehen.

Die wachsende Bedeutung des Netzwerks unterstreicht daneben noch ein zweiter Förderbescheid: Gemeinsam mit dem FZI (Forschungszentrum Informatik) wird das Cyberforum das DIZ (Digitales Innovationszentrum) in der Hoepfner-Burg aufbauen. Hermanns: "Das DIZ wird ein landesweit agierendes Kompetenzzentrum, das insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen soll." Vor allem in den Bereichen Unternehmenssoftware und IT-Sicherheit soll das DIZ die Kompetenzen im Land bündeln.

Der bemerkenswerte Bau aus dem Jahr 1896 mit den burgähnlichen Architektur-Anklängen wird damit endgültig zur Landmarke in Sachen Hightech, mit Strahlkraft weit über Karlsruhe hinaus. Seit Jahren haben in dem Bau bereits neben dem Cyberforum mehrere erfolgreiche Unternehmen der Kreativbranche ihren Sitz. So begann Chrono 24 hier seinen Siegeszug als globaler Online-Marktplatz für Luxusuhren - erst vor wenigen Monaten erhielt die GmbH weitere 21 Millionen Euro von Risikokapitalgebern. Zusätzliche Büroflächen im "Alten Malzwerk" werden für Chrono 24 gerade aufbereitet.

Generell sind die 20.000 Quadratmeter Fläche des ehemaligen Brauerei-Areals für Handwerker eine gute Bank. Friedrich Georg Hoepfner hat hier Wegweisendes vor: Er plant ein "Smart Quarter" für Unternehmer, ältere und jüngere Bewohner samt Glasfaser, barrierefreien Wohnungen, Seniorenheim, Kindergarten und - traditionsbewusst - einem Getränkemarkt. Die Erkenntnisse aus dem auf der gegenüberliegenden Straßenseite angesiedelten FZI mit seiner breiten Forschungsarbeit auch im Bereich smarter, seniorengerechter Wohnungen sollen in den Bau einfließen. Zu den Kosten hält sich Hoepfner indes bedeckt.

Übrigens: Die Bauarbeiten bleiben für Investor Hoepfner spannend. Er vermisst nämlich einen Weinkeller in den Weiten des Untergrunds der Burg. Innerhalb der Familie genießt dieser einen legendären Ruf, seit dem Zweiten Weltkrieg ist er aber wie vom Erdboden verschluckt. Wer weiß, was sich noch ergibt.

17 Drei Buddies

Free-Linked aus Pforzheim revolutioniert den Tauchsport. Das Produkt ist innovativ, die Gründer sind zielstrebig. Doch ein Unternehmen aufzubauen, ist kein Sprint, sondern ein Marathon – Durchhänger inklusive.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Die Geschichte des Start-ups Free-Linked beginnt 18 Meter unter der Wasseroberfläche, direkt vor der australischen Küste im Jahr 2008. Michael Feicht verliert beim Tauchen seinen Partner aus den Augen. Für Unterwassersportler eine heikle Situation.

Doch Feicht kommt dabei eine Idee - gemeinsam mit zwei weiteren Kommilitonen der Hochschule Pforzheim entwickelt er den "Buddy-Watcher". Das Gerät verhindert, dass man unter Wasser seinen Partner aus den Augen verliert. Es ist eine Art Funkgerät für Taucher. Aber natürlich funkt es nicht, sondern sendet Ultraschall-Signale.

Michael Feicht, Eduard Sabelfeld und Sergej Koch haben seitdem einiges erlebt: Produkt entwickelt, Finanzierung auf die Beine gestellt und Investoren gefunden - schlicht: Klinken geputzt, um ihren Traum zu verwirklichen. Mit Erfolg: Seit vergangenem Herbst ist der Buddy-Watcher auf dem Markt, endlich online und in Fachgeschäften zu kaufen. Zu Beginn, im Herbst vergangenen Jahres, hat man 30 Stück pro Monat verkauft, inzwischen sind die Pforzheimer bei 100 pro Monat. Bis dahin war es ein langer Weg.

Denn den Gründern ist schnell klar: Ohne das entsprechende Kapital und die geeigneten Partner wird keine Idee marktreif. "Die Region Nordschwarzwald ist das perfekte Umfeld für uns", sagt Sabelfeld. Als Produktions- und Entwicklungspartner hat man die Kunststoffspezialisten der Polyrack-Gruppe aus Straubenhardt im Boot. Der Oberderdinger Unternehmer Frank Straub unterstützt die drei ehemaligen Studenten, die sich sofort nach dem Studium selbstständig gemacht haben, wie auch Steuerberater Thomas Kappler als Business Angel. Vor Kurzem hat sich noch ein Privatmann aus Heidelberg als Investor beteiligt, will seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Und auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) hat sich nun an Free-Linked beteiligt - für ein Start-up, das die Pforzheimer trotz eines Alters von fünf Jahren noch immer sind, der Ritterschlag.

Wo die MBG investiert, ist die schwierige Startphase der Gründer schon überstanden. Doch eine Gründung und der Aufbau eines Unternehmens sind kein Sprint, eher ein Marathon - kleine Durchhänger inklusive.

Der Juni lief nicht optimal, verrät Sabelfeld. Und auch die 100 Exemplare, die man zuvor pro Monat verkauft hat, sollten nur der Anfang sein. "Wir haben den Erklärungsbedarf, den der Buddy-Watcher hat, ein wenig unterschätzt", sagt Sabelfeld, der nun wie Koch und Feicht eifrig den Fachhandel im Land bereist, um die Werbetrommel zu rühren. Zwar sei die Resonanz in den Fachzeitschriften hervorragend gewesen, doch der Markt muss erst überzeugt werden.

"Wenn ein Taucher einen Buddy-Watcher erst mal benutzt, will er nicht mehr auf ihn verzichten", sagt er. "Aber die Frage ist: Wie kriegt man den Taucher dazu, das Gerät zu benutzen?" Weil: Das Tauchen ging bisher ja auch ohne - nur ist es ohne Buddy-Watcher um einiges gefährlicher.

So rüstet Free-Linked nun den Fachhandel mit Testgeräten aus, bietet zudem einen Doppelpack zum Sonderpreis an. Parallel suchen die drei weiter nach Investoren, Expansion kostet schließlich Kapital. Und sie arbeiten unermüdlich an weiteren Kooperationen, erschließen Themenfelder, in denen der Buddy-­Watcher zum Einsatz kommen könnte: Kürzlich hat sich die Uni Nürnberg bei Free-Linked gemeldet. Die Ultraschalltechnologie soll dabei helfen, Vitaldaten unter Wasser zu versenden.

Die Idee, die Technologie auch in die Auto­branche zu transferieren, ging nicht auf. "Wir haben einfach gemerkt, dass das nicht zu 100 Prozent passt", sagt Sabelfeld. "Als Start-up muss man seine Zeit und Energie genau einteilen. Deshalb war schnell klar, dass wir das nicht weiterverfolgen werden." Sich zu fokussieren, das Wesentliche im Auge zu behalten, gilt auch für den Vertrieb: "Unser Schwerpunkt liegt auf den Märkten Deutschland, Schweiz sowie Österreich", erklärt Sabelfeld. Überraschungen gibt es dabei dennoch: "Vor allem in Polen ist die Nachfrage nach dem Buddy-Watcher sehr groß." Der Grund: Dort ist Tauchen noch elitäres Hobby. Die Bereitschaft, für zusätzliche Geräte Geld auszugeben, ist höher.

"Die ersten vier, fünf Jahre standen ganz klar im Zeichen der Technologie, der Entwicklung, der Produktion", erzählt Sabelfeld. Jetzt beginnt die Kärrnerarbeit von vorn, im Vertrieb. 800 Händler, die möglichst alle überzeugt werden sollen. Sabelfeld lächelt. "Das ist die nächste Aufgabe", sagt er. Ausdauersport eben.

18 Die Maultäschler

Stefan Bless hat mit vier Freunden das Portal stuggi.de gegründet. Mit ungewöhnlichen Lebensmitteln trifft das Quintett den Nerv der Zeit – selbst international

Foto: PR

Stuttgart. Stefan Bless wirkt, als könne ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Ein Metzgermeister eben. Doch in diesen Tagen Ende August muss auch Bless erst einmal durchschnaufen. Die Bürgschaftsbank des Landes ist bei ihm eingestiegen, gewährt eine Gründerfinanzierung. "Echt klasse", fndet das Bless und man hat den Eindruck, er kann den Erfolg nicht recht glauben.

Denn der 30-Jährige hat zusammen mit vier Freunden ein Start-up aufgelegt, das einem ein Lächeln entlockt: einen Maul­taschen-Konfigurator im Internet. Auf stuggi.de können sich Leckermäuler die Teigtaschen in allen erdenklichen Kompositionen zusammenstellen. Von schwarzem Teig über süße oder vegetarische Inhalte bis zu scharfen Varianten, alles ist möglich. "Natürlich gibt es auch ganz klassische Maul­taschen", schmunzelt Bless. Bis zu 20 Pakete verschickt der Unternehmer aktuell pro Tag, die gehen bis nach Venezuela. Bless: "Die meisten aber nach Berlin, Hamburg oder Leipzig." Eben in die Hipster-Hochburgen.

Denn stuggi.de trifft den Nerv der Zeit: Handgemachtes Essen ist in, wie der Blick ins Regal der Buchhändler verrät oder der Besuch eines der ungezählten "Street-Food"-Festivals zwischen Stuttgart und Berlin schmackhaft vorlebt. Selbst in Villingen-Schwenningen meldet der jüngst eröffnete "Bun-Bun Burger" teils schon nachmittags per Facebook "Ausverkauft!". Ein anderes Beispiel: Die Running Mhhh GmbH, die als schwäbische Fast-Food-Aufmischer unter dem Slogan "I love Mauldasch" 2010 in einer Besenwirtschaft in Berglen begann und inzwischen in Stuttgarts Mitte ein Ladengeschäft betreibt.

Zurück zu stuggi.de. In fünfter Generation führt Bless mit seiner Mutter den kleinen Metzgerladen. "Eine typische Metzgerei am Eck." Und damit mit allen Herausforderungen: Die Metzgerei nährt die Familie samt Verkäufern. Doch Bless wartet nicht, bis dem eventuell nicht mehr so sein könnte: "Lieber treibe ich Dinge voran."

So hat er schon "Stuggis Weisse" entwickelt, eine Art Weißwurst mit integriertem Senf - die sich mit einem Happs essen lässt. Oder die "Turm Salami", natürlich in Form des Fernsehturms. Oder einen Grillfleisch-Automaten. Und jetzt eben den Maultaschen-Konfigurator. Wobei Bless bei seiner Gründung Augenmaß bewies: "Ich baue auf die Erfahrungen meiner Mitgründer." So wie er seine als Metzger einbrachte, stellt Tobias Meyer seine als Controller und Vertriebler zur Verfügung, Niko Reinke verantwortet das Marketing, Beytu Köksal die IT und Lennart Reinke die Warenwirtschaft. "Jeder verantwortet den Bereich, in dem er ohnehin arbeitet", so Bless. Für ihn ist diese Konstellation der sicherere Weg der Gründung. Und in einem sind sich alle fünf auch einig: Eine Exit-Strategie gibt es nicht. Da ist man schwäbisch-bodenständig.

19 „Die Wirtschaft wandelt sich rasant!“

Business Angel Matthias Hornberger über Todeszonen für Gründer, den nötigen Mentalitätswandel und erklärt, warum die Erbrechtsdebatte belächelt wird.

Foto: Jigal Fichtner für econo

Zum Einstieg, Herr Hornberger: Was macht eigentlich ein Business Angel?

Matthias Hornberger: Ein Business Angel unterstützt Gründer, vor allem aus dem Hightech- und IT-Bereich, finanziell und mit Wissen. Business Angels sind meist in Gruppen organisiert, in Karlsruhe sind es 41 Mitglieder, in ganz Deutschland dürften es um die 6000 Business Angels sein, wirklich aktive allerdings deutlich weniger.

Dann dürften frühere Klagen von Gründern über mangelnde Unterstützung der Vergangenheit angehören… 

Hornberger: In den vergangenen Jahren hat sich tatsächlich für die frühe Gründungsphase einiges getan. In dieser Seed-Phase stehen ausreichend Finanzierungsmöglichkeiten von Privatpersonen, Venture Capital und dem öffentlichen Sektor zur Verfügung. Doch bei den anschließenden Wachstumsphasen wird es für viele aufstrebende Gründer schwierig, diese Phase ist fast eine "Todeszone", wie die letzten tausend Höhenmeter am Mount Everest.

Das müssen Sie erklären.

Hornberger: In der Wachstumsphase ist der Finanzierungsbedarf meist höher, schnell kommen da siebenstellige Beträge zusammen. Der Markt für derlei Finanzierungen ist sehr überschaubar, in Deutschland sind hier nur gut 15 Fonds aktiv. Zusätzlich tummeln sich aber einige ausländische VC Fonds, die mit Liquidität einspringen.

Das birgt die Gefahr von Knowhow-Abfluss?


Hornberger: Das stimmt. Wenn ein Investor, beispielsweise aus den USA, erst einmal die Finger auf einem hoffnungsvollen Unternehmen hat, dann ist die Zukunft meist klar - der Verkauf an einen internationalen Wettbewerber.

Braucht es also mehr Business Angels?

Hornberger: Mehr Business Angels wären natürlich klasse. Derzeit liegt der um die Bevölkerungszahl bereinigte Faktor zwischen dem Silicon Valley und Deutschland bei zehn zu unseren Ungunsten! Generell brauchen wir aber eine grundlegende gesellschaftliche Akzeptanz für das, was Gründer und Investoren leisten.


Was meinen Sie damit?

Hornberger: In den USA ist man ein Held, wenn Gründer und Investoren Millionen oder Milliarden machen. In Deutschland gibt es dann eine Diskussion: Haben die das verdient? Zudem dürfen bei uns beispielsweise Pensionsfonds und Versicherungen nicht im Risikobereich aktiv sein und nur sieben Prozent der Deutschen befassen sich mit Aktien. Damit sind potenzielle Geldquellen schnell erschöpft, dabei erleben wir derzeit einen rasanten und grundlegenden Wandel unserer Wirtschaftskultur!

Sie heben damit auf die Digitalisierung ab?


Hornberger: Ja, denn eine Auswirkung der Digitalisierung ist eine veränderte Gründungsmentalität - Geschwindigkeit schlägt alles. Wer heute eine Firma gründet, der lächelt über die Erbschaftssteuerdebatte. Kein Gründer denkt heute daran, ein Familienunternehmen aufzubauen. Heute muss die eigene Idee möglichst schnell zur Marktreife und zum Erfolg gebracht werden, sonst ist der Markt weg. Und nach spätestens fünf bis sieben Jahren geht es darum, dieses erfolgreiche Unternehmen mehrheitlich zu verkaufen. Denn kein Gründer kann die Investoren ausbezahlen, wenn der Firmenwert bei 50 Millionen Euro liegt, der Umsatz aber "nur" bei zehn Millionen, wie das bei wachstumsstarken Unternehmen durchaus sein kann.

Marktreife und Erfolg muss man aber auch erst einmal erreichen.

Hornberger: Das ist ein wichtiges Thema für die Business Angels. Wenn ein Gründer mit seiner Idee vor einem steht, hat man zwar die eigene Erfahrung und das Bauchgefühl, aber keine Erfolgs­garantie. Deshalb muss man die Gründer eng begleiten und wir Business Angels tauschen uns untereinander aus.

Das Business-Angel-Geschäft ist damit nichts für die Altersvorsorge…


Hornberger: (lacht) Für die eigene ist es tatsächlich unsicher. Spaß beiseite: Wer Business Angel werden will, der sollte über freies Kapital verfügen, das wirklich für nichts anderes benötigt wird und langfristig angelegt werden kann.

Welche Summen sind für ein Engagement notwendig?

Hornberger: Es geht weniger um die Höhe der Summe. Über Crowdfunding-Plattformen kann eigentlich jeder mit überschaubaren Investitionen Ideen unterstützen. Wer aber wirklich als Business Angel tätig werden will, der sollte mit einem Zeithorizont von bis zu sieben Jahren und zwischen 25.000 und 500.000 Euro an Kapitalbedarf je Finanzierungstranche bei "seinem" Gründer rechnen. Das kann und sollte man in der Regel gemeinsam mit anderen stemmen, beispielsweise mit unseren Business Angels im CyberForum.

Dafür ist dann aber mit Blick auf Facebook, Instagram und Co. die Rendite entsprechend?

Hornberger: (lacht) Die möglichen Renditen sind tatsächlich nicht schlecht, 20 bis 40 Prozent per anno sind möglich. Bevor man aber in Euphorie verfällt: Wer als Business Angel in fünf Gründer investiert, muss das Scheitern von dreien als Möglichkeit einkalkulieren. Das relativiert manches.

20 Ello überzeugt in der Höhle der Löwen

Zwei Investoren in TV-Sendung überzeugt

Foto: E-Movements

Stuttgart. Das Stuttgarter Starup E-Movements hat zwei neue Investoren für seinen elektrischen Rollator Ello begeistert: Beim Auftritt in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ hat das Gründerteam Carsten Maschmeyer und Georg Kofler überzeugt. Die beiden investieren 350.000 Euro und erhalten dafür 30 Prozent der Anteile an Elle. Weitere 50.000 Euro stellen die Investoren dem Unternehmen als Working Capital zur Verfügung.

E-Movements, die Firma hinter dem elektrischen Rollator, wurde vor zwei Jahren gegründet. Seit knapp einem Jahr ist das Gerät am Markt. Ello verfügt über einen elektrischen Antrieb und eine elektrische Bremse. „Der elektrische Antrieb von Ello unterstützt da, wo andere Rollatoren ins Stocken geraten“, erklärt Benjamin Rudolph, einer der drei Ello-Gründer.

„Ello hat mich von Anfang an beeindruckt“, sagt Investor Georg Kofler. „Das Unternehmen wird von einem tüchtigen Gründerteam geführt, das meine volle Unterstützung hat. Ich bin sehr glücklich, dass ich gemeinsam mit Carsten Maschmeyer in dieses vielversprechende Projekt investieren konnte.“



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