Jetzt also doch: Alno vor der Pleite

Immer wieder wurde über die Insolvenz des schwäbischen Küchenherstellers spekuliert – nun zieht der neue Investor die Reißleine. Jetzt hat das Amtsgericht gesprochen.

 
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Pfullendorf. Das Amtsgericht Hechingen hat laut Pressemeldungen dem Antrag von Alno stattgegeben. Demnach darf sich die AG in Eigenregie sanieren – ganz so, wie es der neue Mehrheitsaktionär Tahoe geplant hat: Altlasten loswerden, durchstarten. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte. Die Kanzlei hat aktuell dem TSV München aus der Krise geholfen und betreut die Insolvenz der Lutz Fleischwaren. Daneben wird ein sechsköpfiger Gläubigerausschuss eingerichtet. Der Aldo-Vorstand lässt sich im Verfahren von der Kanzlei Dentons unterstützen.

1995 ging Alno an die Börse und seit diesem Jahr gab es kaum eine Bilanz, die den Anteilseignern wirklich Freude machen konnte. Im Halbjahresbericht 2016 standen drei Millionen Euro liquiden Mitteln langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 180 Millionen Euro gegenüber. Der Umsatz holperte und stolperte ohnehin und lag 2015 bei 522 Millionen Euro – die Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2016 waren gleich drei Mal verschoben worden.

All das kam naturgemäß nicht gut an, Gerüchte über eine Insolvenz gab es beinahe im Wochentakt. Jetzt wird es amtlich: Der Vorstand hat für die AG und die Tochtergesellschaft Wellmann sowie den Logistik & Service-Ableger beim Amtsgerichts Hechingen den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt. Alle übrigen Tochter- und Auslandsgesellschaften sollen davon nicht betroffen sein.

Laut Mitteilung soll mit dem Verfahren der "eingeleitete Turnaround abgesichert werden". Demnach wurde zwischen Januar und Mai der Fehlbetrag gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Millionen Euro auf -1,3 Millionen Euro abgeschmolzen. Details nannte das Unternehmen nicht. Als Grund für den nun gestellten Antrag werden die "hohen Finanzverbindlichkeiten und die damit verbundene Zinsbelastung" genannt. Verhandlungen mit Investoren und Gläubigern hätten nicht die erhoffte Erleichterung erbracht.

Mit dem Einstieg des Investors Tahoe Anfang des Jahres war in die Causa Alno Bewegung gekommen – nach nur zehn Tagen lag ein erster Plan auf dem Tisch: 350 Arbeitsplätze sollten gestrichen, ein zweistelliger Millionenbetrag so eingespart werden. Daneben setzte Tahoe Christian Brenner als neuen Finanzchef durch, der anmerkte, auf dem der Sanierung "jeden Stein umzudrehen".

Tahoe hält 43 Prozent an Alno und ist damit der größte Anteilseigner. Hinter dem Investor steht die Prevent-Gruppe, die unlängst durch einen Machtkampf im Auto-Zulieferbereich für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Der Traditionsreiche Küchenhersteller Alno mit Sitz in Pfullendorf gehört zu den führenden Unternehmen der Branche in Deutschland. An vier internationalen Standorten produziert die AG mit 1900 Mitarbeitern ein Küchenvollsortiment für den deutschen und internationalen Markt. Das Unternehmen ist in 64 Ländern aktiv.

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